Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1985
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_18/6/
Seite 6 
Oktober 1985 infolge serbeln des überliegenden Schutzwal- des schon für den kommenden Winter Evak- tionen vorgesehen. Die Zeit, die Luftver- schmutzung zu reduzieren, drängt schon sehr. Grosse Teile der Bevölkerung nehmen die heraufbeschworenen akuten Umweltschädi- gungen immer noch nicht ernst. Im Wald sieht man noch grünes Blätterwerk und alles wird schon nicht so schlimm sein. Liechtenstein ist sich Privilegien gewöhnt. In bezug auf die Wald- und Umweltzerstörung sitzen wir nun aber mit der Nachbarschaft und dem fernen Ausland im gleichen Boot. Dieser bittere Kelch geht nicht an Liechtenstein, vorüber. Auch im Lande ist in letzter Zeit für den Umweltschutz einiges getan worden. Die ge- troffenen Massnahmen genügen jedoch bei weitem nicht. In Liechtenstein ist insbesonde- re eine bessere Information über Belastungen der Umwelt und 
deren Folgen notwendig. Nur wenn der Bürger die Probleme in ihrer ganzen Tragweite kennt, ist Akzeptanz für griffige Gebote und Verbote, die schon in Bälde kommen müssen, gegeben. Ein «Natur- haus» mit Ausstrahlungen in alle Bereiche der Umwelt würde dazu einen wesentlichen Bei- trag leisten. Blosse Appelle an die Freiwillig- keit für naturschonendes Verhalten bringen nicht viel. Impulse für die Schaffung eines Naturmu- seums oder besser eines Naturhauses sind schon vor Jahren aus Organisationen, die sich mit Naturschutz beschäftigen, hervorgegan- gen. Schon 1977 ersuchten 13 zielverwandte Organisationen die Regierung, Schritte zu un- ternehmen, um im Verweserhaus in Vaduz ein Naturmuseum einzurichten. Die Regie- rung liess sich damit viel Zeit. 1981 ist dann eine «Kommission Haus der Natur» einge- setzt worden. Sie wurde beauftragt, für die zukünftige Verwendung des Verweserhauses 
die erforderlichen Entscheidungsgrundlagen auszuarbeiten. Die Kommission war 7-glied- rig und von Anfang an in den Ansichten ge- spalten. Mit der personellen Zusammenset- zung der Kommission waren unüberbrückba- re Differenzen wohl schon vorprogrammiert. Die Interessen des heutigen Landesmuseums stiessen mit jenen des Naturhauses hart auf- einander. Streitpunkt war die alles entschei- dende Frage der Nutzung des Verweserhau- ses. Eine Kommissionsminderheit sah im Ver- weserhaus zusätzliche Raumangebote für das Landesmuseum. Sie wollte von einer natur- kundlichen Ausstellung in Verbund mit dem Landesmuseum nichts wissen. Neben auftre- tenden administrativen Schwierigkeiten lägen die beiden Museen auch thematisch viel zu weit auseinander. So bestünden zum Beispiel zwischen einer Monstranz und einem Amei- senhaufen keine Bezugsverhältnisse. Die Kommissionsmehrheit wollte das Naturmu- seum als naturkundliche Abteilung im Lan- desmuseum integriert wissen. Natur und Kul- tur würden sich gegenseitig befruchten und der Verbund für beide Teile eine Aufwertung zur Folge haben. Durch Umbau und bergseiti- gen Anbau könnte das Verweserhaus zusätzli- che Räume für das Landesmuseum zur Verfü- gung stellen und auch das Naturmuseum auf- nehmen. Der Verbund beider Museen würde die Administration vereinfachen und verbil- ligen. Die «Kommission Haus der Natur» ist zu mehreren Sitzungen zusammengekommen. Um über zeitgemässe naturkundliche Darstel- lungen konkrete Vorstellungen zu bekom- men, wurden die Naturmuseen: Chur, Frau- enfeld und Solothurn besucht. Diskussionen und Bsichtigungen waren vergebens. Die Dif- ferenzen über die Nutzung des Verweserhau- ses konnten trotz Intervention und Ermah- nung von Regierungschef Hans Brunhart, an- 
