Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
13
Erscheinungsjahr:
1983
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_13/13/
Liechtensteiner Umweltbericht Erfreuliches / Unerfreuliches 
Seite 13 Strassenbau — für einmal positiv Anlässlich der Erstellung des Radfahrerweges im Bereich Bendern musste die Kanalbö- schung korrigiert werden. Für einmal entwickeln  sich die Folgemassnahmen dieses Ein- griffes positiv. Es wurde auf die Humusierung der neuen Böschung verzichtet. So kann sich dort über ein Pionierstadium ein Magerrasen ntwickeln. Dämme gelten häufig als wertvolle Le- bensräume aus zweiter Hand. Ein herzliches Dankeschön den zuständigen Behörden, ins- besondere dem Landesbauamt. Schweiz — 28 % der Flora bedroht Die «Rote Liste» der bedrohten und seltenen Gefässpflanzen der Schweiz ist kürzlich veröf- fentlicht worden. Sie umfasst 773 Arten, d. h. 28 % der schweizerischen Flora. 46 Arten sind verschwunden, 213 Arten sind stark ge- fährdet, 261 Arten gefährdet. 194 Arten sind sehr selten und 59 Arten wegen ihrer Attrak- tivität schutzbedürftig. Diese letzte Gruppe ist begehrt als Dekorations-, Heil- oder Nutz- pflanzen. Sie benötigen deshalb Schutz. Un- ter den Gründen für den Rückgang sind die Veränderungen in der Landwirtschaft (Inten- sivierung der Nutzung, Monokulturen, Ver- schwinden der Hecken), das Vordringen der Baugebiete und der Verlust von Lebensräu- men als Folge grosser Eingriffe in die Natur. (Natur-Nachrichten 1/83) Batterierücknahme, Beitrag der Privatwirtschaft zum Umweltschutz Bereits heute werden die Knopfzellen (Quecksilberbatterien) grösstenteils separat gesammelt: Von den 1981 verkauften Batte- rien sammelte man 80 % wieder ein — davon wurden rund 3,5 t Quecksilber wiedergewon- nen. Bei der herkömmlichen Beseitigung der anderen Trockenbatterien gelangen etwa 1000 t Mangan, 810 t Eisen, 600 t Zink, 10 t Quecksilber und 1 t Cadmium in die Kehr- richtverbrennungsanlagen ohne zu verbren- nen! Die in den Batterien enthaltenen Schwermetalle (zum Beispiel Quecksilber, Cadmium, Zink) oder ihre Verbindungen ge- langen in Form von Kehrichtschlacke, Staub oder Rauch wieder in die Umwelt. Sie sind dabei nicht unschädlich gemacht worden. In der Natur umgewandelt, können sie über Pflanzen und Tiere in unsere Nahrungskette gelangen und schwere Schäden verursachen. Die beschriebene Umweltbelastung hat nun eine Reihe von Grossverteilern im Rahmen 
Kurznotizen der Vereinigung «Aktion Saubere Schweiz» (ASS) veranlasst, ein Rücknahmegebot für alle Trockenbatterien zu schaffen. Seit An- fang November 1982 können verbrauchte Trockenbatterien bei folgenden Firmen abge- geben werden: ABM, EPA, Jelmoli, Migros, Oscar Weber, Volg (Stand Oktober 1982). Grundsätzlich sollte der Kunde versuchen, die Batterien im Verkaufsgeschäft zurückzu- geben. Bei der Abgabe von verbrauchten Bat- terien ist zu beachten, dass Quecksilberbatte- rien getrennt von den übrigen Batterien ge- sammelt und nur so der Wiederverwertung (Recycling) zugeführt werden sollten. Aus diesem Grund stehen in den Verkaufsgeschäf- ten in der Regel zwei verschieden grosse Sam- melbehälter zur Verfügung: der kleinere für die verbrauchten Quecksilberbatterien, der grössere für die übrigen. (aus: Wasser, Energie, Luft, 74. Jg. 1982, Heft 11/12) Pflege und Gestaltung Rheindamm 1980 wurde die Pflanzenwelt des liechtenstei- nischen Rheindammes kartiert. Diese Floren- kartierung erbrachte den Nachweis von 271 Pflanzenarten, darunter viele Orchideenar- ten, Alpenpflanzen, Elemente der Unkraut- gesellschaften sowie Neophyten, Pflanzen al- so, die erst in neuerer Zeit bei uns einwander- ten. Aufgrund dieser Aufnahme konnten die schützenswerten Teile des Rheindammes aus- geschieden werden. In ihrer Sitzung vom 1. Juni 1982 erliess die Regierung provisori- sche Richtlinien für die künftige Bewirtschaf- tung des Rheindammes und ersuchte die in- teressierten Kreise um Stellungnahme. Auf- grund dieser nun vorliegenden Vernehmlas- sung erlässt die Regierung definitive Richt- linien für die Bewirtschaftung des Rheindam- mes. Diese sehen vor, dass die aus der Sicht des Naturschutzes besonders wertvollen Flä- chen ohne Düngung und Herbizideeinsatz durch einmaliges Mähen ab September offen zu halten sind. Auf den weniger bedeutungs- vollen Flächen soll versuchsweise ein passives Verwildern innerhalb der zugestandenen Flä- chen toleriert werden. Bei den Kunstbauten sollen Gehölzgruppen zur Einbindung der Objekte in die Landschaft angepflanzt werden. Mit diesem Erlass werden alleine ca. 30 ha Magerwiesen am wasserseitigen Rheindamm erhalten. 
