Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
14
Erscheinungsjahr:
1983
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_14/11/
St. Katharinenbrunnen - Stätte informativer Erholung in der Natur Der Standort der Naturanlage, am Fusse des Andsteines, war einst Sumpfland, das später mit Bauschutt aufgeschüttet wurde. Für län- gere Zeit befand sich hier der Balzner Fuss- ballplatz. Mit dessen Verlegung und Bau eines Sportzentrums in den Rheinauen wurde das Gelände 1972 für eine andere Nutzung frei. Die Idee, hier eine Weiheranlage zu errichten, ist mit der zunehmenden Sensibili- sierung der Bevölkerung für den Naturschutz- gedanken zu Beginn der 1970er Jahre in Ver- bindung zu bringen. Ausgangslage Die natürliche Ausgangslage mit einer fast ständig fliessenden Quelle, die Ortsrandlage am Fusse des niedersten schweizerischen Pas- ses — der Luziensteig — die prächtige Kulisse mit der Burg Gutenberg und dem Gonzen im Hintergrund, waren ausgesprochen günstige und attraktive Akzente zur Realisierung des Projektes. Der Untergrund war mit seinen Schwemm- und Torfschichten für die künfti- gen Weiherböden günstig, fiel doch eine teure Abdichtung weg. Im Zuge der Projektreali- sierung konnte zugleich die Rekultivierung des Steinbruches im Hintergrund verbunden werden, so dass ca. 4,5 ha Fläche neu gestaltet werden konnten. Zielsetzungen und Konzept der Anlage Die Weiheranlage sollte eine neue Lebensba- sis für alle Tier- und Pflanzenarten bilden, welche durch Zuschüttung der Kleingewässer am meisten gefährdet sind. Im weiteren war 
die Anlage derart zu gestalten, dass sie sich als Lehrgebiet eignete. Beim Bau wurden zwei Weihertypen im Ausmass von 2500 m2   berücksichtigt, nämlich der flache Kiesgru- bentümpel und der tiefere und somit kältere Wiesenweiher. Zwei Wasserflächen erlauben somit eine differenzierte Ausgestaltung von Lebensräumen. Das Areal wurde in frei betretbare und ge- sperrte Teile, die allerdings durch Wege durchquerbar sind, unterteilt. Mittels ver- schiedener Pfade wird so der Besucher in die Anlage geführt und durch Informationsein- heiten auf einige Besonderheiten in der Tier- und Pflanzenwelt aufmerksam gemacht. Die Anlage ist zugleich Ausgangspunkt des Wan- derwegnetzes durch das Land. Verwirklichung und Entwicklung Die Anlage wurde durch die Gemeinde 1972/ 73 in Eigenregie realisiert und finanziert. Die biologische Entwicklung darf als ausgespro- chen erfreulich bezeichnet werden. Eine Un- tersuchung im Rahmen des Wettbewerbes «Liechtensteins Jugend forscht» erbrachte u. a. den Nachweis, dass sich in dieser «Natur aus zweiter Hand» die artenreichste Libellen- fauna des Landes aufhält. Die Lurche haben spontan diese Lebensräume gemäss den zuge- dachten Weihertypen besiedelt und zwar in dem Masse, dass hier derzeit die grösste Gras- frosch-Population des Landes besteht. Die Erholungseinrichtungen bedürfen einer regel- mässigen Pflege. Die Informationen an Ort haben sich teils überholt und wären nach zehn Jahren wieder neu zu gestalten. Das damals nicht ganz unbestrittene Experiment hat sich gelohnt! 
Liechtensteiner Umweltbericht 
Umwelterziehung 
Seite 11 Fortsetzung von Seite 10 Roter Büchel T Geologisch: Fortsetzung des Fläscher Berges mit charaktergebender Bedeu- tung für die Balzner Landschaft W am Runden Büchel teils interessante Un- krautflora, Erholungsraum G Interessenkollisionen, Überbauung M Vernehmlassung bei Veränderungen. Senne / Zepfel T Letzte Magerwiesen der einstigen Mager- wiesenlandschaft Lange Wiesen W schützenswerte Hai btrockenwiesenflora und -fauna, Erholungslandschaft G Intensivierung mit Düngung und mehrma- ligem Schnitt M im Einvernehmen mit den Besitzern Absi- chern der althergebrachten Nutzung (kei- ne Düngung, Magerheumahd, Herbstbe- weidung, staatliche Förderung der Exten- sivnutzung). St. Katharinabrunnen T Natur- und Erholungsanlage mit Wald- und Wiesenweiher, Kiesgrubentümpel, Park «im Säss>>   W Naturlehrstelle, Erholungsgebiet G derzeit nicht ersichtlich M regelmässige Pflege und Erneuerung der Informationen an Ort. 
