Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1986
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_19/6/
Hilmar Ospelt über den öffentlichen Verkehr Wir haben mit Vizeregierungschef Hilmar Ospelt ein Gespräch geführt, um weitere Informationen zum öffentlichen Verkehrskonzept zu erhalten. Hilmar Ospelt ist als zuständiger Ressortinhaber bestens mit den Problemen des öffentlichen Ver- kehrs vertraut. Wir wollten wissen, bis wann das vorlie- gende Konzept zur Verbesserung des öf- fentlichen Verkehrs realisiert werden kön- ne. In seiner Antwort unterstrich Ospelt, dass die schrittweise Einführung bereits heute angegangen werden könne. Zur vollen Realisierung müsse jedoch abge- wartet werden, bis bauliche Massnahmen im Raum SchaanNaduz abgeschlossen seien, um tatsächlich den angestrebten Taktfahrplan auch einhalten zu können. Mit den Vorstehern sei schon früh Kontakt aufgenommen worden, um den Strassen- bau den künftigen Anforderungen des öf- fentlichen Verkehrs anzupassen. Was heute bereits zügig weiterentwickelt wer- den könne, sei die Automatisierung in der Billettausgabe, die Verdichtung des Fahr- planes insbesondere zwischen Triesen und Buchs, die bessere Erschliessung des Unterlandes, die Abstimmung mit dem Eisenbahnverkehr usw. Organisatorisch zeichnet sich gegenüber dem heutigen System eine deutliche Ver- änderung ab. Nach Meinung von Hilmar Ospelt muss eine grössere Eigenständig- keit angestrebt werden. Möglicherweise wird also der künftige Busverkehr nicht mehr von der PTT, sondern von einem liechtensteinischen Verkehrsverbund ab- gewickelt. Diesbezügliche Gespräche mit der PTT müssen geführt werden. Ressort- inhaber Ospelt favorisiert dabei eine Mi- schung aus öffentlichem und privatem Betrieb. So könnte beispielsweise die Leitung und Koordination in den Händen der Regierung liegen, der Busbetrieb da- gegen von privaten Unternehmern geführt werden. Und die Firmenbusse? Auch die- se müssen in ein Verkehrskonzept mitein- bezogen werden. Es seien nach Auskunft von Ospelt bereits Abklärungen mit Indu- strie- und Gewerbebetrieben in dieser Frage in Gange. Das öffentliche Verkehrssystem muss at- traktiv sein, um der Konkurrenz mit dem Privatverkehr standzuhalten. Wir wollten deswegen wissen, was die Regierung un- ternimmt, um dem öffentlichen Verkehr zum Durchbruch zu verhelfen. Wie kann 
der Privatverkehr gegenüber dem öffent- lichen Verkehr zurückgesetzt werden? Nach Meinung von Ospelt ist das eine Frage des politischen Willens und der politischen Durchsetzbarkeit. Aller Vor- aussicht nach wird es sehr schwer sein, den Privatverkehr weniger attraktiv zu machen. Dann mus der öffentliche Verkehr attrak- tiver werden. Ist die Einführung des Null- tarifes (Gratisbus) vorgesehen? Für Hil- mar Ospelt ist der Nulltarif vorläufig nicht anstrebenswert. Hingegen seien Tarifre- duktionen zu begrüssen. Wichtig sei auch das Ansehen, das Image, der bessere Verkauf des öffentlichen Verkehrs. Wichtig ist sicherlich auch die Bewusst- seinsbildung. Ein Instrument dazu sind die autofreien Sonntage. Sind für 1986 weitere autofreie Sonntage geplant, fra- gen wir Vizeregierungschef Ospelt. Er- freulicherweise ist dem so, nämlich am 25. Mai 1986, und für den Bettag (21. Sept. 86) ist ein zweiter geplant. Aller- dings sind diese Tage nur freiwillig auto- frei. Eine Frage der politischen Durchsetz- barkeit? 
