Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
18
Erscheinungsjahr:
1985
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_18/3/
Liechtensteiner Umweltbericht 
Seite 3 Anpassung von Steuerungsmassnahmen in der Landwirtschafts-Gesetzgebung - ein Diskussionsbeitrag Die Zielsetzungen der Landwirtschaftspolitik beinhalten im wesentlichen die Wohlfahrts- funktion (Landschaftspflege, Erhalt der Bo- denfruchtbarkeit etc.) und die Nahrungsmit- telproduktion. 
Die Landwirtschaft soll Grundnahrungsmittel für das ganze Jahr in ausreichender Menge und in gewünschter Qualität — auch zukünftig — zur Verfügung stellen. Sie sichert dadurch das Einkommen der Landwirtschaftsbetriebe. Diese Zielsetzungen werden durch verschie- dene Massnahmen unterstützt, namentlich durch die direkte oder indirekte Subventions- politik z.B. durch garantierte Preise. Alle landwirtschaftlichen Stützungsinstrumente sind im Rahmen unseres demokratischen Um- felds entstanden und widerspiegeln zumindest den politischen Konsens. zum Zeitpunkt der entsprechenden Beschlüsse, nicht zuletzt auch die Bemühungen, die Ziele der Landwirt- schaftspolitik zu erreichen. Die Entwicklungen verlangen jedoch Anpas- 
sungen. Tendenziell bewirken die verschiede- nen staatlichen Landwirtschaftsbeiträge, dass der quantitative Aspekt der Nahrungsmittel- produktion überbewertet wird, der qualitative Aspekt und die zeitliche Dimension aber ver- nachlässigt werden. Überschüsse, ökologische Probleme und Einkommensschwierigkeiten zeigen die Notwendigkeit einer Neuorientie- rung, auch in den bescheidenen liechtensteini- schen Verhältnissen. Bei der Neuorientierung müssten die Massnahmen so ausgearbeitet werden, dass sie allen Zielen der Landwirt- schaft entsprechen, also in einer ganzheitli- chen Betrachtungsweise. Bei der heutigen Preispolitik — welche durch- aus Vorteile aufweist — profitieren auch Ein- zelinteressen, welche einen Agrarschutz nicht benötigen oder nicht verdienen. Ganz beson- ders trifft das auch auf Betriebe zu, welche stark bodenunabhängig produzieren. Die Frage lautet deshalb, mit welchen Mitteln und in welchem Ausmass Anreize neben den 
produktionslenkenden Preisen geboten wer- den können, um zielkonform zu handeln. Meiner Ansicht nach müssten «Flächenbeiträ- ge» analog zu den Prämien für die Bewirt- schaftung von Hanglagen gewährt werden. Flächenbeiträge sind primär dort angebracht, wo externe Leistungen der Landwirtschaft ab- gegolten werden sollen; dies trifft in erhöhtem Masse für Flächen zu, die nur extensiv bewirt- schaftet werden, weil sie als ökologische Ni- schen und Rückzugsgebiete erforderlich sind, Riedwiesen, Trockenrasen, Ma:gerheugebiete oder generell für Flächen, welchen land- schaftspflegerisch eine erhöhte Bedeutung zu- kommt. Sekundär und abgestuft sind Flächenbeiträge praktisch für alle Flächen in der endlich ge- setzlich zu schützenden Landwirtschaftszone möglich. Dadurch wird die Landwirtschaft vom ökonomischen Zwang befreit, mit allen Mitteln kurzfristig und mengenmässig Höchsterträge zu erzielen. Die Landwirt- schaft könnte sich dadurch vermehrt an der langfristig zu erhaltenden «Bodenfruchtbar- keit» orientieren. Flächenbeiträge können produktionslenken- de preisliche Massnahmen ergänzen und einen wichtigen Beitrag zu den verschiedenen Ober- und Unterzielen der Landwirtschafts- politik leisten. Zahlreiche Probleme der heu- tigen Intensivierung könnten dadurch ent- schärft werden. 
