Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1985
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_18/5/
Liechtensteiner Umweltbericht Seite 5 Der Lawena-Bach stirbt — auf Antrag der LKW - mit Bewilligung der F.L. Regierung Klammheimlich, der Öffentlichkeit fast völlig entzogen, vollzieht sich in Zukunft ein beson- deres Drama: der Lawena-Bach, bereits heu- te durch Wasserfassung arg in Mitleidenschaft gezogen, wird durch die nun begonnene Ver- wirklichung des Grossprojektes der Liechten- steinischen Kraftwerke während rund 300 Ta- gen jährlich kein Wasser mehr führen. Führt ein Bach jedoch nicht dauernd Wasser, stirbt die ans Wasser gebundene Flora und Fauna. Die Liechtensteinische Gesellschaft für Um- weltschutz (LGU) hat sich nicht gegen einen Ausbau ausgesprochen, jedoch unabdingbar die Forderung nach einer ganzjährigen Rest- wassermenge erhoben. Eine solche Verpflich- 
tung ist ökologisch erforderlich und in der benachbarten Schweiz wie auch in Österreich eine selbstverständliche Auflage bei der Be- willigung oder beim Ausbau von Kraft- werken. Die F.L. Regierung hat trotz den Protesten seitens der LGU sowie in Kenntnis der fachli- chen Forderung nach einer ganzjährigen Restwassermenge nur für das Sommerhalb- jahr eine Restwasserverpflichtung auferlegt. Dies schmerzt das LKW nicht sehr, besteht doch im Sommerhalbjahr häufig Wasserüber- schuss. Wäre jedoch eine ganzjährige Rest- wassermenge zu belassen, würde nach eigener Aussage der Projektanten der gesamte Aus- 
bau wirtschaftlich nicht tragbar . . . Die F. L. Regierung unterzeichnete im Jahre 1984 die internationale Konvention zum Schutz der Fliessgewässer. Leere Worte? An- fangs Dezember 1984 bewilligte die F. L. Re- gierung das Projekt des LKW vollumfänglich ohne Auflage einer ganzjährigen Restwasser- menge. Die LGU kann diesen Entscheid nicht hin- nehmen, ist sie doch statutarisch verpflichtet, sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln für die Erhaltung unserer Umwelt einzusetzen. Die notwendige Gewässer- schutz-Initiative auf Landesebene ist in Vor- bereitung. 
Peter Goop Waldsterben und Öffentlichkeit Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung des Referates von Walter Schiesser (Journa- list bei der NZZ), welches am internationalen Waldsymposium in Davos gehalten wurde. Es wurde mit Fakten aus dem Fürstentum Liech- tenstein ergänzt. Man geht kaum fehl in der Annahme, dass das Waldsterben für die weitaus meisten Bür- ger eine abstrakte, nicht unmittelbare mit den Sinnen wahrnehmbare, augenfällige Bedro- hung darstellt. Andererseits betrifft es einen stark emotional befrachteten Bereich. Das er- klärt das starke und nachhaltige Echo seit den ersten alarmierenden Meldungen im Septem- ber 1983. Die Palette der Reaktionen ist sehr breit. Sie reicht von der Katastrophenerwar- tung eines für Umweltprobleme ohnehin sen- sibilisierten Teils der Öffentlichkeit über Skepsis in allen Schattierungen hin bis zur fadenscheinigen Verdrängung der Bedrohung unserer Wälder, die kurzerhand als üble Ma- chenschaft rot-grüner Systemveränderer dis- kreditiert wird. Immerhin war die Beunruhigung stark genug, um das Waldsterben zu einem Politikum von einigem Gewicht zu machen. Dies hat auch bei uns dazu geführt, dass Massnahmen zur Reduktion der Luftverunreinigung ins Auge gefasst wurden. Welches sind die wichtigsten durchgeführten Schritte? Das GEWA-Programm zur Untersuchung un- serer Wälder ist angelaufen, Tempo 50/80 wurde  beschlossen, die Einführung von Erdgas steht ins Haus, Tarifreduktionen beim öffentlichen Verkehr sind in Kraft gesetzt, freiwillige autofreie Sonntage werden veran- staltet, Steuervergünstigungen beim Kauf von Katalysatorfahrzeugen können wahrgenom- men werden. Wo ist die wichtigste Massnahme, das neue Luftreinhaltegesetz, geblieben, das im April in die Vernehmlassung geschickt wurde? Wann kommt die dazugehörige Verordnung? Den Konsum beschränkende Massnahmen sind bisher keine getroffen worden? Die meisten der hier aufgeführten Massnah- 
