Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1985
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_17/19/
Liechtensteiner Umweltbericht 
Luftverschmutzung Seite 19 sind. Am 28. September besteht die Gele- genheit, im Rahmen einer Exkursion in das bayerisch-österreichische Grenzgebiet prak- tische Fragen der Erhaltung des Bergwaldes zu erörtern und in einer allgemeinen Ple- 
numsdiskussion dazu Stellung zu nehmen. Die Tagung schliesst mit der Beschlussfas- sung über die Deklaration von Schliersee «Massnahmen zur Rettung des des Berg- waldes». 
Einladungen mit dem genauen Programm können bei der CIPRA-Geschäftsstelle, Hei- ligkreuz 52, 9490 Vaduz oder bei der LGU, Postfach 254, 9490 Vaduz angefordert werden. Kurzbericht: GDI-Seminar Luftverschmutzung Am 20. und 21. Mai d.J. diskutierten im Gottlieb-Duttweiler-Institut in Rüschlikon/ Zürich Fachleute zum Thema «Saubere Luft». An der Tagung haben gegen 150 Sach- verständige, vorwiegend aus der Schweiz, der Bundesrepublik Deutschland und Österreich, teilgenommen. Auch ein Vertreter der Liech- tensteinischen Gesellschaft für Umweltschutz verfolgte die Seminararbeit. 12 Referate wur- den gehalten. Um die Teilnehmer in die Semi- nararbeit miteinzubeziehen, wurde nach den Referaten jeweils reichlich Gelegenheit zur Diskussion  geboten. 35 Medienvertreter (Presse, Radio, Fernsehen) verfolgten die Abhandlung des Themas «Saubere Luft». Akute Fälle von Luftverschmutzung, Rauch- schäden und Smog sind seit den Anfängen der Industrialisierung aufgetreten. Diese Ereignis- se waren aber lokal begrenzt und konnten meist mit entsprechenden 
Massnahmen beho- ben werden. Das Waldsterben lässt heute die Umrisse einer globalen ökologischen Bedro- hung erkennen, deren Weiterentwicklung noch nicht abgeschätzt werden kann und langfristig auch die menschliche Existenz gefährdet. An- hand der Problematik der Luftverschmutzung wurde an der Tagung Bilanz der vergangenen Umweltpolitik gezogen und Strategien einer künftigen integralen und präventiven Umwelt- pokitik diskutiert. Obwohl heute genügend wissenschaftliche Erkenntnisse vorlägen, um in lufthygienischen Bereichen Entscheide tref- fen zu können, geschehe noch viel zu wenig, um den Zustand der Luft wirksam zu verbes- sern. Für die Reinhaltung der Luft müssten nicht nur umfassende technische Massnahmen ungesäumt voll zur Anwendung kommen, son- dern müsste sich auch das menschliche Verhal- ten gegenüber den natürlichen Resourcen än- dern. In der Bundesrepublik Deutschland wurden 1982 in der ersten Waldschadenserhebung 8 % des Waldes als krank gemeldet, 1985 dagegen bereits 50%. In der Schweiz und in Österreich liegen die Verhältnisse ähnlich. Der Fortschritt des Waldsterbens scheint ex- plosionsartige Formen anzunehmen. Die Schadenseffekte in den Wäldern sind nach neuesten Erkenntnissen «mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit» auf Luft- schadstoffe und ihre Umwandlungsprodukte zurückzuführen. Auch gesundheitliche Aus- wirkungen der Luftverschmutzung können nachgewiesen werden. Epidemiologische Un- tersuchungen zeigen, dass bei Zunahme der Luftverschmutzung Sterbe- und Krankheits- fälle höher sind. Faktoren wie die erhöhte Empfindlichkeit von Kindern, das individuel- le Verhalten und berufliche Tätigkeit können den Verlauf der gehäuft vorkommenden Krankheiten beeinflussen. Die gesundheitli- che .Schädigung durch Schwebestaub und Stickstoffdioxid, Schwermetalle und Kohlen- 
wasserstoffe treten meist erst nach langjähri- ger Einwirkung bestimmter Konzentrationen auf, während Kohlenmonoxid sowie die Reiz- gase Chlor, Fluor und Ozon vor allem akute Wirkung haben. Die gesundheitsschädliche Auswirkung von Luftverunreinigung ist noch ungenügend erforscht, wie z.B. die Erhöhung der Zahl von Pseudo-Krupp-Anfällen bei Kleinkindern, der Anstieg der Erkrankung an chronischer Bronchitis oder insbesonders die Erhöhung der Lungen- und Bronchialkrebsra- te. Es wird notwendig werden, dass die wis- senschaftliche Aufklärung der Zusammen- hänge zwischen Luftverunreinigung und de- ren Auswirkung auf die menschliche Gesund- heit in gleicher Weise vorangetrieben wird, wie die entsprechenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Waldschäden. Unbestrit- ten ist die Erkenntnis, dass eine saubere Luft auch zum Schutz der Gesundheit dringend notwendig ist. Verzögerungen von Massnah- men wegen Unsicherheit oder angeblich feh- lender Kenntnisse im Beziehungsgefüge zwi- schen der Luftverschmutzung und der menschlichen Gesundheit sind nicht