Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1986
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_19/9/
Die hohen Ozonkonzentrationen in der Luft wirken zerstörerisch 
Liechtensteiner Umweltbericht 
Waldsterben 
Seite 9 Das Waldsterben geht ungebremst weiter Anlässlich einer Pressekonferenz orientierten Regierungsrat Anton Gerner, Forstamtsleiter Dr. Felix Näscher und Günther Wanger vom Amt für Volkswirtschaft, zuständig für Luft- messungen, über vorläufige Ergebnisse aus dem Programm «Gesunder Wald» (GEWA) zur Erforschung, Erfassung und Bekämpfung der Waldschäden in der Periode 1984-1990. Der Zustand des Waldes verschlimmert sich von Jahr zu Jahr. Dies ist das eindeutige Ergebnis aus verschiedenen Erhebungsme- thoden. Primäre Ursache des Waldsterbens ist die Luftverschmutzung.  In Liechtenstein haben die Luftmessungen insbesondere eine alarmierende Belastung der Luft mit dem Se- , kundärschadstoff Ozon ergeben. Für das Zu- standekommen dieser Ozonbelastung muss der regionale Verkehr verantwortlich ge- macht werden. Seit Oktober 1983 nehmen die Gemeindeför- ster jährlich eine Schätzung des Schadenum- fanges in den Wirtschaftswäldern vor. Ge- mäss dieser groben Feststellung hat sich die geschädigte Waldfläche innerhalb von zwei Jahren von 27 % auf 40 % erhöht. Im Frühjahr 1984 wurden über das Land ver- teilt 
16 Dauerbeobachtungsflächen von 0,5-1,0 ha Grösse eingerichtet und jeweils 100 Bäume individuell markiert. Halbjährlich werden Aufnahmen dieser Bäume gemacht, die eine deutlich steigende Tendenz der Scha- denssituation erkennen lassen. Die in der gut- achtlichen Schätzung der Gemeindeförster nachgewiesene Verschlechterung des Ge- sundheitszustandes des Liechtensteiner Wal- des wird somit bestätigt. * * * Ab 1986 wird zudem eine Waldinventur nach dem Stichprobenverfahren durchgeführt (Eine Stichprobe pro 12,5 ha). 
Zur landesumfassenden Erhebung des Scha- denausmasses und der Schadenentwicklung wurden 1984/85 Luftaufnahmen mit spezieller Infrarottechnik gemacht. Diese werden lan- desweit im Massstab 1:9000 ausgewertet. Der Abschluss dieser flächendeckenden Wald- schadenkartierung ist auf den Herbst 1986 zu erwarten. Ein 600 ha umfassendes, zwischen Maurer- und Forstrüfe gelegenes und sich vom Tal bis zum Dreischwesternkamm er- streckendes Waldgebiet wurde im Massstab 1:3000 aufgenommen. Die Aufnahmen wer- den derzeit bearbeitet. Ergebnisse über Vita- litätsveränderungen sind jedoch erst nach der Zweitbefliegung dieses Gebietes im kommen- den Sommer zu erwarten. Nadelanalysen nach Schwefelkonzentration werden seit 1973 gemacht. Die Ergebnisse der Untersuchungen 1984 erbrachten eine mehr oder weniger gleichmässige Verteilung unter- schiedlich belasteter Nadeln über das ganze Land. Rheintalseitig sind die Konzentra- tionen höher als im Alpengebiet. Die in Liechtenstein ermit- telten 
Schwefelge- halte der Fichtenna- deln übertreffen die österreichischen Grenzwerte im 1. Nadeljahrgang mit 100 % (Vorarlberg: 29,7 %), im 2. Nadeljahr- gang mit 78 % aller Proben (Vorarlberg: 41,2 %). Die Schwefelbelastung der Fichten in Liechtenstein muss somit als alarmierend beurteilt werden. Von 1984 bis 1990 werden an sechs Wald- standorten während der Dauer von jeweils einem Jahr Messungen zur Erfassung des sau- ren Regens von gas- und staubförmigen Luft- schadstoffen sowie von Meteodaten durchge- führt. Im Standort «Rütti» Schaanwald, 530 m. ü. M., wurde die erste, vom 1. August 1984 bis 28. Juli 1985 dau- ernde Messperiode abgeschlossen. Seit Ende Juli 1985 befin- det sich der Messwa- gen auf der Sücka, Steg. Ab August 1986 wird der Mess- wagen in der Ge- meinde Planken aufgestellt, weil dort in jüng- ster Zeit gehäuft Atemwegerkrankungen auf- getreten sind, deren Zusammenhang mit der Luftverschmutzung geprüft werden soll. Das zuständige Amt für Volkswirtschaft wird zum Zwecke der Messungen personell ausgebaut. 
Ein weiterer Messwagen soll ausserdem ange- schafft werden und als feste Messstation ein- gerichtet werden. Bei der Beurteilung der Schadstoffbelastung werden die Grenzwerte der schweizerischen Luftreinhalteverordnung zugrunde gelegt. Die Auswertung der Messresultate von der Station «Rütti» in Schaanwald liegen vor. Bei Schwefeldioxid, Stickstoffioxid, Kohlenmo- noxid, Schwebestaub und Staubniederschlag sind die Grenzwerte unterschritten. Dagegen zeigt sich beim Schadstoff Ozon ein erschrek- kendes Bild. Die Ergebnisse liegen in den meisten Monaten über den Grenzwerten. Auf der Sücka wurden bisher ebenfalls sehr hohe Ozonwerte festgestellt, die in den son- nenreichen Monaten über den Grenzwerten lagen. Das Ozon ist ein Schadstoff, der sich unter Sonneneinwirkung aus den Verbren- nungsgasen der Benzinmotoren bildet (Se- kundärschadstoff). Es handelt sich dabei um kurzräumige Verfrachtungen, so dass mit Si- cherheit angenommen werden kann, dass die Ozonbelastung dem regionalen Verkehr zuzu- schreiben ist. Die weitere Zunahme des Schadensausmasses der liechtensteinischen Wälder sollte uns wachrütteln. Der Wald ist als Schutz, als Was- serspeicher, als Erholungsgebiet, als Lebens- raum für Pflanzen und Tiere und in vielen weiteren Funktionen unersetzbar. Der Schad- stoffausstoss aus dem Verkehr gefährdet in erster Linie die Existenz des Waldes. Der konsequenten Förderung des öffentlichen Verkehrs kommt daher eine immense Bedeu- tung zu. Jede Gelegenheit zum Verzicht auf das Auto muss wahrgenommen werden. Und die Autos müssen so funktionieren, dass sie möglichst wenig Schadstoffe produzieren. Die US-83-Abgasnormen, die ab 1. 10. 87 für Per- sonenwagen zwingend werden, gelten nur für Neuwagen. Falls keine Nachrüstung mit Kata- lysatoren bei Altfahrzeugen vorgenommen wird, wird sich die Schadstoffbelastung der Luft nur sehr langsam vermindern. Hierin liegt eine grosse Aufgabe für die Politiker. ■
        

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