Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
16
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_16/6/
Seite 6 Strassenrand und Herbizide August 1984 Überflüssiger Giftkrieg am Strassenrand Ungeliebtes Grün bereitet dem Strassenunterhalt Kopfzerbre- chen. Es beschädigt mit den Wur- zeln die Strassenbeläge und «ver- unziert» das sonst so gepflegte Bild. Was dann bisher immer folg- te, war der Griff zur Giftspritze, denn die Verwahrlosung konnte nicht akzeptiert werden. Sichtba- res Ergebnis sind auch heute noch Von der ökologischen Unwissenheit Schliesslich steht auf jeder Giftpackung das Wort «unschädlich». Die meisten Sprühmittel gehören heute zur «harmlosen» Giftklasse 5. Giftklassen sagen vorerst aber einmal nichts aus über deren ökologische Wirkung. Sie sind lediglich Hinweise für den Menschen. Die Anwendung selbst relativ wenig giftiger Wirk- stoffe im Strassenunterhalt erfolgt unter ande- ren Umständen als dies etwa in der Landwirt- schaft der Fall ist. Landwirtschaftliche Böden zeichnen sich noch durch eine hohe biologi- sche Aktivität aus, die dafür sorgt, dass Wirk- stoffe in kurzer Zeit abgebaut werden und damit wieder verschwinden. Strassenränder und Fahrbahnen sind hingegen biologisch we- nig bis nicht aktive Zonen, so dass Wirkstoffe entweder länger liegen bleiben oder unverän- dert abgespült werden können. Die Giftklas- seneinteilung gibt somit keine Gewähr, dass Schäden an Drittorganismen nicht eintreten können. Sichtbare Zeichen der Schädigung kennen etwa die Imker bei ihren Bienen oder die Schafzüchter mit Durchfallsymptomen bei ihren Tieren. Totales Herbizidverbot liegt drin Heute wird nicht mehr so viel Gift gespritzt wie noch vor wenigen Jahren und diejenigen, die dies noch tun, machen dies eher ver- schämt und berufen sich auf die angebliche Unschädlichkeit. Wer erinnert sich nicht des unseligen Grossherbizideinsatzes am Rhein- 
in einigen Gemeinden braune Trauerränder, Plätze und Feldwe- ge, die mit dem Pflanzengift abge- sprüht wurden. Die Männer mit der Giftlanze auf den fahrenden Lastwagen geben sich offensicht- lich kaum Rechenschaft, was sie hier an schädigenden Auswirkun- gen an der Natur anrichten. damm. Ebenso wurde noch bis zu Beginn der 1980er Jahre auf Liechtensteins Hauptstras- sen jährlich 95 kg Primatol eingesetzt. Seit drei Jahren geht es nun auch ohne Gift. Das Bundesamt für Umweltschutz in Bern wollte Näheres über die Giftmittelpraxis in der Schweiz erfahren und liess eine Umfrage durchführen. Befragt wurden die Unterhalts- dienste der Nationalstrassen wie auch 1700 Gemeinden. Das Ergebnis erstaunte. Laut Umfrage verzichten heute schon 45 Prozent der Gemeinden ganz auf Chemie, ebenso zwei kantonale Unterhaltsdienste sowie 6 der 33 Nationalstrassenwerkhöfe. Diese Umfrage wurde nun auch in Liechtenstein von der LGU durchgeführt. Hier das Ergebnis: 
Damit wird auf Liechtensteins Gemeinde- strassen noch etwa zur Hälfte, wenn auch reduzierter als auch schon, mit Herbizidein- satz «gepflegt». Vom hohen biologischen Wert der Strassenränder Man könnte sich fragen, ob die Tier- und Pflanzenwelt denn auf die wenigen Zentime- ter Strassenrand, Mittelstreifen oder Bord an- gewiesen ist. Der Biologe schätzt den Wert der Strassenränder hoch ein. Die Naturwerte sind meistenorts auf dem Rückzug. Sie werden durch intensive Land- wirtschaft und Zersiedelung immer mehr be- einträchtigt. Insbesondere wird jedem Qua- dratmeter sein definitiver Nutzungszweck zu- geordnet. Zwischenzonen werden so immer rarer. Die schmalen Saumzonen der Strassen- und Wegränder gehören hierzu: Die Vielfalt , an Tiergemeinschaften und Pflanzenarten ist in diesem Lebensraum enorm. Dieses Arten- reservoir wird durch die Herbizide zerstört oder stark beeinträchtigt. Damit verschwindet auch der Mohn, die Wegwarte, alles Arten, die früher weit verbreitet waren. Für ein generelles Verbot der Herbizidanwendung an Strassenrändern Die vielen Unterhaltsdienste, die ganz auf die Chemie verzichten, beweisen, dass es auch ohne Gift geht. Allerdings braucht es dann die Bereitschaft etwas mehr Geld und Perso- nal für den Unterhalt einzusetzen. Berück- sichtigt man auch die Folgen (Verzicht auf ein mehr an biologischer Schädlingsbekämpfung durch Vernichtung vieler Helfer, Gefahr der Gewässerbelastung durch Abschwemmung, Bodenerosion weil abgestorbene Wurzeln vergifteter Pflanzen den Boden nicht mehr zusammenhalten), so könnte die teurere Lö- sung auf die Dauer die billigere sein. Unsere Gemeinden könnten sich diesen Mehrauf- wand zudem durchaus auch leisten. Als Alter- native ist anzuregen, fachgerecht entlang der Strassen Magerwiesen anzulegen, sie durch nur einmaliges Ausmähen der Böschungen zu Fortsetzung auf Seite 7
        

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