ver- tretbar. Die Vernetzung der Luftverunreinigung und vor allem deren atmosphärische Umwand- lungsprodukte ist nicht nur in ihrer Wirkung auf die menschliche Gesundheit und das Waldsterben, sondern auch mit der Nah- rungs- und Futtermittelkette, mit dem Was-   serkreislauf, mit der Bodenbelastung und mit der Belastung der gesamten Vegetation und vor Bauwerken zu sehen. Die Luftreinhalte- strategie wird sich viel stärker an der globalen Vernetzungsphase orientieren müssen. Auf- merksamkeit ist auch insbesondere auf Stoffe zu lenken, die zwar nicht in grossen Mengen emittiert werden, aber längerfristig und weit- räumig hinsichtlich ihrer Wirkung und im Zu- sammenwirken mit anderen Luftschadstoffen sehr schädlich sein können. In der Luft wer- den heute gegen 3000 Fremdstoffe festge- stellt, davon sind nicht alle giftig. In den Analysenmethoden hat sich in den letzten Jahren ein atemberaubender Fortschritt ein- gestellt, so hat sich z.B. bei Dioxin die Nach- weismöglichkeit in den letzten 5 Jahren um das 50fache gesteigert. Als Folge werden im- mer mehr, bisher nicht vermutete «giftige» Substanzen — wenn auch in kleinsten Konzen- trationen — in Reinluftgebieten, im Boden, im Grundwasser, in der Nahrung usw. entdeckt. Offene Fragen der Luftverschmutzung neh- men rascher zu als die wissenschaftlichen Er- kenntnisse. Im Eis der Antarktis befindet sich ein fast lückenloses Archiv der vergangenen globalen Umweltbedingungen. Die Analyse der im ewigen Eis gespeicherten winzigen Luftbläs- chen ergeben ein getreues Bild der fortschrei- tenden Luftverschmutzung. So hat z.B. der Bleigehalt der Luft seit der vorindustriellen Zeit um das 100fache zugenommen. Für diese 
Bleianreicherung ist zu einem grossen Teil das «verbleite» Benzin verantwortlich. Die Emit- tentengruppe Verkehr hat auch den grössten Teil an Stickoxid-Emissionen, und dies der- zeit noch mit steigender Tendenz, das gleiche gilt für Kohlenwasserstoff- und Kohlenmono- xid-Emissionen. Durch die Waldschadensdis- kussion ist das Kraftfahrzeug in den Brenn- punkt der Luftreinhaltestrategie gerückt. Die Photooxidation der Autoabgase, insbeson- dere das Ozon, werden als Hauptverursacher der Waldschäden verantwortlich gemacht. In Bezug auf den Staub und Schwefeldioxid, die vornehmlich aus Heizungen, Kohlenkraftwer- ken, der Industrie etc. stammen, hat sich in den letzten Jahren die Situation wesentlich verbessert, indem die Konzentrationen etwa auf den Stand von 1960 zurückgeführt werden konnten. Der ökologische Notstand unserer Zeit und unserer Breitengraden ist dadurch gekenn- zeichnet, dass elementare Lebenselemente wie die Luft, das Wasser und die Böden zu- nehmend von lebensfeindlichen Fremdstoffen belastet werden. Für die langlebigen naturna- hen Vegetationsformen, die Wälder, hat das Mass der_Belastung die Toleranzgrenze ein- deutig überschritten. Die Prozesse der Um- weltverschmutzung sind wissenschaftlich kompliziert. Es genügt festzustellen, dass die Fachleute der Lufthygiene von tausenden menschlich verursachten Fremdstoffen spre- chen, deren Giftigkeit für Lebewesen und deren chemische Schicksale in der Luft und im Wasser weitgehend unbekannt sind. Trotz- dem sind die Wissenschaften heute zuneh- mend in der Lage, einzelne Ausschnitte aus dem vielfältigen Geschehen zu erklären und ungefähre Anhaltspunkte für die Belastungs- grenzen einzelner Schadstoffe zu gewinnen. Es wird der Wissenschaft aber nicht möglich sein, praktisch brauchbare pflanzenbiologi- sche Toleranzgrenzen für die Summe aller gleichzeitig wirkenden Fremdstoffe experi- mentell zu bearbeiten. In der heutigen Situa- tion der Zeitnot dürfen noch fehlende wissen- schaftliche Erkenntnisse nicht zum Vorwand genommen werden, durchgreifende Abwehr- massnahmen aufzuschieben. Es sind ausrei- chend gesicherte Erkenntnisse vorhanden, um in wichtigsten lufthygienischen Fragen durchgreifend behandeln zu können. Es ist besser auf der Basis unvollständiger Informa- tionen rechtzeitig, als auf der Basis vollständi- ger Informationen zu spät zu handeln. Die wesentlichsten aller Aufgaben des heuti- gen Umweltschutzes liegen im Vorsorgebe- reich. Die Luftschadstoffe sind an der Quelle zu minimieren. Die Symptombekämpfung und Gefahrenabwehr, d. h. die Reparaturpo- litik, muss durch Vorsorgepolitik abgelöst werden. Die Summe der Fremdstoffe in der Luft sind in ihrer Gesamtheit durch Luftrein- haltepläne zu begrenzen. Im Rahmen der zu- lässigen Gesamtverschmutzung könnten ge-
        

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