unterhalt. Dort freut man sich wieder über das Blühen, an den Schmetterlingen am Stras- senrand. Dort gedeihen Buschwindröschen, Königskerze und der stattliche Bärenklau. Das vielseitige Nahrungsangebot lockt Tiere an: Hummeln, Eidechsen, Vögel. Dies ermit- telte eine Arbeitsgruppe aus Experten der staatlichen Vogelschutzwarte Essen und der dortigen Strassenverwaltung. Die Hälfte der Schweizer Gemeinden, darun- ter die Stadt Zürich, will ebenso auf den Einsatz von Herbiziden an Strassenrändern, Böschungen und Verkehrsinseln verzichten. Auch die Bienen werden es verdanken. Un- krautbekämpfung mit Chemie ist das grösste Problem der Imker. 85 Prozent der Obst- und Beerenerträge werden aber durch Bienen er- möglicht. Die LGU bat 1981 die liechtenstei- nischen Gemeinden, auf den Herbizideinsatz an Wegrändern zu verzichten. Nicht mit durchgängigem Erfolg, wie uns zahlreiche Te- lefonate an die Geschäftsstelle im Jahre 1982 bestätigten. Ein Beweggrund ist sicher ein gewisses Mass alemannischer Gründlichkeit und Sauberkeit, die an diesen Wegrändern Unordnung sieht. Bald dürfte es wieder losge- hen. Wenden Sie sich dann als umweltbewuss- te Bürger direkt an Ihre Gemeinde. Was an- derswo geht, ist auch bei uns möglich! Mit jeder vernichteten Pflanzenart an Wegrän- dern wird 5-15 wirbellosen Tierarten die Le- bensgrundlage entzogen! Die Geier kehren zurück Auf Initiative des World Wildlife Fund (WWF), der Internationalen Naturschutz- Union (IUCN) und des französischen Um- welt-Ministeriums ist für 1984 die Wiederein- bürgerung des Bartgeiers in den österreichi- schen und französischen Alpen geplant. Der Bartgeier kam einst im ganzen Alpenraum vor. Einen letzten Hinweis für Liechtenstein ist der «Liecht. Tageszeitung» vom Juli 1863 zu entnehmen, wo ausgesagt wird, dass «vor einigen Tagen Jäger Lampert am Triesenberg zwei junge Lämmergeier im Nest erlegt» ha- be. Es ist dies der einzige und recht späte Hinweis auf sein ehemaliges Vorkommen in Liechtenstein. Der Bartgeier gilt seit 1886 in der Schweiz ausgerottet. Das letzte Paar soll 1884/85 bei Vrin im obersten Lugnez im Bündnerland gebrütet haben. Der auch als Lämmergeier verschriene Greif ernährt sich alleinig von Aas, im speziellen von Knochen. In den letzten Jahrzehnten ha- ben die Wildbestände wieder stark zugenom- men, ebenso werden die Alpen wieder stärker mit Schafen bestossen, wodurch sich die Nah- rungsbasis für den Bartgeier wieder verbes- sert. Aus eigener Kraft ist eine Erholung der auf 80 europäische Brutpaare (Pyrenäen, Korsika, Nordgriechenland, Kreta) geschätz- ten Geierart nicht mehr zu erwarten. Dank der Zusammenarbeit von Zoologischen Gär- ten sind 47 Vögel, daruntern 7 fortpflanzungs- fähige Paare, für das Aussiedlungsprojekt be- reit.
        

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