Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1983
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_14/16/
Seite 
16 Feuchtgebiet November 1983 Der Balzner Talraum ist reich an Flurnamen, da finden wir den Silbergiessen, viele Bäche wie etwa den Mühlbach, in dem 1768 der Sarganser Landvogt Göldlin von Tiefenau nach einem Besuch des Landvogtes zu Va- duz bei der Rückkehr den Tod fand. Das Krottebächle beim Gutenberghügel bildete einst die Grenze zwischen Balzers und Mäls. «Beim Rheineinbruch» weist uns auf frühere Notzeiten mit dem Wasser hin, ebenso die Schifflände. Brücken überspannten die Giessen, Bäche und Gräben wie etwa bei der «hohen Bruck». Dieser Graben ist zugeschüttet, ein Teil der Brücke noch zu erahnen, ansonsten kann man den Flurnamen an der benachbarten Trafostation ablesen. Von der einst hohen Bruck ist nichts mehr zu sehen. Insel, alte Insel, beim Inselbrückle, Inselrütte- nen, sind in der Flurnamenkarte von Josef Ospelt (1911) noch verständlich auszuma- chen, nämlich als Streueland zwischen zwei Wiesbächen, sie liegen heute trocken. Die überwiegende Mehrheit all dieser Flurnamen sind «sinn-los« geworden. 
Heute lassen sich viele ehemalige Strukturen erst mittels alten Landkarten und den Flurna- men wieder ablesen, denn durch die Verein- fachung der Landschaft ist heute vieles im Gelände nicht mehr verständlich. Am besten kann dies am Beispiel des Elementes Wasser belegt werden. Unsere ersten massstabgetreuen Landeskar- ten datieren von 1947 mit den Revisionen 1962 und 1979. Der Landschaftswandel auf dem Kartenblatt M. 1 : 10 000 Balzers ist durch Interpretation dieser Karten gut nach- vollziehbar. 1947 sind noch fast alle Gräben und Bäche innerhalb und ausserhalb des Siedlungsgebietes zusammenhängend sicht- bar. Im Aeule sind Sumpfgebiete zwischen den Quellaufstössen auszumachen. Auch im Bereich des Entenmoos-Neugrütt bestehen noch grössere Streuegebiete. Die Bachver- läufe sind auf den späteren Kartenblättern nicht mehr recht verständlich, da auf weiten Teilen eingedolt, die Gerinne teils in Beton- schalen gelegt oder sonst kanalisiert. Die Grundwasserabsenkungen im Rheineinfluss- gebiet lassen uns zudem ab den 1960er Jah- ren weite Teile des Graben- und Bachsy- stems austrocknen. Eine Mülldeponie deckt 
zudem die Sümpfe und Wasserflächen im Aeule zu. Einzig die stehenden Wasserflä- chen haben sich durch die Errichtung der Weiher im Heilos und im St. Katharinenbrun- nen vermehrt. Bäche sind Lebensräume mit vernetzten Wirkungen zwischen Land und Wasser und stehen mit dem Grundwasser in Verbin- dung. Die Wirkungen durch deren Ausfall sind schleichend, vorerst wohl für den Laien kaum merklich. Es muss angenom- men werden, dass nicht nur die Vielfalt, sondern weit mehr das ökologische Gleich- gewicht in der Natur gestört wird. Überle- gungen wie dieser Zustand verbessert wer- den kann, beschäftigen seit einiger Zeit die Gemeinde und die für das Wasser zuständi- gen Landesbehörden. Es bestehen Pläne zum Einbau von Sohlschwellen im Rhein und Wiederbewässerungen des Aeule- Bachsystems. Wann wird durch die letzten nicht begradig- ten Bäche des Liechtensteiner Talraumes wieder Wasser fliessen?
        

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