Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
12
Erscheinungsjahr:
1982
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_12/3/
Liechtensteiner Umweltbericht 
Schwermetalle/Schneeräumung 
Seite 3 Fortsetzung von Seite 2 Cadmium gehört nicht zu den lebensnotwen- digen Metallen und ist auch in kleinsten Men- gen in unserer Umwelt und unserem Körper unerwünscht, ja eine Belastung. Unrühmlich Abgase von Kehrichtverbrennungsanlagen müssen gereinigt werden. 
bekannt wurde dieses Metall durch die Itai- Itai-Krankheit in Japan um 1960. Dort führte ein Verzehr von stark cadmiumhaltigem Reis zu zahlreichen Todesfällen, hauptsächlich in- folge einer starken Knochenentkalkung und Skelettschrumpfung. Noch problematischer als vereinzelte akute Vergiftungen ist die un- bemerkte chronische Einnahme von kleinen Mengen dieses Metalls und seiner Verbin- dungen. Das Cadmium ist ein sehr heimtücki- sches Gift. Die Beschwerden seiner chroni- schen Vergiftung machen sich erst nach 10-20 Jahren bemerkbar. Viele Fachleute er- kennen den Zusammenhang zwischen der Ursache und Erkrankung nicht oder lange nicht. Vom Körper aufgenommen, wird Cadmium zu etwa 5 % resorbiert und vor allem in den Nieren und in der Leber gespeichert. Die Ausscheidung erfolgt nur sehr langsam: etwa nach 20-30 Jahren. So wird sich also mit dem steigendem Alter der Körper immer mehr an Cadmium anreichern. Die Folgen können ver- schiedene Nieren- und Herzkrankheiten sein, wie z. B. erhöhte Nierensteinbildung, Ei- weissausscheidung im Blut, ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Arteriensklerose, Anämie, höherer Blutdruck und gewisse For- men von Krebs. Aus Tierexperimenten ist ebenfalls bekannt, dass Cadmium die Infek- tionsabwehr herabsetzt. 
Aber nicht nur der Mensch ist betroffen. Auch andere zum Teil sehr kleine Lebewesen im Boden und in den Gewässern, werden durch dieses giftige Metall getötet oder in ihren na- türlichen Gleichgewichten gestört und ge- schädigt. In der komplexen Problematik des massiven Waldsterbens der letzten Jahre be- trachten Fachleute das Cadmium als einen der mitwirkenden Faktoren. Wir können z. B. die verbrauchten Batterien in die Verkaufsgeschäfte zurückbringen, cad- miumfreie Farben wählen, wenig Phosphat- dünger und cadmiumhaltigen Klärschlamm im Ackerbau verwenden, die Abgase der In- dustriebetriebe und der Kehrichtverbren- nungsanlagen reinigen oder noch besser die Metalle wenn möglich vor der Abfallverwer- tung aussortieren, die Herstellung von Pro- dukten mit dissipativ d. h. fein verteilt verwen- detem Cadmium einstellen (Galvanotechnik, Kunststoffe mit Stabilisatoren, Farbstoffpig- mente) und nur die konzentrierte und wieder- verwertbare Verwendung zulassen (Batte- rien). Und nicht zuletzt generell den Metall- konsum und den Konsum überhaupt etwas reduzieren! Der nächste Winter kommt bestimmt ... Salz ... Der Nutzen des Salzeinsatzes auf Strassen wird in seiner generellen Anwendung immer mehr und überall angezweifelt. Von der Schwarz- wird zusehends auf die Weissräu- mung umgestiegen. Die Salzeuphorie ist vor- bei. Fast jede Vorarlberger Gemeinde wech- selte auf Splitt und Sand. Immer mehr werden in Vorarlberg auch Landesstrassen nicht mehr gesalzen, so im vergangenen Winter in der Kummenbergregion. Es hat sich bewährt. Vielerorts waren die unmittelbaren Strassen- ränder Jahr für Jahr derartig eingepökelt, dass Blumen, Sträucher und Bäume nicht mehr bestehen konnten. Auch in Liechten- stein wurden die Beschlüsse hinsichtlich des Salzens geändert. Regierungschef Hans Brunhart auf Anfrage des Abg. Armin Meier am 29. 