Balzner Alpen: reichhaltige Vogelwelt von Georg Willi Wer zeitig im Frühjahr während der Schnee- schmelze über die grünenden Alpweiden von Gapfahl, Güschgle, Matta oder Guschgfiel wandert, wird aus allen Lebensräumen die verschiedensten Vogelgesänge hören. Es sind vielfach die Gesänge von Arten, die sich im Tal nur im Durchzug oder in strengen Wintern aufhalten und sich so unserer Auf- merksamkeit weitgehend entziehen. Da fällt rasch der Charaktervogel der Wiesen, der Wasserpieper auf, der überall seinen Balzflug ausführt, um so sein Revier gegenüber artei- genen Konkurrenten abzugrenzen. Wer Glück hat, kann auf Gapfahl den weiss- schwarz-grau gezeichneten Steinschmätzer beobachten. Andere Arten, vorab Drosseln, dienen die Wiesen als Nahrungsgründe. Beim Herannahen werden die Misteldrossel mit ihrem eigenartigen Warnruf, der sich an- hört, wie wenn man mit einem Kamm über Holz fährt, und die Ringamsel, kenntlich am breiten weissen Kropfband, rasch in das na- hegelegene Legföhrengebüsch fliehen. Von erhöhten Warten dieses Legföhrengürtels trägt die Heckenbraunelle ihr Lied vor, weni- ger häufig kann das laute Klappern der Klap- pergrasmücke vernommen werden. Hier lebt auch das Schneehuhn, das gerade auf Matta noch recht zahlreich ist. Ebenso befinden sich hier die Balzplätze des Birkhuhnes. Führt unser Weg entlang von Felsformatio- nen, wie z. B. beim Ochsenkopf oder beim Rappenstein, kann die Alpenbraunelle beob- achtet, oder gar ihr wunderbarer feldlerchen- artig vorgetragener Gesang gehört werden. Oder wer kennt nicht die Alpendohle, die hier unvermittelt als Begleiter auftaucht. Sie brü- tet in den steilen Felswänden des Ochsen- kopfes. Steigen wir jedoch in tiefere Lagen ab, wer- den wir zuerst die Kampfzone des Waldes durchqueren. Auf Gapfahl sind es aufgelok- kerte Lärchen, auf Guschgfiel Fichtenwälder, wo der Birkenzeisig bzw. der Zitronengirlitz zu Hause sind. Ganz besonders reichhaltig sind die Waldgebiete der Balzner Alpen, allen voran der strukturreiche Wald des Zigerber- ges. Die Alpen sind schon heute das wichtig- ste Rückzugsgebiet für unsere Waldhuhnar- ten. Auer- und Haselhuhn kommen denn hier tatsächlich auch vor. Kennt man den naturnahen Aufbau der Wäl- der auf den Balzner Alpen, verwundert es nicht, dass hier alle fünf in den Bergregionen beheimateten Spechtarten vorkommen, Grün-, Bunt-, Schwarz-, Dreizehen- und Weissrückenspecht. Insbesondere letzterer verdient unsere volle Aufmerksamkeit, ist doch das Vorkommen am Zigerberg das westlichste Auftreten dieser Art im mitteleu- ropäischen Raum! Auch die Anwesenheit von Sperlings- und Rauhfusskauz konnte in den vergangenen Jahren anlässlich einer vogel- kundlichen Untersuchung im Alpengebiet festgestellt werden. All diese zuletzt erwähn- ten, heute recht selten gewordenen Arten, wie natürlich auch die noch verbreiteten Vo- gelarten der Bergregionen verdienen es, dass die Vielfalt der Lebensräume auf den Balzner Alpen erhalten bleiben. Insbesonde- re der naturnahe, dem Standort angepasste Wald, der reich strukturiert ist und alt werden kann, bietet die beste Voraussetzung für ein vielfältiges Vogelleben.
        

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