Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1985
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_17/2/
Postulat Landwirtschaftszone Ein liechtensteinischer Dauerbrenner In der Landtagssitzung vom 8. November 1979 überwies der Landtag oppositionslos ein Postulat der Abgeordneten Dr. Franz Beck und Josef Biedermann (LGU-Präsidium) betreffend die Schaffung einer landesweiten Landwirtschaftszone. Seit sechs Jahren wird von unseren Politikern und den zuständi- gen Amtsstellen immer wieder betont, wie wichtig für unser kleines Land die gesetzliche Sicherung der für die landwirtschaft- liche Nutzung reservierten Fläche sei! 
Seite 2 Zersiedelung September 1985 Zersiedelung - Unsere Bauern verlieren ihren Boden Wir haben im Grunde genommen alle ähn- liche Vorstellungen über die wünschbaren Eigenschaften unseres Lebensraumes, in dem wir den Alltag verbringen möchten. Wir möchten möglichst im Grünen wohnen, in der Nähe arbeiten, einkaufen und sich erholen können. Leider sind diese Wünsche sehr gegensätz- lich, so dass sich nur einzelne dieser Wün- sche (einseitig) erfüllen lassen. Nun benöti- gen wir aber plötzlich den Staat, er muss uns Strassen bauen, um die grösseren Entfer- nungen zwischen den einzelnen Wunschzie- len einander näher zu bringen, er sollte auch öffentliche Verkehrsmittel schaffen und be- reitstellen, die Anforderungen an die Infra- struktur steigen stetig, so dass wir heute sogar schon bei einer Kunsteisbahn ange- langt sind. Im Fürstentum Liechtenstein stehen uns nur 16 000 ha Land zur Verfügung, welches nicht ausgedehnt oder erweitert werden kann. Die- se Fläche teilt sich etwa wie folgt auf: Durch unsere Baugesetze und Bauzonen wird in unserem Lande fast ausschliesslich auf landwirtschaftlichen Nutzflächen, so auch in der besonders fruchtbaren Rhein- ebene gebaut. Von 1970 bis 1980 haben die Gebäude um 30,5 % auf 6073 Einheiten zugenommen und die Wohnungen um 53 % auf 9336 Einheiten, bei einem gleichzeitigen Bevölkerungs- wachstum von 18,1 %! Unter diesen Bedingungen haben wir, vor- sichtig gerechnet, für den Wohnungsbau rund 3234 (Zunahme Wohnungen) x 4,4 (Be- wohner pro Wohnung) x 34 m2  (heutiger Wohnflächenbedarf pro Einwohner) x 3 (Gär- ten und Abstandsgrün) = 145,2 ha, für das Automobil rund 6000 (Zunahme der Motor- fahrzeuge) x 180 m2  (heutiger Flächenbedarf pro Auto) = 108 ha und für Industriebauten ca, 46.8 ha, zusammen also über 8 % land- wirtschaftlich nutzbaren Boden verloren. Was bedeuten diese Verluste? Um diese Fragen zu beantworten müssen wir zuerst feststellen, wieviel landwirtschaftlich nutzbaren Boden ein Mensch braucht. Für die Bereitstellung der Grundnahrungsmittel 
600 m2 
  Für die Bereitstellung von Kleidung, Behausung und Handel 
1000 m2   Für hochwertige Nahrungsmittel wie Fleisch und Milch 
500 m2   Totale Mindestfläche pro Mensch 
2100 m2   Für Liechtenstein bedeutet dies einen Bedarf von 26 000 Einwohnern ä 2100 m2 
 = 5460 ha. 
Dieser Betrag entsprach vielleicht 1960 noch knapp der vorhandenen Fläche, wenn wir die Alpweiden für die Milchwirtschaft zu 50 mitrechnen. Wir müssen aber beachten, dass von unseren landwirtschaftlichen Nutzflä- chen von 3700 ha rund 1600 ha, das sind 43 %, 
eingezonte Baulandfläche sind, von denen uns dauernd Böden verloren gehen. Wir müssen also davon ausgehen, dass wir jährlich die Ernährungs- und Existenz- grundlagen von 150 Menschen zerstören. Wir befinden uns also seit 1970 unterhalb des Existenzminimums bezüglich Ernährung, 
Umwelt und Lebensqualität. Wir müssen dringend und sofort mit einem radikalen Um- denken beginnen. Bei der Energie im Zusammenhange mit den Rheinkraftwerken ist uns die Selbstversor- gung und Unabhängigkeit der Energieversor- gung auch auf Kosten der Umwelt heilig. Wie aber steht es mit der Möglichkeit der Selbst- versorgung als Überlebensprinzip im Ernäh- rungssektor? Also müssen wir umdenken, umdenken für ein Leben zum Überleben, nicht für die näch- sten 5 Monate oder 5 Jahre, sondern für die nächsten 5 Generationen. Heinz Frick
        

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