Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
19
Erscheinungsjahr:
1986
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_19/4/
Seite 4 
Abfallbewirtschaftung 
April 1986 Weiterhin keine Glaspackung bei Milchprodukten Über den Vor- und Nachteil von Zirkulationsgläsern wird viel gemun- kelt. Zweifellos ist in der Regel der Glasflasche der Vorzug zu geben. Beim Liechtensteiner Milchhof sieht man jedoch derzeit von einer Umstellung auf Glas ab. Hingegen herrscht eindeutige Klarheit dar- über, dass vom Umweltstandpunkt aus der Pastmilch gegenüber der UHT-Milch der Vorzug zu geben ist. Beim Liechtensteiner Milchhof hat man sich eingehend mit der Frage beschäftigt, welche Verpackungen für die liechtensteinischen Milchprodukte unter Berücksichtigung der Umweltverträglichkeit zu bevorzugen sind. Um die Umweltbelastung der Einweg- und Mehrwegverpackungen zu vergleichen, muss die ganze Kette wie z.B. • Energie- und Rohstoffverbrauch • Wasser- und Luftbelastung bei der Herstel- lung, Verarbeitung und Entsorgung • Rückgewinnung von Energie und Rohstoff • Arbeitsbedingungen (Gewicht, Lärm, Ver- letzungsgefahr) betrachtet werden. Joghurtbecher und Milchpackungen Die Glasverpackung wäre ein Schritt weg von der Wegwerfmentalität. Sie weist jedoch auch Nachteile gegenüber der heute üblichen Kunststoffverpackung auf, ist von der Be- triebsleitung des Milchhof unter Hinweis auf diesbezügliche Untersuchungen zu erfahren. Die heutige Verpackung besteht aus Polysty- rol (Joghurtbecher) und polyäthylenbeschich- tetem Karton (Milchpackung). Um einen Li- ter Milch zu verpacken, werden nur ca. 25 gr. Karton und 5 gr. Polyäthylen benötigt. Ein Joghurtbecher wiegt 5,5 gr. Verschiedene Kunststoffdeckel von Joghurtzirkulationsglä- sern wiegen annähernd soviel wie ein ganzer Joghurtbecher. Bereits bei der Anlieferung der Leerpackungen vom Hersteller zum 
Milchhof verursacht die Glasverpackung auf- grund ihres Gewichtes und Volumens (8x mehr) eine wesentlich höhere Umweltbela- stung beim Transport (Abgase). Ebenfalls muss dieses Mehrgewicht zum Händler, zum Konsumenten und wieder zurück zur Wasch- anlage transportiert werden. Zudem muss be- rücksichtigt werden, dass ein Teil der Fla- schen in den Abfalleimer (Kehrichtverbren- nungsanlage) oder in die Glascontainer wan- dert. Um ökologisch vergleichbar zu sein, muss eine Milchflasche 20-25 Umläufe ma- chen. Bei einem drei Jahre lang laufenden Test im Rheinland wurden jedoch nur 11 bis 12 Umläufe erzielt. Dann fällt der Vergleich immer mehr zugunsten der herkömmlichen Verpackung aus. Eine lange Rechnung Schliesslich müssen die Gläser gespült, gerei- nigt und desinfiziert werden. Dies bedeutet Energieaufwand und Wasserbelastung. Für den Betrieb wäre zudem eine Umstellung auf Glas mit grossen Investitionen verbunden: Die Lagerräume müssten vergrössert sowie Wasch- und Abfüllmaschine neu angeschafft werden. Dies wirkt sich vorallem bei kleine- ren milchverarbeitenden Betrieben aus und verteuert das Produkt. Die heute verwendeten Verpackungen schneiden zudem gar nicht so schlecht ab. Das Verpackungsmaterial ist sauber verbrennbar ohne schädliche Abgase und ist in der Kehr- 
richtverbrennungsanlage ein bedeutender Energieträger. Jedenfalls will man beim Milchhof die weitere Entwicklung in der Ver- packungsindustrie abwarten und hofft von dort auf neue Impulse, ehe man sich in Inve- stitionen stürzt, die sich als Fehler erweisen könnten. Eine Schwachstelle sind allerdings die Aluminiumdeckel auf dem Joghurtbecher, die in der Kehrrichtverbrennungsanlage nichts zu suchen haben. Sie sollten getrennt gesammelt und der Wiederverwertung zuge- führt werden. Für die Milch wäre nach wie vor das Milch- kesseli eine echte Alternative. Der Milchhof bietet praktisch in allen Sennereien Milch im Offenausschank an. Diese Möglichkeit sollte noch vielmehr Beachtung finden. UHT-Milch Bei der UHT-Milch sieht die Lage anders aus. Die UHT-Milch ist wie z. B. Orangensaft lan- ge haltbar und muss daher eine aufwendigere Verpackung haben. Namentlich weisen diese Verpackungen eine Aluminiumbeschichtung auf der Innenseite auf. Solche Verpackungen sind daher viel klarer abzulehnen. Abgesehen davon wird die UHT-Milch stärker erhitzt - braucht somit mehr Energie — und ist ernäh- rungsphysiologisch weniger wertvoll als Past- milch, die statt auf 145 Grad lediglich auf ca. 75 Grad erhitzt wird. Der Milchhof füllt bis- her nur pasteurisierte Milch ab. Mit Sorge wird jedoch die Tendenz in der Schweiz be- trachtet, dass der Verkauf von UHT-Milch auf Kosten der Pastmilch steigt. Wieder ein- mal liegt es an den Konsumenten, diesen Trend umzukehren und verstärkt die Frisch- produkte zu kaufen. Und frisch sind die Pro- dukte des Milchhofes: Die Milch wird täglich angeliefert und innert weniger Stunden verar- beitet. Diese Fristen können grössere Verar- beitungsbetriebe nicht immer einhalten. Für den Konsum der Ländlemilch spricht ausser- dem der kurze Transportweg, der einen klei- nen Beitrag zum Energiesparen darstellt. 
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