Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
11
Erscheinungsjahr:
1982
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_11/10/
Seite 10 
Grundwasser / Erholung Juni 1982 die sich in der Betriebsphase allmählich wie- der abflacht und zu noch schlechteren Bedin- gungen als heute führen könnte. Derzeit bestehen im Rheineinflussgebiet 30 Wasserpumpstationen, davon 11 öffent- liche 
Trinkwasserpumpstationen. Alleine in Liechtenstein werden an einem Normal-Ver- brauchstag rund 25 000 m3  zu Trink- und Verbrauchszwecken dem Grundwasser ent- nommen. Ohne jede Aufbereitung kann die- ses Grundwasser direkt ins Trinkwasserver- sorgungsnetz abgegeben werden. Bei der in Frage stehenden langfristigen Gewährlei- stung der Anreicherung des Grundwassers durch Rheinwasser stellen sich nun qualita- tive wie quantitative Probleme. Müssen allenfalls Schleusen in den Dämmen vorgesehen werden, um durch landseitige Kanäle das Rheinwasser versickern zu las- sen, so wird auch dieses Wasser mit Schwebstoffen belastet sein. Dadurch müss- te ebenso eine Abdichtung dieser Sickergrä- ben erfolgen und damit nimmt auch die Grundwasseranreicherung ab. Zur Erreichung langzeitlich funktionierender Versickerungen wäre so eine vorherige Auf- bereitung notwendig, was in den Dauerpha- sen sehr aufwendig werden müsste. Das aus der Stauhaltung ausströmende oder mittels künstlicher Versickerung zur Grundwasser- anreicherung verwendete Rheinwasser wird qualitativ schlechter sein als das heute natür- lich filtrierte Rheinwasser, und zwar durch geringere Selbstreinigungskraft und durch Sauerstoffzehrung in den Stauräumen. Auch für die Wasserwerke der Unterlieger könnten sich allenfalls gravierende Folgen zeigen. Der Rhein besitzt zum Umfeld komplexe Wechselbeziehungen. Kann man zum voraus genügend genaue Prognosen über allfällige Anderungen machen? Darf das langfristig mögliche Risiko für das Gleichgewicht im Landschaftshaushalt im Vergleich zum mög- lichen 
Energiegewinn in Kauf genommen werden? Die Grundwasserfrage könnte zum Prüf- stein des Projektes werden. 
• Der Alpenrhein ist ein wildes, un- berechenbares Fliessgewässer ver- blieben, das sich immer wieder an- dersartig als vorausgesagt verhalten hat. • Die Wasserkraftnutzung am Al- penrhein ist bei den herrschenden Wechselbeziehungen zum umgeben- den Grundwasser in unserem breiten Tal weitaus problematischer als an- derswo. • 
Es bestehen viele offene Fragen im Zusammenhang mit dem Verhal- ten der Sedimentfracht, der Abdich- tung der Rheinsohle und den mög- lichen Folgen einer Einbusse für Qualität und Quantität des Grund- wassers. • 
Die Auswirkungen eines Rhein- kraftwerkes können nicht isoliert für die Region betrachtet werden, son- dern sind stark von Massnahmen auf dem oberen Rheinabschnitt abhän- gig, haben aber auch ihrerseits wie- der Auswirkungen auf den Flussbau, das Grundwasser und die Fischerei unterhalb der geplanten Werke. Der Rhein als Naherholungsraum Zivilisation ist Ausdruck des menschlichen Bedürfnisses nach Ordnung, Funktionstüch- tigkeit und rationeller Nutzung unter der Ziel- setzung der Wohlstandssteigerung. Dadurch sind immer weniger geschlossene Naturräu- me verblieben, in denen die der Natur eigen- tümliche Ordnung und Gesetzmässigkeit herrscht. In diesem spannungsreichen Ver- hältnis von Zivilisation und Natur beginnt der heutige Mensch das Defizit an Naturbezug immer stärker zu empfinden. Der Wunsch 
nach Naherholungsräumen mit möglichst ur- sprünglichem Erlebniswert ist ein legitimes Kind unseres zivilisatorischen Tuns. Für den Rheintaler hat der Rhein bei aller Bedrohung seiner Existenz die Kraft und Dy- namik der Natur äusserst anschaulich darge- stellt. Der Fluss barg seine Risiken und Ge- fahren, bedeutete aber zugleich auch prägen- de Herausforderung; diese Herausforderung haben Generationen als massgebende Di- mension ihres Lebens begriffen. Auch der heutige Rhein, gezähmt durch Dämme, ist
        

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