Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
15
Erscheinungsjahr:
1984
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_15/16/
Moral und Baugesetz Vielleicht ist es in allen Gemeinden un- seres Landes in Sachen Verstösse ge- gen die Bauvorschriften so wie in Trie- senberg. Das vermag ich jedoch nicht zu beurteilen, weshalb ich mich auf zahlreiche Beispiele in meiner Heimat- gemeinde stütze. Generell ist bei uns kein grosser Re- spekt vor dem Baugesetz vorhanden. Es geht sogar so weit, dass böse Zun- gen behaupten, Gesetze seien nur für die Dummen geschaffen worden. So entstanden denn auch in den letzten Jahren am Triesenberg und im Alpen- gebiet ganze Häuser, Lagerhallen und Gross-Anbauten ohne Baubewilligung. Ställe wurden in Ferienhäuschen umge- baut (natürlich ohne Bewilligung) und auch mit dem Grenzabstand nahm man es von Zeit zu Zeit so, wie es eben für sich selbst am besten war. Der «Normal-Bürger» fragt sich zurecht, warum er denn für seinen kleinen Um- bau, seinen Balkonanbau oder seine Dachfenster, eine Bewilligung einholen soll, wenn andere in ganz grober Manier gegen das bestehende Gesetz verstos- sen, aber nicht zur Rechenschaft gezo- gen werden. Diese Tatsache wurde auch von keinem geringeren als Gemeindevorsteher Al- fons Schädler aufrichtig bedauert. Die 
Gemeinde könne nicht mehr, als die Sache ablehnend an das Bauamt wei- terleiten. Wenn ein Bauherr dennoch baue, dann sei die Gemeinde machtlos und müsse tatenlos zusehen. Auch von Seite des Landesbauamtes tönt es ähn- lich. Sind Gesetze und Vorschriften dem- nach etwa nur für die Braven? Und wenn die Gemeinde und das Bau- amt das Baugesuch abgelehnt haben und der Bauherr sein Häuschen den- noch baut, wenn selbst angesehene Leute an diesem unbewilligten Objekt ihr Geld verdienen, was passiert dann? — Gar nichts. — Dann steht das Haus oder die Garage oder was es eben ist und wird im nachhinein bewilligt. Viel- leicht eine kleine Busse, die aber die Teuerung bei weitem ausgleicht. Abge- rissen wurde bei uns noch kein einziges Objekt. Doch wo liegt der Grund für dieses (nach meiner rein persönlichen Mei- nung) unmoralische Begraben? Wer weiss, vielleicht steht an dieser Stelle der nächsten LGU-Ausgabe eine Stellungnahme einer sich zuständig fühlenden Stelle, die etwas Licht ins beschissene Dunkel bringt. So jeden- falls, wie es heute läuft, haben Gesetze und Vorschriften keinen Wert . . . 
Bürgerinitiativen Seite 16 
April 1984 fen, denn beim Sass-Weg kam der Staatsan- walt schon gar nicht mehr in Versuchung, die Rechte des Staates verteidigen zu wollen. Solche Eingriffe sind offensichtlich legitim ... Dennoch ist es in der Sass-Weg-Diskussion als erfreulich zu bezeichnen, dass offensicht- lich noch mehr Menschen in Liechtenstein 
sonst wäre der Gemeinderatsbeschluss heu- te gültig . . . Der erste Bürgervorstoss, der klar und un- missverständlich von Erfolg gekrönt war. Und die Erklärung: Man weiss nichts genau- es. Die Baumeister gaben uns jedenfalls kei- ne Unterschrift für dieses Referendum. Ob 
ein stärkeres Umweltbewusstsein beim Stimmbürger den Ausschlag gab oder ob allein die Tatsache, dass hier kaum jemand Verzicht leisten musste, entscheidend war, das bleibt dem einzelnen zur Beurteilung überlassen. Das Resultat ist jedenfalls für alle Freunde einer intakten Umwelt erfreulich. nicht so denken wie die für dieses Bauvorha- ben Verantwortlichen. Zahlreiche positive Briefe und Anrufe entschädigen die vielen «Ohrfeigen», welche von anderer Urheber- Seite eingesteckt werden mussten. Der Gemeinderat beschloss, im gemeindeei- genen Matteltiwald eine Parzelle für den späteren Bau einer «Umfahrungsstrasse Triesenberg» auszuscheiden. Dagegen bilde- te sich eine Referendums-Gruppe (bewusst FBPNU-geboren gemischt gehalten), welche die nötigen Unterschriften einreichte und den Gemeinderatsbeschluss vor eine Bürgerver- sammlung brachte. Die Bürger lehnten diese Parzellierung entschieden ab und der Ge- meinderatsbeschluss wurde rückgängig ge- macht. Kommentar: 
Die Ausscheidung einer Parzel- le im Matteltiwald war nach Ansicht vieler Gemeinderäte eine «Form-Sache». «Damit ist ja noch gar nichts passiert. Die Umfahrungs- strasse kommt ja doch nicht. Es geht ledig- lich 
darum, das Grundbuch im Rahmen der laufenden Melioration zu bereinigen . .» sol- che und ähnliche verharmlosenden Antwor- ten kamen von Verantwortlichen. «Das wäre ja auch keine Umfahrung von Triesenberg» hiess es. Und dennoch hatte man im Ge- meinderat den Entscheid einstimmig gefällt. Per Zufall kam dieser Gemeinderatsbe- schluss sensibilisierten Bürgern zu Gehör,
        

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