Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
13
Erscheinungsjahr:
1983
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_13/9/
Liechtensteiner Umweltbericht 
Wasserbau 
Seite 9 Fortsetzung von Seite 8 Gewässer aus dem Wirkungsgefüge der Land- schaft herausgenommen — haben keine Ver- bindung mehr mit dem Bodenwasser — und stellen, da sie völlig veröden, nur noch 
tote Abflussgerinne 
dar, die keine Selbstreini- gungskraft mehr entwickeln können. Während es lange als Doktrin hiess, das Was- ser so schnell wie möglich über Entwässe- rungssysteme abzuführen, wird zunehmend erkannt, dass das Wasser so lange wie möglich in unserer Landschaft zurückgehalten werden sollte. Auf diese Weise lässt sich verhindern, dass schon gewöhnliche Hochwasser Über- schwemmungen auslösen. Sanierungsmassnahmen durch Wiederbewässe- rung des Kleinen Kanals bei Schaan. Durch weitere Gestaltungsmassnahmen am Profil kann das Fliessgewässer aufgewertet werden. Als Faustzahl erhöht sich eine Hochwasser- spitze bereits dann um 100 °A), wenn ein Fünf- tel der Einzugsfläche bebaut oder auf sonstige Weise mit Beton und Teer versiegelt wird. Ähnlich verhält es sich bei Drainagen, die das Wasserdargebot um rund ein Drittel nach Niederschlägen erhöhen. Daran sollte man u. a. denken, bevor man auch den letzten Feldweg geteert oder betoniert hat. Der dann nötige Ausbau der Gewässer zur Verhinde- rung des Hochwassers schafft neue und grös- sere Hochwässer in den nächst-grösseren Ge- wässern. Neuere Wege suchen dem Rechnung zu tragen, indem künstliche Rückhaltebecken eingebaut werden, um die Hochwasserspitzen brechen zu können. Dadurch kann das bishe- rige Gerinne oft unverändert belassen werden. 
In Liechtenstein soll in Kürze ein Inventar über den ökologischen Zustand der kleinen Fliessgewässer erstellt werden. Es ist offen- sichtlich, dass unsere Bäche und Gräben durch die Grundwasserabsenkungen im Rheineinflussgebiet, aber auch durch wasser- bauliche Massnahmen, stark beeinträchtigt sind. Aufgrund neuerer Schätzungen dürften rund 34 km Gerinne ganzjährig ausgetrocknet sein. Etwa die gleiche Grössenordnung ma- chen die total verbauten Fliessgewässer aus. Als Faustzahl dürften nur noch um die 10 aller wasserführenden Bäche und Gräben einigermassen naturnah sein. Die Verluste an Wechselbeziehungen zur übrigen Umwelt mit ihren Tieren und Pflanzen ist damit unermess- lich. Teilaspekte dieser Verarmung dürften wir über die in Ausarbeitung befindliche Rote Liste der gefährdeten Gefässpflanzenarten Liechtensteins noch im 1983 erfahren. Rund ein Drittel aller in der Schweiz gefährdeten Pflanzenarten ist feuchtigkeitsliebend. Da- durch sind dort rund 170 Pflanzenarten be- troffen! Das beste ist es sicher, die letzten naturnahen Bäche in ihrem individuellen, lebendigen Aussehen in unserer Landschaft zu erhalten. Was machen wir aber mit unseren vielen trostlosen Abflussgerinnen? Erste Bemühun- gen wurden bereits in Form der verschiede- nen 
Wiederbewässerungen unternommen. Es sei an den kleinen Kanal in Schaan oder den Mühlbach in Ruggell erinnert. Die Wiederbe- 
wässerung ist die erste Voraussetzung für Le- ben im Gewässer. Es ist aber auch möglich, durch gezielte Einzelmassnahmen Verbesse- rungen an regulierten Gewässern zu errei- chen. Ziel wäre es, die Wirksamkeit, der für die Lebensgemeinschaft aus Tieren und Pflan- zen wichtigen Lebensbedingungen zu fördern. Dies kann durch Änderungen am Profil, an der Linienführung, am Gefälle, an der Sohle und weiterem mehr beeinflusst und damit ver- bessert werden. Jede kleine Änderung kann wieder kleine ökologische Nischen schaffen, die besiedelt werden können. Naturschutz-Postulate für Fliessgewässer • Als Übersicht über den ökologischen Zustand unserer Fliessgewässer ist ein Inventar zu erstellen, welches uns im Einzelnen detaillierte Auskunft gibt. • Schutzwürdig erkannte Fliessgewäs- serabschnitte sind gezielt unter Schutz zu stellen. • Inskünftig sollte kein Bach mehr zu- gedeckt werden, im Gegenteil ist zu ver- suchen, wo möglich diese wieder zu öff- nen und zu gestalten. • Wann und wo immer möglich sind regulierte Gerinne wieder zu renaturie- ren, d. h. es sind Verbesserungsmass- nahmen am Gewässer vorzunehmen. • An einem Fliessgewässer sind keine Wasserbau-Massnahmen durchzufüh- ren, ohne dass vorher das Einzugsgebiet und die möglichen Auswirkungen des Eingriffs auf den unterliegenden Raum untersucht sind. • Jeder wasserbauliche Eingriff ist landschaftspflegerisch zu begleiten, was in enger Zusammenarbeit zwischen dem Wasserbau und den Naturschutzstellen zu gewährleisten ist.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.