Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
12
Erscheinungsjahr:
1982
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_12/2/
Für den Menschen stellt heutzutage die Nah- rung die wichtigste Aufnahmequelle für Cad- mium dar. Es ist in nahezu allen Nahrungs- mitteln nachweisbar. Sehr stark cadmiumhal- tig sind Pilze und einige Muschelsorten, Fi- sche, Leber und Nieren der Schlachttiere (Schwein, Rind, Pferd), weiters Getreide, Kartoffeln und Blattgemüse. In das Pflanzen- innere gelangt, kann es nicht durch Abwa- schen vor dem eventuellen Verbrauch ent- fernt werden. Auch bei der industriellen Ver- arbeitung kann Cadmium in die Lebensmittel gelangen, z. B. in die Butter durch galvanisierte   Milchkannen, in Eiscreme von den Kühlfächern, in Pflanzenöle aus galvanisier- ten Bidons, in Cola-Getränke von den Arma- turen, in Instant-Kaffee-Pulver von den Ma- schinen, in Dosenkonserven aus dem Weiss- blech, in Verpackungsfolien von den Maschi- nen usw. Fortsetzung auf Seite 3 
Seite 2 Schwermetalle November 1982 Cadmium — Ein neues Gift? von Marie Fischer Jedes Lebewesen erzeugt Abfälle. In einem stabilen Ökosystem werden diese Abfälle durch eine gut aufeinander abgestimmte Vielfalt von Arten optimal bewirtschaftet. Diese traditionellen Kreisläufe schaffen es heute ob des unge- heuren Stoffanfalles nicht mehr, die natürliche Abfallverwertung aufrecht zu erhalten, die technische Entsorgung musste eingeführt werden. Heute gehört auch ein hoher Verbrauch von Schwermetallen zu den typischen Merkmalen einer modernen Industriegesellschaft. Da ein grosser Teil der industriellen Produkte zu Abfall degradiert ist, nimmt auch die Problematik von dessen schadloser Beseitigung zu. Durch die heutige Praxis der Abfallverwertung wird der Boden zu einer der wichtigsten Senken für zahlreiche Metalle. So entstehen erhöhte Schwermetallgehalte in der Umgebung von Müllverbrennungsanlagen, im Kompost oder Klärschlamm, der ansonsten ein wertvoller Dünger ist. Cadmium, als eines dieser Schwermetalle neben Quecksilber, Blei, Zink, Chrom und Mangan, ist heute in vieler Munde. Was ist Cadmium, für was wird es gebraucht, was bewirkt es? Fragen, die wir zur Beantwortung an eine Chemikerin weiterleiteten. Frau Marie Fischer, Vaduz, beantwortet für den «Liechtensteiner Umweltbericht» die von uns aufgeworfenen Fragen. Aus ihren Ausführungen dürfen wir schon im Vorspann den Schluss ziehen: der ausschliessliche Gebrauch der Schwermetalle für rezirkulierbare Produkte (z. B. Batterien) könnte die Abfallentsorgung und damit die Umwelt wirksam entlasten. Neben der Reduktion der Schwermetallbelastung verspricht dieses Vorgehen auch eine bestmögliche Schonung der knapper werdenden Metall- ressourcen. Red. Cadmium ist ein silberweisses, glänzendes, weiches Metall. Es kommt in der Natur in verschiedenen Erzen vor, oft als Begleiter von Zink und Blei. Das Cadmium kann dem Streusalz und Seeklima widerstehen und wird deshalb häufig als Korrosionsschutz verwen- det, z. B. für Fahrzeugteile, Schrauben, Eis- aggregate im Kühlschrank, für Lötmaterial zum Löten von Leichtmetallen und nicht zu- letzt als Basismaterial für Nickel-Cadmium- Batterien. Auch seine Verbindungen finden eine breite Verwendung: in Porzellan- und Keramikglasuren, als Farben und Farbanstri- che, Thermo- und Lichtstabilisatoren für Kunststoffe, beim Fotokopieren, in der Foto- grafie, in der Fungizidherstellung und für ver- schiedene militärische Zwecke wie Tarn- anstriche, Leuchtfarben, Leuchtpapier, leuchtende Kunststoffe. In den letzten Jahren hat die Cadmiumverwendung stark zugenom- men. Heute werden auf der ganzen Welt pro Jahr etwa 20 000 t dieses Metalls produziert. Da viele Produkte nach einer bestimmten, of recht kurzen Lebensdauer zu Abfall werden nahm in letzter Zeit auch die Verschmutzunc von Luft, Boden und Gewässern durch dieses Metall stark zu. Die Hauptquellen sind dabei die Cadmiumherstellungs- und Verarbei- 
  tungsprozesse, Verbrennung von Erdöl, Koh- 
  le und Kehricht, Haushalt- und Industrieabfäl-   le, Abrieb und Autoreifen und Phosphatdün- 
  ger. Das Cadmium ist leicht flüchtig und kanr sich in der Luft weit verbreiten. Die Cadmium-   aufnahme des Menschen über die Atemluf 
ist aber in den meisten Fällen recht klein und bedeutet nur in stark belasteten Gebieten eine grössere Gefahr. Das meiste Cadmium landet schlussendlich im Boden, wo die gros- se Problematik erst beginnt. Aus dem Boden lässt es sich nämlich, genauso wie die ande- ren Schwermetalle, nicht mehr entfernen. Zu- sammen mit den Nährstoffen wird es von den Pflanzen durch die Wurzeln aufgenommen. Der pH-Wert (Säuregrad) des Bodens spielt dabei eine grosse Rolle. Die sauren Nieder- schläge («Säureregen») erhöhen aber nicht nur die pflanzliche Cadmiumaufnahme, sie steigern auch die Gefahr seiner Verfrachtung in tiefere Bodenschichten bis zum Grund- wasser.
        

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