Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
17
Erscheinungsjahr:
1985
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_17/10/
Seite 10 Waldschäden September 1985 Die Waldschäden in den Ruggeller Wäldern Trotz des verhältnismässig kleinen Flächenan- teils von ca. 16 Prozent (einschliesslich der Feldgehölze) erfüllt der Wald auch in der Gemeinde Ruggell äusserst wichtige Aufga- ben. Die Waldbestände an der Westflanke des Schellenbergs, die zahlreichen Feldgehöl- ze und die Auenwälder in der Talebene prä- gen das Landschaftsbild und stellen wertvolle und vielfältige Lebensräume und Lebensge- meinschaften dar. Die Luftverschmutzung bedroht, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass, alle einheimi- schen Baumarten, alle vorkommenden Wald- gesellschaften und deshalb auch die Waldun- gen der Gemeinde Ruggell. Infrarot-Luftaufnahmen Eine neue Methode der Waldschadenerhe- bung bedient sich der Infrarot-(IR)-Luftauf- nahmen. Dabei wird in der Luftfotografie die für das menschliche Auge nicht sichtbare Strahlung des nahen IR wiedergegeben (nicht zu verwechseln mit der thermischen IR-Strah- lung!). Auf der IR-Aufnahme werden die Kontraste zwischen den unterschiedlich vita- len Pflanzenteilen deutlicher sichtbar, und sie ermöglicht dadurch eine zuverlässigere Beur- teilung des Gesundheitszustandes der aufge- nommenen Waldbestände. Programm Gesunder Wald (GEWA) Der Gesundheitszustand unserer Wälder in- teressiert besonders seit den vielen Meldun- gen über das Waldsterben eine breite Öffent- lichkeit. Im Rahmen des vom Liechtensteiner Landtag im Herbst 1983 beschlossenen Pro- gramms «Gesunder Wald» (GEWA) sollen innerhalb der Periode 1984-1990 verschiede- ne Waldschadenuntersuchungen vorgenom- men werden. Dabei werden möglichst viele Glieder der Le- bensgemeinschaft Wald untersucht und deren Schädigungsgrad beurteilt. Die Erhebung des Schadenausmasses und der Verteilung der Schäden in einer derart grossen und vielfälti- gen Lebensgemeinschaft, wie sie der Wald darstellt, ist recht schwierig und kann durch verschiedene Methoden erfolgen. 
Schadensituation im August 1984 Die Auswertung der IR-Luftaufnahmen des Gebietes Ruggell-Eschnerberg ist 
abgeschlossen. Die Ergebnisse sind in 2 Übersichtskar- ten im Massstab 1 :10 000 und in je einem Tabellenblatt für die Gemeinden Ruggell und Schellenberg festgehalten (siehe Tabelle). Dabei ist zu beachten, dass sich die Schaden- ansprache auf mindestens 0,8 ha grosse, ein- heitliche Waldbestände und nicht auf Einzel- bäume bezieht. Ausserdem werden bei der Luftbildinterpretation alle erkennbaren Schä- den erfasst. Eine Unterscheidung zwischen immissionsbedingten 
und mechanisch verur- sachten Schäden ist nicht möglich. Die vorliegenden Auswertungen zeigen, dass nur 17 Prozent der Waldbestände in der Ge- meinde Ruggell überhaupt keine Schäden aufweisen. In 48 Prozent der Waldbestände sind Schäden an mehr als einem Fünftel der Bäume festzustellen, in 21 Prozent der Wal- dungen betreffen die Schäden mehr als die Hälfte der Kronendachs der Bestände. Schadenunterschiede in benachbarten Beständen Beim Betrachten der Schadenkarten fallen die grossen Unterschiede zwischen benach- barten Beständen auf. Junge Bestände sind deutlich weniger stark geschädigt als ausge- wachsene, und mit zunehmendem Nadelholz- anteil (vor allem Tanne und Fichte) sind auch die Schädigungen grösser. So ist es verständ- lich, dass Waldkomplexe mit einem über- durchschnittlich grossen Anteil an Jungbe- ständen (z. B. die ehemaligen Windwurfflä- chen im Gebiet «Hohla Kär») die Aussagen der Schadenkarte und -berechnung etwas be- schönigen. Gute Kenntnisse der lokalen Waldverhältnisse sind deshalb Voraussetzung für eine einwandfreie Interpretation der Waldschadenkarten. Die grössten Waldschäden mussten im Raum «Brüchliswald-B oj a-Tälewald» festgestellt werden. Die Waldbestände an der Westflanke des Schellenbergs sind deutlich weniger ge- schädigt. .Der Auwaldstreifen kann heute noch als gesund oder lediglich als kränkelnd eingestuft werden. 
Der Schädigungsgrad der Feldgehölze ist un- terschiedlich, wobei die massiv geschädigten Altholzgruppen im Gebiet «Schneckenäule» auffallen. Grössere Schäden in den Privatwäldern Deutliche Schadenunterschiede sind zwischen dem Gemeinde- und dem Privatwald festzu- stellen. Private Wälder sind durchwegs stär- ker geschädigt; auf den Schadenkarten sind oft deutliche Abgrenzungen zu sehen. Diese Unterschiede sind vor allem auf die unter- schiedliche Waldpflege zurückzuführen. In den durchwegs gut gepflegten Gemeindewäl- dern werden absterbende oder in ihrer Vitali- tät geschwächte Bäume auf dem Wege der regelmässigen Durchforstungseingriffe oder - sofern der Krankheitszustand der Bäume dies verlangt — auch zwischenzeitlich entnommen. In den privaten Waldungen unterbleiben die- se periodisch durchzuführenden Pflegemass- nahmen meistens, so dass der Anteil geschä- digter Bäume grösser ist. Parallelen zu den Nadelanalysen Der Vergleich mit den Ergebnissen der seit 1973 erhobenen Schwefelgehaltmessungen in Fichtennadeln zeigt für den gesamten Eschnerberg interessante Parallelen mit den Waldschadenkarten der IR-Luftaufnahmen. In der Untersuchungsperiode 1979-83 wiesen die nordwestlich exponierten Hanglagen zwi- schen «Kalkgütle» und «Kratzera» einen durchschnittlichen Schwefelgehalt von ca. 590 ppm auf. Die südöstlich exponierten Hänge oberhalb Mauren zeigten Werte von ca. 700 ppm, die gegen Süden geneigten Waldungen oberhalb von Eschen sogar Werte über 950 ppm. Vergleicht man diese unterschiedlichen Schwefelkonzentrationen in den Fichtenna- deln mit der Schadflächenverteilung auf der Waldschadenkarte, so fallen eindeutige Über- einstimmungen auf. Die vorliegende Auswertung der Luftaufnah- men zeigt die vorhandenen Schäden in den Wäldern der Gemeinde Ruggell deutlich. Le- diglich 17 Prozent der Ruggeller Waldbestän- de zeigen noch keine Schädigungen. Hoffen wir, dass uns diese Tatsachen zur Besinnung bringen. J. Zürcher, Landesforstamt
        

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