Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
12
Erscheinungsjahr:
1982
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_12/12/
Seite 12 Naturschutzgebiete 
November 1982 Naturschutzgebiete im Maurerriet von Hanno Meier Über die Naturschutzgebiete in Mauren zu berichten, ist eine er- freuliche Aufgabe, denn ich weiss aus vielen Gesprächen und Sam- melaktionen, dass die Bevölke- rung Maurens engagiert und tat- kräftig dahintersteht. Die folgen- den Zeilen mögen eine Rück- schau, Bestandesaufnahme und Zielsetzung sein. Wenig ist übrig geblieben von der ehemaligen Riedlandschaft mit den weiten Streuefeldern, den Froschtümpeln und Torfstichen, den Schwertlilienfeldern, so wie sie unsere Eltern noch erlebten. Erschreckend leer sind die Wiesen und Äcker an Pflanzenarten, wenn wir mit den Bestandesaufnahmen von Prof. Murr (t 1932) vergleichen. Geblieben sind im wesentlichen noch drei kleine Gebiete, die wie Inseln in einer technisierten Landschaft stehen. Die «Birka» mit ca. 3385 Klaftern, «Wisa- nels» mit 850 Klaftern und bei den «Küferlis- Löchern» mit 2784 Klaftern. Rund 7000 Klaf- ter (= 2,5 ha) sind ein äusserst kleiner Rest der früheren Riedflächen, wie sie zwischen Eschnerberg und Maurerberg lagen. So taucht die Frage auf, ob man diesen Rest nicht auch noch drainieren und umpflügen sollte!? Ich glaube, gerade an diesen Beispielen zeigt sich, wie Naturschutz sinnvoll und wirksam eingesetzt wird. Diese paar Klafter Riedbo- den bedrohen keine Bauernexistenz, und sie zu erhalten ist weder technisch noch finanziell ein schwerwiegendes Problem. So bleibt die moralische Verpflichtung unbestritten, diese Insel des Überlebens zu sichern. Die «Birka» ist das grösste Gebiet der ge- nannten Lebensräume. Hier gedeihen die ver- schiedensten Kräuter, Büsche und Bäume. Vor allem das Wahrzeichen, die Birken, wachsen hier häufig und in prächtigen Exem- plaren. Man findet Seltenheiten wie: purpur- roter Mauerpfeffer, übersehener Wasser- schlauch, Wasseraloö, Seerosen, ja sogar Pa- rasolpilz und Maronenröhrlinge. Diese Viel- falt von Pflanzen bringt auch eine bunte Welt von Insekten, Vögeln und Kleinsäugern mit sich. In die «Birka» wurde am meisten Arbeit und Geld investiert, um die Naturlandschaft wie- der herzustellen. So denke ich an die Entrüm- pelungsaktionen, den Bodenerwerb und den Aushub zweier Gewässer: ein kleines Kalt- wasserbiotop und ein grösserer Seichtwasser- weiher. Die Bedeutung dieses Gebietes ist so 
anerkannt, dass eine namhafte schweizerische Stiftung für Naturschutz wissenschaftliche Be- rater und einen grösseren Geldbetrag zur Verfügung stellte. Leider wurde die Gelegenheit verpasst, bei den «Küferlis-Löchern» eine Restwasserflä- che zu erhalten, die mit Wasserlinsen bedeckt einen letzten grösseren Laichplatz für Erdkrö- te und Grasfrosch mit Einzugsgebiet bis Mau- rerberg bot. Diese Tümpel wurden im Natur- «Bei den Birken» schutzgutachten von 1977 als schützenswert erklärt, heute, nach fünf Jahren, sind sie übererdet und verschwunden! In letzter Mi- nute konnte noch ein kleines Gebiet westlich der Strasse mit ca. 2700 Klaftern eingezäunt werden. Ich hoffe, dass die seichten Grund- wasserstellen dieser Riedwiese wieder als Laichplatz angenommen werden. Sie müssten allerdings etwas eingetieft werden, um nicht zu schnell auszutrocknen. Einsichtigen Grundeigentümern kann nicht genug gedankt werden, wenn sie dazu beitragen, solche Überlebensinseln zu schaffen. 
«Wisanels» heisst das zweite, rechtlich gesi- cherte Naturschutzgebiet im Maurerriet. Ab- seits, unmittelbar an der österreichischen Grenze gelegen, zaubert diese Streuewiese jeden Frühling etwas von der Farbenpracht der früheren Schwertlilienfelder hervor. Es sind etwa 20 Jahre vergangen, als ich mich einmal öffentlich gegen das Pflücken von Iris, Akelei und anderen Feldblumen wehrte, die zur Dekoration von Strassen und Plätzen bei Prozessionen verwendet wurden. Damals wa- ren sie noch häufig anzutreffen, heute, nach zweimal 10 Jahren sind sie ein Relikt aus alter Zeit! Nebst den drei genannten Gebieten müsste man zur Vervollständigung den Rüttiweiher (1,61 Kl.) in Schaanwald und die verschiede- nen gepflanzten Windschutzstreifen dazu- zählen. Zieht man Bilanz, so mutet das Ergebnis äus- serst bescheiden an. Drei Oasen von insge- samt 7000 Klaftern in einer monotonen «Kul- turlandschaft», das ist alles! Dabei dauerte der Schrumpfungsprozess knapp 50 Jahre. Niemand kann das Rad der Zeit zurückdre- hen, doch es gilt mit allen Mitteln das Wenige zu erhalten und zu pflegen. Allein durch ihre Kleinheit sind selbst diese Gebiete bedroht, sie liegen sozusagen unter dem Existenzmini- mum. Wenn aus Unvorsichtigkeit an der Um- grenzung von «Wisanels» Dünger gestreut oder Jauche versprüht wird, ist es um dieses Juwel geschehen. Es braucht nicht gedüngte Pufferzonen um die Naturschutzgebiete! Ich glaube wir sind im Gewissen verpflichtet, unseren Nachkommen Zeugen, Dokumente unserer ehemals vielfältigen Riedlandschaft zu erhalten. Keiner ist berechtigt, aus Eigen- nutz oder Interesselosigkeit Dutzende von Pflanzen und Tierarten in unserer Region aus- zurotten. Noch eine letzte Bemerkung sei erlaubt. Na- turschutzgebiete sollten zur Hauptsache - ausser der Nutzung der Streuewiesen — sich selbst überlassen bleiben. Sie wirken daher ungepflegt, verwildert und ärgern vielleicht allzu verstädterte Dorfbewohner. Dem kann man entgegenwirken, wenn man das Auge an Naturwiesen, Naturhecken und einheimische Büsche und Bäume gewöhnt. Doch — wem sage ich das! Ich bin überzeugt, dass die Mau- rer weiterhin so positiv und engagiert einge- stellt bleiben wie bisher.
        

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