men wirken höchstens kurzfristig. Ausserdem werden sie quantitativ nur eine Verbesserung der Luftqualität von wenigen Prozent bewir- ken. In Frage gestellt werden die aufgeführ- ten Bemühungen auch durch die bevorstehen- de und de facto schon vollzogene Gebietser- weiterung der KVA Buchs, welche die Vortei- le einer allfällig einzubauenden Rauchgas- waschanlage schon zum voraus neutralisiert. Auch jährlich steigender Energieverbrauch und eine konstant zunehmende Zahl der Neu- zulassungen bei Motorfahrzeugen kompensie- ren die erzielten Schadstoffreduktionen. Der von Fachleuten geförderte Stand der Luftqualität von 1950 kann so nicht erreicht werden. Ende des Jahres werden wir Klarheit haben, da das Schweizer Parlament beim Bundesrat ein Konzept in Auftrag gegeben hat, das festhält, mit welchen Massnahmen die Schadstoffbelastung der Luft wie tief ge- senkt werden soll. Die Resultate werden auch auf das Fürstentum Liechtenstein übertragbar sein. Man kann auf das Ergebnis gespannt sein, denn keine der sich grundsätzlich anbie- tenden Möglichkeiten wird sich problemlos vertreten lassen. Will die Regierung auf Ein- schränkungen verzichten, so muss sie entwe- der dis bisherige offizielle Auffassung von der Bedrohung durch das Waldsterben und deren Ursachen in Zweifel ziehen oder resignieren. Gegen kühne Schritte zur raschen Reduktion der Luftverschmutzung spricht das bisherige Verhalten der Bürger. Einzelne mögen aus den alarmierenden Berichten die eine oder andere Konsequenz gezogen haben, die sich auf das Alltagsverhalten auswirkt. Doch ins- gesamt stellt uns die Statistik ein schlechtes Zeugnis aus. Sie deutet auf eine ungebremste Konsumfreude hin. Die starke Beachtung des Waldsterbens in der Öffentlichkeit kann nicht darüber hinwegtäu- schen, dass zumindest latent eine erhebliche Unlust besteht, irgendwelche Konsum- und Komforteinbussen in Kauf zu nehmen und dass diese Unlust die Neigung zu selektiver, das Waldsterben bagatellisierender Informa- tion nährt. Es gibt durchaus eine potentielle Gefolgschaft für Leute, die vorläufig unter einem angeblich herrschenden Gesinnungs- terror noch davor zurückschrecken, der Beur- teilung des Waldsterbens, wie sie beispiels- weise von der eidg. Anstalt für das forstliche 
Versuchswesen vorgenommen wird, zu wider- sprechen. Wie geht es weiter. Einiges spricht dafür, dass man ohne allzuviel Zeitverlust und mit einiger Gründlichkeit unternimmt, was sich als Lö- sung des technischen Umweltschutzes anbie- tet. Man wird sich damit abfinden, dass sau- berere Luft etwas kostet. Mehr zu erwarten wäre unrealistisch. Ob das wohl genügt? Hanno Konrad Naturhaus-Idee Reminiszenzen Natur und Umwelt sind in Not geraten. Die Medien liefern uns täglich Hiobsbotschaften ins Haus. Der Eintrag von Giften in Luft, Wasser und Boden hat Grössen angenom- men, die die Natur nicht mehr zu verkraften vermag. Die Verbetonisierung der Landschaft schreitet munter weiter, indem kontinuirlich Ackerland und Wiesen zu Bauzonen gemacht werden. Unkontrollierte Pestizidanwendun- gen in der Landwirtschaft und den Hausgär- ten bedeuten für Boden und Kulturen zusätz- liche schwere Hypotheken. Der Mensch, ur- sprünglich ein integrierter Teil des Naturab- laufes, hat sich im Streben nach Wohlstand mit hochentwickelter Technologie zum Be- herrscher der Natur aufgeschwungen, wobei die praktisch gratis zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen rücksichtslos bean- sprucht werden. Dieses Verhalten der Um- welt gegenüber führt zum ökologischen Kol- laps. Ist der Mensch der Dinosaurier der Zu- kunft? Jener der Vergangenheit ist wegen Nicht-Anpassung verschwunden. Auf Grund der Beobachtungen in der Schweiz und im Schwarzwald rechnet Walter Bosshard, Di- rektor der Eidgenössischen Anstalt für das forstliche Versuchswesen, dass bereits in 5 bis 10 Jahren mit grösseren flächenweisen Wald- zerstörungen gerechnet werden muss. Der Verlust von Schutzwäldern ergibt für die Berggebiete in bezug auf Lawinen, Rutschun- gen, Steinschlägen, Hochwasser besondere Gefahrensituationen. Die in einem Bergtal im Kanton Uri liegende Gemeinde Silenen hat
        

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