Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1983
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_14/18/
Seite 18 Europarat-Informationskampagne November 1983 Europaratskampagne «Schutz den Ufern» Auszüge aus Referat Regierungsrat Dr. Walter Oehry aus Anlass der Eröffnung der Ausstellung «Bäche: Kleine Fliessgewässer - grosse ökologische Sorgenkinder» vom 6. 6. 1983 im Triesner Gemeindezentrum « . . . Die uns alle erhaltende Natur hat mehr und mehr Belastungen zu verkraften. Die Be- ziehung zwischen Mensch und Natur ist im weit verbreiteten Nützlichkeitsdenken ver- kümmert. Der Mensch stellt Ansprüche an die Natur, empfindet sich selbst aber nicht als ihren Erhalter und Bewahrer, sondern nur als ihren Nutzniesser. Er beruft sich auf den biblischen Auftrag «Macht euch die Erde untertan!» und ver- kennt, dass die Herrschaft über die Natur nicht das Recht zur Ausnützung bis an die Grenzen und über die Grenzen ihrer Lei- stungsfähigkeit hinaus beinhaltet. Verant- wortlich für die Erhaltung unserer Existenz- grundlage Natur ist weder eine Regierung allein, noch ein Amt, noch eine Organisation, sondern wir alle. Wir können Fehlentwicklungen nur korrigie- ren, wenn jeder Einzelne bereit ist, seinen Beitrag zu leisten. Wir haben die Grenze des- sen, was wir unserer natürlichen Umwelt an Belastungen zumuten dürfen, an verschiede- nen Stellen bereits überschritten. Die Folge werden rigorose Vorschriften und harte Straf- massnahmen sein, wenn es uns nicht gelingt, Verständnis und Respekt für unsere Umwelt zu wecken und Eingriffe in die Natur nur auf der Grundlage umfassender Verträglichkeits- studien vorzunehmen. Wenn Lebensqualität 
bei uns erhalten bleiben soll, dann darf die Natur nicht nur am Bildschirm mit Filmen aus fernen Ländern zu besichtigen sein. Liechtenstein ist ein Binnenland und hat we- der territorialen Anspruch auf eine Küste noch auf ein Seeufer. Dennoch hat die Kam- pagne des Europarates auch für unser Land eine besondere Bedeutung. Die Zeiten sind auch bei uns längst vorbei, wo man sagen konnte, das Wasser sei wieder rein, wenn es über sieben Steine gesprungen ist. Wenn wir uns vor Augen halten, dass von den etwa 215 km Bächen und Gräben, einschliesslich des Kanals, aber ohne den Rhein, nur noch etwa 10 % völlig unverbaut sind, während rund 60 % teilweise verbaut, der Rest total verbaut oder verdolt ist, können wir schon aus diesen dürftigen Zahlen ableiten, dass es sich auch bei uns lohnt, über die Randzone zwischen Wasser und Erde nachzu- denken . . .» «Die Absenkung der Rheinsohle hat in unse- rem Teil des Rheintals rund 27 km grössere Fliessgewässer und etwa 8 km kleinere Grä- ben zum Austrocknen gebracht. Ungefähr gleich gross dürfte die Zahl jener Gerinne sein, die zeitweise austrocknen. Es ist offen- sichtlich, dass sich unser Verhalten dem Wasser gegenüber allzu sehr von der Absicht bestimmen liess, es so rasch wie möglich los zu werden. Wir haben uns im Wasserbau 
vielleicht zu sehr vorwiegend von techni- schen Aspekten leiten lassen und die lebens- bedeutende Nahtlinie Wasser-Erde, insbe- sondere auch den Sohlenuntergrund, ver- nachlässigt. Daher haben wir Kleingerinne eingeschalt, sie damit aus dem Kreislauf des Naturhaushaltes herausgenommen und das natürliche Rückhaltevermögen des Bodens für Wasser eliminiert. Zwangsläufig ist damit die Problematik auf das nächstgrössere Ge- rinne verlagert worden, das dann in der Regel ausgebaut werden muss. Rechnen wir dazu die Versiegelung der Landschaft durch den Hausbau, den Strassenbau, die Parkplätze, die Verdichtung der Böden durch die Land- wirtschaft, dann sind wir am Ende dort ange- langt, wo wir mit unseren Wasserbaumass- nahmen angefangen haben, nämlich bei der Hochwassergefahr . . .» «Mit der Wasserreinigung allein ist der Ge- wässerschutz jedoch noch nicht abgeschlos- sen. Wasser ist einer der wichtigsten Fakto- ren im Naturhaushalt. Die Gewässer sind Le- bensraum für eine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Gewässer prägen ganz entschei- dend unser Landschaftsbild. Im Gegensatz zur Gewässerqualität steht es um das natürli- che Erscheinungsbild unserer Gewässer noch recht schlecht. Zwar wurde in dieser Hinsicht schon einiges getan: die Bewässe- rung der Ruggeller Gräben und des Gampri- ner Sees mit Wasser vom Binnenkanal, die Wiederbewässerung des Kleinen Kanals in Schaan, die Errichtung von Naturschutzwei- hern in Balzers, Heilos in Triesen, Vaduz, Schwabbrünnen, Maurer Riet und Ruggeller Riet, die Errichtung (im Jahr 1981) einer Fischpassanlage beim Binnenkanalauslauf, in deren Folge bereits eine starke Zunahme der natürlichen Verlaichung der Forellen im Binnenkanal zu verzeichnen ist. Weiter hat die Regierung eine Studie in Auftrag gege- ben, mit dem Ziel, die Wasserverhältnisse im Talboden zwischen Balzers und Triesen zu verbessern, den Grundwasserspiegel anzu- heben und die Grundwassergiessen wieder zu beleben. Weiter soll ein ökologisches In- ventar aller Oberflächengewässer aufgenom- men werden, welches erlaubt, gezielte Mass- nahmen zu ergreifen, zur Renaturierung von naturfernen Gewässerläufen. Wir sind in der glücklichen Lage, unser Haus selbst bestellen zu können. Wir können unse- re Landschaft mit der gleichen Liebe und Aufmerksamkeit behandeln, mit der man als Hausbesitzer sein Hausgärtlein pflegt. Wir wollen mit vereinten Kräften das tun, und - was noch wichtiger scheint — das unterlas- sen, was eine gründliche Überprüfung der derzeitigen Situation unserer kleinen Wasser- läufe erfordert..
        

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