Gebhard Frick Unsere grüne Revolution begann relativ un- vorbereitet und unerhofft. Aufgrund einer heute lustig erscheinenden Museumsepisode kam der ganze politische Machtapparat des Landes anno 1985 ins Zwielicht. Die Vertrau- ensbasis stürzte zusammen wie ein Karten- haus. In dieses Vakuum wurde kurz vor dem 86er Wahlen die «Ökologische Partei Liech-  tensteins» lanciert. Die Wahlen endeten mit einem Fiasko für die traditionellen Parteien und mit einem totalen Triumph der Ökolo- gen. Sie eroberten auf Anhieb 10 der 15 Man- date. Dann überstürzten sich die Ereignisse. Beflü- gelt von dem Wahlerfolg, setzte die allein regierende Öko-Partei umgehend ihre Mark- steine. Die junge und stark mit Frauen durchsetzte Regierungsfrauenmannschaft hielt für ihre monatlichen Pressekonferenzen jedesmal ein sozusagen «grünes» Massnahmenpaket parat. Einige Beispiele seien hier genannt: — als erstes wurden die Museumsgelder und der grosse Teil des Baubudgets der folgen- den Jahre in den Bau der Schnellbahn inve- stiert. Diese Magnetschienenbahn basiert auf einem Vorschlag, den ein paar Jahre zuvor der Architekt Heinz Frick unterbrei- tet hatte. Diese hochmoderne Bahn, wel- che alle Talgemeinden erschliesst, wurde in 6 Jahren gebaut und ist und war das Para- depferd der Ökologen. Parallel dazu wurde das Auto in die Ecke gedrängt. Autosteu- ern massiv erhöht, Strassen radikal zugun- sten Fussgängern und Radfahrern einge- engt. Während nun die Radfahrer einen fliessenden Verkehr hatten, wurde das Au- tofahren zum reinsten Hindernislauf. Aus- serdem stehen Gratisvelos an jeder Strasse- 
necke. Aufgrund dieser Massnahmen ist die Bahn ein totaler Publikumserfolg. — als zweite grössere Massnahme wurde die Landwirtschaft des Landes innert 5 Jahren auf biologischen Anbau umsubventioniert   und das Kleinbauernsystem speziell für die Berggebiete stark gefördert. Zu dieser Zeit entstanden auch einige Bauernkooperati- ven. So z. B. wird Gifteinsatz in der Land- wirtschaft heute schärfstens geahndet, im Gegensatz zur früheren Subventionierung. — als dritte grössere Aktion zogen sich die FL-Gemeinden aus dem Kehrichtverbren- nungsverein Buchs zurück und errichteten geordnete Deponien. Recycling wurde zum Modewort und dank einigen flexiblen und phantasiereichen FL-Unternehmern und Technikern zum Exportschlager. Unter ver- schiedenen Recyclingsystemen — Made in FL — ist die Entwicklung eines verrottbaren bzw. kompostierbaren plastikähnlichen Material auf Zellulosebasis wohl der wich- tigste Beitrag zur Verminderung des nicht- kompostierbaren Abfallberges. Publikumswirksame kleine Umweltschutz- massnahmen wurden am laufenden Band an- gekündigt und durchgeführt. Einige Bei- spiele: — Der Milchhof begann sofort mit dem Ver- trieb Mehrwegflaschen für Milch und Yog- hurt. In der zweiten Phase verbot die Re- gierung den Vertrieb und Verkauf von Ein- wegflaschen, Aludosen, Plastik und Papier- behälter für alle Milchprodukte und Ge- tränke. — Kompostierung aller organischen Abfälle sowie das Einsammelsystem wurde mit den geordneten Deponien eingeführt. — Autofreie Wochenenden werden nur ein- mal pro Monat nicht durchgeführt. — eine damals gerade erfundene Kleinrauch- 
gaswaschanlage wurde für alle Ölfeue- rungsanlagen (später auch eine Holzfeue- rungsversion) obligatorisch und subventio- niert. — die Flachdächer der öffentlichen Gebäude begrünt. Die grasenden Ziegen auf dem Verwaltungsgebäude in Vaduz wurde wohl die meist abgesetzte Postkarte. Entgegen aller Befürchtungen wirkte der Be- griff «Sanfter Tourismus» nicht abschreckend sondern werbeträchtig. Das ganze Alpenge- biet ist nun seit 8 Jahren frei von jeglichem Individualverkehr. Sogar die Jäger haben wie- der laufen gelernt. Die von früheren Regierungen mühsam auf- gebaute Imagepflege wurde hinfällig. Die «grüne Insel» in Mitteleuropa ist auch heute noch ein Liebling der Massenmedien rund um den Erdball. A propos Medien: «Der Maulwurf» grub sich als neues Parteiorgan der Ökologen an die Oberfläche.   Aussenpolitisch wirkt unser Land als Anima- tor gegen die immer noch fortschreitende Umweltzerstörung. Die KVA (Kehrichtver- brennungsanlage Buchs brennt nicht mehr. In Vorarlberg sitzt eine grüne Regierung unter Kaspanaze fest im Sattel und kooperiert mit uns auf vielen Ebenen. Weltweit wird Liech- tenstein als Beispiel für Vernunft und für Um- denkprozesse gebraucht. Besonders der Er- folg im Kampf gegen das Waldsterben durch die drastische Schadstoffreduktion hat für die Profilierung beigetragen. Die früher eher unbequeme LGU hatte plötz- lich Profilierungsprobleme. Um nicht auf der grünen Seite überholt zu werden, wurde die Arbeitsweise geändert. So fungiert sie heute als Schmelztiegel für grüne Ideen, welche in Liechtenstein nahezu quellenartig sprudeln. Die Durchführung solcher Ideen besorgen
        

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