9. 1981 im Landtag: «Eine Schwarzräumung erfolgt auf der Strek- ke Schaanwald bis Balzers, also auf der Nord-Süd-Hauptrichtung und auf den Quer- verbindungen 
Vaduz—Sevelen, Schaan- Buchs, Nendeln—Haag. Eine Weissräumung erfolgt auf den übrigen Strecken. Die Verwen- dung von Salz ist auf diesen Strecken nur in Ausnahmefällen gestattet.» Rechtsspruch kontra Naturgesetz? Unbesehen der Schwarz- oder Weissräu- mung entdeckten wir in der Liechtensteini- schen Juristenzeitung vom April 1982 einen «bemerkenswerten» Entscheid des obersten Gerichtshofes in Sachen Amtshaftung der Gemeinden für die Fahrtüchtigkeit ihrer 
Neuerfindung zur 
Streusalz-Einsparung Strassen: Ein Vorarlberger Automobilist gerät auf einer Quartierstrasse in der liechtensteini- schen Gemeinde X auf Glatteis ins Schleu- dern und prallt gegen eine Bruchsteinmauer. Aufgrund der einschlägigen Bestimmungen des Gemeindegesetzes wäre es nach Ausle- gung des Gerichtes Aufgabe der Gemeinde gewesen, diese Quartierstrasse, auf welcher der Kläger verunfallt ist, durch Streuen von Salz, Sand oder durch sonst geeignete Mass- nahmen sowohl für Fussgänger als auch für Fahrzeuge benützbar zu gestalten. In der Tatsache, dass es die Gemeinde unterlassen 
habe, die entsprechenden Massnahmen zu treffen, um die Strasse eisfrei zu halten, sei eine schuldhafte Fahrlässigkeit zu sehen. Mit der gemäss Gemeindegesetz verpflich- tenden Unterhaltung eines Bauobjektes, also hier der Strasse wird wörtlich ausgesagt, dass hiermit «der ordnungsgemässe, dem Zweck der Strasse dienende Unterhalt ge- meint sei. Zum Unterhalt, der den zweckmäs- sigen Gebrauch einer Strasse gewährleistet, gehöre aber auch, dass ihre Fahrbahnen im Winter von Schnee und Eis, zum Beispiel durch Salzen oder Streuen mit Sand geräumt werden. » Fazit: Das Urteil wird wohl juristisch richtig sein. Man will offensichtlich die Gemeinden in ihrer Amtshaftung in die Pflicht nehmen. Aber der Ablauf und die Konsequenzen der juristi- schen Logik frappieren dennoch: Gemeinde- bauwerke sind unterhaltspflichtig (ja!), die Strasse ist auch ein Bauwerk (ja) — also gene- relle Pflicht zum Unterhalt (ja) — überall - nämlich auf 200 km Gemeindestrassen — und in Konsequenz zu jeder Tages- und Nacht- zeit? Dem Wasser ist es demgemäss nicht mehr erlaubt zu frieren. Das Naturgesetz ist auszuschalten. Der Gemeinde wird zugemu- tet, Tag und Nacht Strassenglätte zu kontrol- lieren, dies bei einer Jahreszeit, wo auch der Automobilist sich dem Auftreten von Stras- senglätte bewusst sein müsste! Ist dieser juri- stische Schluss verhältnismässig und ver- nünftig, mit Verlaub gefragt? Besteht nicht so die Gefahr, dass man prophylaktisch wieder auf das Salzen zurückgreift, um nicht wieder in Amtshaftung genommen zu werden und weil es einfach leichter ist?
        

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