Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
11
Erscheinungsjahr:
1982
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_11/11/
Liechtensteiner Umweltbericht Erholung Seite 11 dank seiner Fliessgeschwindigkeit und der wechselnden Strömungsverhältnisse ein Raum des Abenteuers geblieben. Unsere  Pontoniervereine erproben darauf ihre Ge- schicklichkeit und ihren Mut, und unsere Kin- der lernen im Wechsel von Kiesbank und wild fliessender Strömung Gefahren abzuschät- zen. Noch ist das Rheinbett ein Gelände, in dem aggressionsbeladene Steinwürfe folgen- los bleiben, und der beglückende Urschrei als Konkurrenz zum Wassergetöse nicht als stö- rendes Kindergeschrei abqualifiziert wird. Noch liefert der Rhein den notwendigen Reichtum an flachen Stellen, um das elegan- te Spiel des Schieferns zu betreiben und sich am ästhetischen Vergnügen des schwerelos dahinhüpfenden Steines zu erfreuen. Zur Dynamik gehört auch das «Sanholze» oder 
Rhiholze», das Aufbringen der oft bizarren Holzstrünke aus den Bündner Wäldern, frü- her ein willkommener Brennholzzustupf, heu- te ein bei den Jugendlichen beliebter, durch Wagemut gerechtfertigter Akt der Aneignung herrenlosen Gutes und zugleich anschauli- cher Beleg für die zerstörerische Gewalt un- serer Bergbäche. Zwischen den Dämmen lässt sich aber auch das Eingebettetsein in die vier Naturelemente erleben. Die Sandbank als Lagerplatz mit Feuerstelle, dem kühlenden Nass nahe, der potenzierenden Sonnenwärme ausgesetzt, all dies lässt uns ein lebensnotwendiges Quentchen Robinson'scher Freiheit empfin- den. Wo könnte man sich zudem eine faszi- nierendere Einführung in die Geologie den- ken, als am Rheinufer, wo die Vielfalt der Gesteinsformen und -farben die Fragen nach der Herkunft, Zusammensetzung, Härte und damit nach der formenden Kraft der Natur aufwirft? Die Erosion als Naturkonstante fin- det im Nebeneinander des wild treibenden Wassers und des geruhsam abgelagerten Gerölls ihren sprechenden Ausdruck. Schliesslich ist der Rhein auch der topogra- phische Gestalter unsers Tales. Er hat in Jahrtausenden die weiten Ebenen geschaf- 
Schiefern am Rhein — ein typisches Buben- vergnügen fen, die seine Bewohner heute als Ergebnis unablässiger Auseinandersetzung mit den Elementen für sich nutzbar gemacht haben. Noch bezeugt der mächtig oder gemächlich strömende Alpenfluss seine ursprüngliche Gestaltungskraft. Als Kette von fünf Stauseen würde ihm aber auch diese letzte noch mögli- che Aussage zu seiner geschichtsträchtigen 
Wirksamkeit genommen. Das Rheinmuseum auf Schloss Werdenberg wäre dannzumal der einzige Ort, wo in anschaulicher Abstrak- tion auf Plänen, Reliefs, Photographien und Tonfilmen gedanklich all das nachvollzogen werden kann, was heute eine nachmittägliche Rheinbettexkursion hautnah zum Erlebnis werden lässt. Und wohl nicht zufällig ist bei Eröffnung des Rheinmuseums der mahnende Ausspruch gefallen, dass der Rhein in der Vergangenheit eine Gefahr für den Men- schen bedeutet habe, heute jedoch der Mensch eine Gefahr für den Rhein darstelle.
        

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