lässlich einer Ansprache, nicht ausgeräumt werden. Am 18. Mai 1982 wurden der Regie- rung die Ergebnisse der Kommissionsarbeit in einem 8seitigen Schlussbericht übergeben. Bericht und Antrag entsprachen einem Mehr- heitsbeschluss der Kommission. Zwei Kommissionsmitglieder  versagten die Zustim- mung. Mit Beschluss vom 17. Juni 1982 wies die Regierung den Schlussbericht mit der Be- gründung, dass dieser von allen Kommissions- mitgliedern getragen werden müsse, zurück. Damit lag die Realisierung eines Naturhauses vorerst im «Eimer». Man tut sich mit der Begründung allerdings schwer. Nach liechten- steinischem Demokratie-Verständnis ist auch Mehrheit zielführend. Einstimmigkeit ist man sich bei anderen Staatsformen gewöhnt. In der Zwischenzeit hat sich die Polizei im leeren Verweserhaus eingenistet — provisorisch. Pro- visorien sind bekanntlich oft die stabilsten Dauereinrichtungen. Und dann kam es heuer überraschend zum Kauf einer Tibetsammlung von Professor Harrer durch den Staat. Im Landtag auf die prekären Unterbringungs- möglichkeiten angesprochen, erklärte der Re- gierungsvertreter von verschiedenen Möglich- keiten namentlich das Verweserhaus. Es macht den Anschein, dass es tibetanische Kul- tur leichter hat ins Verweserhaus einzuziehen als die heimische und als Darstellungen der heimischen akut gefährdeten Natur. Initian- ten und Träger der Idee für die Schaffung eines Naturhauses verstehen die Welt nicht mehr. Ein Naturhaus würde unsere Umweltproble- me nicht lösen. Es wäre aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die Natur- haus-Idee ist nicht tot. Natur und Umwelt melden sich täglich schon selbst und zwar in immer stärkerem Masse. Eugen Bühler «Wir sind Teil dieser Erde» und «was die Erde befällt, befällt auch den Menschen» Wenn wir Teil dieser Erde sind, kann es uns nicht gleichgültig lassen, was auf der anderen Hälfte der Erde geschieht: Die Ausbeutung und Zerstörung der Natur nimmt in den sog. Dritt-Welt-Ländern beängstigende Ausmasse an. Die einfachste Erklärung für uns ist das Bevölkerungswachstum. Aber wussten Sie, — dass 47% der Weltgetreideproduktion als tierische Futtermittel verwendet werden, und — dass davon, als Brot gegessen, Milliar- den Menschen satt werden; — dass in Dritt-Welt-Ländern bei uns längst verbotene Pestizide, z. B. DDT, im Nah- rungsmittelanbau zur Verwendung ge- langen; — dass diese Gifte die Gewässer verschmut- zen, in denen Fische leben, die zum Export gefangen werden; 
— dass z. B. in Brasilien reicht 8 Ar Kulturland zur Ernährung eines ar- men Menschen, 80 Ar Kulturland, um Treibstoff herzu- stellen 
für einen Kleinwagen (durchschnittlicher 
Jahresver- brauch) 302 Ar Kulturland, um Treibstoff herzu- stellen 
für ein amerikanisches Luxusauto. Was diese Zahlen bedeuten können, möchte ich am Beispiel Brasilien aufzeigen. Brasilien ist von grossen Flächen Urwald be- deckt. Die Tropenwälder sind die grössten Sauerstoff-Spender der Erde. In Lateinameri- ka sind aber bereits 37% der usprünglichen «grünen Lungen» verschwunden. Allein für den Amazonasstrassenbau wurden in Brasi- lien 18 Mio. zur Gewinnung von Edelhölzern, 
heute zur Errichtung von Grossplantagen ver- wendet. Ein Teil der brasilianischen Bevölke- rung leidet an Hunger und Unterernährung. Man würde meinen, dass es vordringlich ist, auf den gerodeten Flächen Nahrungsmittel anzubauen. Nun ist aber Brasilien ein hochverschuldetes Land ($ 800 pro Kopf). Es braucht Devisen um jeden Preis, für Zinsen und Rückzahlun- gen der Kredite. Der Preis ist Hunger für die arme rechtlose Bevölkerung und noch mehr Umweltzerstörung. — Auf 8,2 Mio. Hektaren gerodetem Urwald wird Soja für den Export angebaut (als Zusatzkraftfutter für Schweine). — Brasilien exportiert mehr und mehr «No- belfleischstücke» für Europa und USA. In- dessen türmen sich bei uns die Fleischber- ge. Mit riesigem Energieaufwand werden sie gelagert oder mit Steuergeldern Vorder- viertel verbilligt und an die Ostblockländer verkauft. — Auf einer Fläche, die ca. der Grösse West- deutschlands entspricht, wird Zuckerrohr angebaut als Treibstoffersatz, damit Brasi- lien weniger Erdöl importieren muss und somit Devisen sparen kann. Bei der Pro- duktion fallen Nebenprodukte an, die die
        

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