Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
12
Erscheinungsjahr:
1982
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_12/14/
Seite 14 Wald November 1982 Weisstannensterben — mysteriöse Krankheit oder Warnung der Natur? 
Fortsetzung von Seite 13 biet, oder als übriges Gemeindegebiet, aber auch als Reservebaugebiet bezeichnet. Auf der Hangterrasse der Maurerwiesen fin- den sich zwei Quellaufstösse mit Hangried- charakter. Der eine findet sich in der Nähe des Schaanwälder Funkenplatzes, der andere oberhalb des Kinderspielplatzes bei einem der Einstiege zum Naturlehrpfad. Der Wasser- austritt muss aufgrund undurchlässiger Schichten im weiteren Hangbereich erfolgen, so dass eine Oberflächenvernässung eintritt. Hier hinein scheinen sich verschiedene Moor- pflanzen aus dem einst reichhaltigen Maurer- riet hinaufgerettet zu haben. So findet sich hier z. B. eine reiche Palette an Orchideen, Wollgräsern, Mehlprimeln, Lungenenzian und Fieberklee. Ein möglicher Einstieg zum Historischen Hö- henweg Eschnerberg kann über Guler-Tils- Fehrengut über den Rennhof zur hinteren Burgruine erfolgen. Dieser Maurer Zipfel, reich durch Feldgehölze wie durch Abtrep- pungen in der Landschaft gegliedert, ist für viele unbekanntes Land. Es bildet die natürli- che südliche Fortsetzung des Gantensteins. Der äussere Teil ist als Freihaltegebiet in der Ortsplanung Mauren ausgeschieden. Judenbüchel, Tilihalde , Kreuzbüchel, Hinter- bühlen, Gupfabühel, Purtscher und Halde heissen die sieben Hügel, das auffallendste Charakteristikum Maurens. In der Eiszeit war auch der Eschnerberg von Gletschereis über- zogen. Beim Zurückgehen des Rheinglet- schers staute sich das Eis am Südrande und lagerte dort reichlich Moräne ab. Die Schot- terhügel, in der Fachsprache Drumlins ge- nannt, wurden so vom fliessenden Eis geformt und treten in fächerförmiger oder paralleler Anordnung in Richtung der Eisbewegung auf. Von dieser schönen Glaziallandschaft im Zungengebiet des Rückzugsstadiums des Rheingletschers sollten auch nicht überbaute Hügel erhalten bleiben. Vom Aspekt der einstigen Riedlandschaft sind nur noch kleine Reste im Wisanels oder bei den Birken verblieben. Auch von der Torfstichzeit bestehen nur noch wenig Reste, etwa im «Untermahd». Die grosse Ebene wurde vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg entleert. Seit 1958 werden auch im Maurerriet wo möglich wieder Flurgehölze angepflanzt. Sie wirken als Windschutz und tragen damit zur Klimaverbesserung bei, stärken den Na- turhaushalt, indem sie für Tiere und Wild- pflanzen Nist- und Deckungsraum bieten und lockern das Landschaftsbild auf. Das Flurge- hölznetz soll im Zuge der geplanten Neudrai- nagen einer Überprüfung unterzogen und wo noch nötig erweitert werden. 
Schon seit mehreren Jahren wird festgestellt, dass vor allem ältere Weisstannen in recht kurzer Zeit absterben. Vor allem die Maurer Bauwälder sind von diesem Phä- nomen nicht verschont. Ist es der vielzitierte «Saure Regen», der hier zuschlägt? Sicher ist, dass Die Ursache des Tannensterbens sind der- zeit allerdings noch ungenügend erforscht. Deren Absterben dürfte eine Palette von Gründen haben. Auffällig ist, dass die Weiss- tanne zuerst ausserhalb oder in Randgebie- ten des natürlichen Tannenvorkommens ab- stirbt. Das sind zu trockene Lagen, z.B. auf Rüfeschuttkegeln, oder Lagen unterhalb 800-1000 m ü. M. wie am Maurerberg. Es ist verständlich, dass Baumarten ausserhalb ihres Optimums eher von Aussenwirkungen geschwächt und getroffen werden können. Die optimalen Weisstannengebiete scheinen vom Tannensterben noch verschont zu sein. Typisch für den Beginn der Erkrankung ist das Einstellen des Höhenwachstums und das Abwerfen älterer Nadel-Jahrgänge. Die Be- nadelung wird immer schütterer, die Resi- stenz gegen den Mistelbefall wird schwächer und am Baumschaft bilden sich oft sogenann- te Wasserreiser. 
vor allem Nadelgehölze auf Schwefeldioxide 
und weitere Schadstoffe in der Luft besonders empfindlich sind. Gerade die Weisstanne steht hier an vorder- ster Stelle und könnte als Warn- licht für einen zu hohen Schad- stoffgehalt in der Luft gelten. Das Tannensterben gibt europaweit zu Sorge Anlass. Wurde die Tanne als Schaftholzart bereits durch die Kahlschlagwirtschaft um die vergangene Jahrhundertwende stark redu- ziert, haben überhöhte Wildbestände nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Verbiss kaum mehr natürliche Verjüngungen aufkom- men lassen. Jetzt tritt neu das Phänomen der Luftverschmutzung dazu. Die Weisstanne nimmt dabei in Liechtenstein in vielen Lagen waldbaulich, ertragsmässig und für den Bo- denschutz eine hervorragende Sonderstel- lung ein, die von der Fichte nie kompensiert werden könnte. Zur Kontrolle der Luftver- schmutzung besteht u. a. über ganz Liechten- stein ein Beobachtungsnetz, wo jährlich Na- delproben auf Schadstoffe analysiert werden. Über diese Form der biologischen Kontrolle und die Ergebnisse soll in einer der kommen- den Ausgaben des «Liechtensteiner Umwelt- berichtes» näher eingetreten werden.
        

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