Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
13
Erscheinungsjahr:
1983
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_13/2/
Aus dem Brief des Indianerhäuptlings Seattle an den Präsidenten der USA aus dem Jahre 1855 «Lehrt Eure Kinder, was wir unsere Kin- der lehren: Die Erde ist Eure Mutter. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespeien sie sich selbst. Denn das wissen wir — die Erde gehört nicht den Menschen — der Mensch gehört der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer Ihr dem Gewebe an- tut, das tut Ihr Euch selber an. Die Luft ist kostbar für den roten Mann — 
denn alle Dinge teilen denselben Atem - das Tier, der Baum, der Mensch — sie alle teilen denselben Atem. Der weisse Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken, wie ein Mann, der seit vielen Tagen stirbt, ist er abge- stumpft gegen den Gestank. Wenn die Büffel alle geschlachtet sind - die wilden Pferde gezähmt — die heim- lichen Winkel des Waldes schwer vom Geruch vieler Menschen — und der An- blick reifer Hügel geschändet von reden- den Drähten — wo ist das Dickicht — fort: wo der Adler — fort, und was bedeutet es Lebewohl zu sagen dem schnellen Pony und der Jagd: Das Ende des Lebens und der Beginn des Überlebens». 
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Luftverschmutzung Mai 1983 Saurer Regen und Liechtenstein? Derzeit sind Millionen von Hektaren Wald in Europa durch die Luftver- schmutzung geschädigt. Eine Abgren- zung zwischen bedrohten und nichtbe- drohten Waldgebieten ist heute nicht mehr möglich. Nachdem die ersten Scha- densmeldungen über versäuerte Seen aus Skandinavien zu uns kamen, hat die «Seuche» jetzt auch auf Süddeutschland übergegriffen, wo es vor allem die Weiss- tanne vehement trifft und wo kaum mehr eine Tanne gesund ist. Wenn die Luftver- schmutzung nicht rasch und nachhaltig reduziert werden könne, werde es unab- hängig vom Standort bald keine Wälder mehr geben, die älter als 30 bis 40 Jahre sind, warnte Prof. Bernhard Ulrich von der Forstfakultät der Universität Göt- tingen. 
wegen bekanntes Exkursionsobjekt. In diesen verseuchten Bergen, in denen kaum mehr ein Vogel singt, kein Tourist spaziert und das Quellwasser ungeniess- bar wird, stehen heute auf Zehntausen- den von Hektaren dürre Holzskelette. Ein ähnliches Schicksal könnte jetzt vie- len deutschen Wäldern drohen. Der ra- sche Zusammenbruch ganzer Waldöko- systeme wird für denkbar erachtet, selbst dann, wenn die Schadstoffmengen sta- gnieren. Bei gleichbleibender Emission nehmen die Schäden konstant zu, weil die «Pufferkapazität» der Böden durch jahrzehntelange Berieselung mit säure- haltigen Niederschlägen so herabgesetzt ist, dass sich heute der Krankheitsverlauf beschleunigt. 186 verdächtigte Stoffe sol- len so gegen den Himmel steigen, darun- 
ter 3,5 Millionen Tonnen Schwefeldioxid alleine aus westdeutschen Schloten, wo- mit man 130 000 Güterwagen füllen könnte. 3,1 Millionen Tonnen Stick- oxide, vorwiegend den Auspufftöpfen der westdeutschen Autos entstammend, ergänzen dieses Horrorszenarium. Unsere Interviews zeigen es, wir haben hierbei in Liechtenstein noch Glück. Wir besitzen Kalkböden zur Abpufferung der herabrieselnden Säuren. Wir besitzen aber auch ungünstige Faktoren, die zu Kumulationen führen können, nämlich unsere winterlichen Inversions-Stau- lagen. Dann hängt unser Luft-Schmutz an der Nebeldecke und kann nicht ent- weichen. Dann wirken sich höhere Werte direkt auf die Vegetation aus. Auch wir sind deshalb aufgerufen, unser «Eigenge- bräu» zu mindern, das allermöglichste gegen die Luftverschmutzung zu tun, zu entschwefeln, wo immer es geht. So z.B. in der konsequenten Anwendung des eigenen Luftreinhaltegesetzes, d. h. u. a. keine Ausnahmen mehr für Verbrennung von schwefelhaltigeren Oelen als Heizöl «extra leicht» (wir haben diese Ausnah- men!). Das renommierte Freiburger Öko-Institut fordert die Politiker auf: «nicht länger schwafeln, sondern ent- schwefeln». Die vielgehörte Aussage «für den Betreiber wirtschaftlich nicht vertret- bar», wäre so unter neuem Licht zu se- hen. Es sind Prioritäten verlangt und eine Priorität hat heute die Rettung des Waldes. Der römische Geschichtsschreiber Taci- tus sagte einst über Germanien, dass die- ses Land durch seine vielen Wälder un- heimlich wirke. Wie unheimlich müsste erst Mitteleuropa ohne Wälder wirken? Wie konnte es überhaupt so weit kom- men? Seite Mitte der 60er Jahre warnen Umweltschützer, aber auch deutsche Forstexperten wie Karl Friedrich Went- zel und Luftforscher Wilhelm Knabe vor der Gefährdung der Wälder durch Luft- verschmutzung. Schon damals ging im Ruhrgebiet nichts mehr mit Nadelbäu- men, das tschechische Erzgebirge war be- reits sichtlich durch den Dunstkreis der Braunkohle-Kraftwerke ruiniert und des-
        

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