■ 
Seite 6 Öffentlicher Verkehr 
April 1986 Interview mit Kurt Wachter / VCL 
zur Kernfrage der Realisierbarkeit des vorlie- genden Konzeptes. Kritische Punkte sind die Ortsdurchfahrten von Vaduz und Schaan (inkl. Lindenkreuzung). Hier müssen ver- kehrslenkende und bauliche Massnahmen getroffen werden, wobei nach Meinung der Kommission Mut zu unkonventionellen Lö- sungen und die Bereitschaft erforderlich sind, den Privatverkehr gegenüber dem öf- fentlichen Verkehr zurückzusetzen. Keine Kostenfrage Gegenüber dem heutigen Bussystem weist das neue Konzept einen gewichtigen Nach- teil auf: es kostet mehr. Der Busverkehr soll von 5.30 Uhr bis Mitternacht gewährleistet sein, wobei in Spitzenzeiten die Frequenz zunimmt. Das bedeutet höhere Personal- kosten, sowie Ausgaben für die Anschaffung von mehr Bussen. Die Kostenrechnung der Kommission rechnet mit Investitionen für Fahrzeuge, Garagenanlagen und Betriebs- funk in der Höhe von 10,3 Mio. Fr., davon der grösste Teil für Fahrzeuge. Diese Investitio- nen weisen eine hohe Betriebsdauer auf, so dass sich die jährlichen Ausgaben für Zins und Amortisation der Fahrzeuge, für Garagie- rung und Werkstätten auf weniger als 1,5 Mio. Fr. belaufen würden. Den grössten Teil der jährlichen Betriebskosten würden die Ki- lometerkosten (1 Fr./km) und die Zeitkosten (35-40 Fr./Std.) ausmachen. Je nachdem, ob der Busbetrieb im Spät- und Sonntagsdienst reduziert oder durchgehend im Grundtakt er- folgt, würden sich die jährlichen Betriebsko- sten insgesamt (Amortisation, Personal- kosten, Treibstoff, Wartung usw.) auf 7,63 Mio. Fr. bzw. 8,45 Mio. Fr. belaufen. Die Betriebsaufwendungen für den öffentli- chen Verkehr betrugen 1984 4,0 Mio. Fr. Wenn dieser Betrag verdoppelt wird, ist es möglich, in Liechtenstein ein öffentliches Verkehrssystem aufzuziehen, das zu einer tatsächlichen Alternative zum individuellen, motorisierten Privatverkehr wird. ■ Vaduz: Postautoaktion Einwohner/innen von Vaduz können zum Preis von 20 Franken einen Monat lang das gesamte Postautostreckennetz benützen. Diesen wichtigen Entscheid hat der Vaduzer Gemeinderat zugunsten des Umweltschut- zes und zur Entlastung der Verkehrssituation gefällt. Frauen und Männer im Rentenalter, sowie Lehrlinge und Schüler erhalten die Mo- natskarte bereits für 10 Franken. Der Preis für die Monatskarte wird damit mehr als halbiert. Die Karten laufen auf den Namen des Inha- bers, sind aber übertragbar. Die Gemeinde- vertretung hofft, so heisst es im Informa- tionsbulletin der Gemeinde Vaduz, dass möglichst viele Einwohnerinnen und Einwoh- ner von diesem Angebot Gebrauch machen. Fragen Sie doch die Vorsteher und Gemein- deräte Ihrer Gemeinde, bis wann dieses An- gebot auch Ihnen unterbreitet wird. Schliess- lich ist jeder Kilometer, den Sie mit dem Postauto anstelle des Autos fahren, ein Bei- trag für eine bessere Luft. 
■ 
Was sagst Du zum Bericht der Regierungskom- mission zur Förderung des öffentlichen Ver- kehrs? Wachter: Ein leuchtender Stern am dunklen Himmel. Ich hoffe, er bleibt und weist uns den Weg, nicht wie der Halley'sche Komet, der nur alle paar Jahrzehnte auftaucht. In diesem Bericht sind die Thesen des VCL zum öffentlichen Verkehr aufgegriffen und konse- quent weiterentwickelt worden. Das vorge- schlagene Modell ist es wert, weiter bearbei- tet und auch realisiert zu werden. 
LG U: Wie siehst Du die Realisierung dieses Konzeptes? Wachter: Vom vorliegenden Konzept bis zur Realisierung ist noch ein weiter Weg. Bei der momentanen Arbeitsgeschwindigkeit dieser Kommission wird es gar nie soweit kommen. (22 Sitzungen für marginale Verbesserungen bei den Postautokursen und Tarifreduktionen und Vereinfachungen.) Leider verschwinden zuviele gute Konzepte in den Schubladen. Bis jetzt hatte der OeV zu wenig politische Be- deutung. Dies ändert sich jetzt hoffentlich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.