Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1982
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_10/7/
Zwei Mitglieder des LGU-Vorstandes haben den Schaaner Landwirt Richard Schierscher besucht. Herr Schierscher ist 32jährig, verheiratet, Vater von zwei Kindern und stammt aus einer alten Schaaner Bauernfamilie. Sein Vater bewirt- schaftete einen herkömmlichen Familienbetrieb im Dorf. Richard Schierscher ist in den letzten Monaten viel zu Umweltfragen, mehr oder weniger korrekt, zitiert worden. Er hat in öffentlichen Funktionen klare Aussagen und Forderun- gen zu Umweltfragen abgegeben. Die Liechtensteinische Gesellschaft für Umweltschutz setzt sich ihrerseits seit einiger Zeit mit den Belangen der Landwirtschaft aus der Sicht des Umweltschutzes auseinander. Die LGU meint, dass verschiedene Entwicklungen einer industrialisierten Form der Landwirt- schaft in ihren Gunstlagen in eine Sackgasse führen. Richard Schierscher hat sich auch einige Male zu Fragen einer naturnahen Landwirtschaft geäussert. Die LGU wollte von ihm wissen, wie seiner Meinung nach dieses Ziel konkret erreicht werden könnte. 
Seite 6 Naturnaher Landbau April 1982 Futtergetreide. In den Ställen stehen durch- schnittlich 220 Masttiere, welche wir während 13-14 Monaten mästen. Als Ergänzung zum Hauptfutter Silomais wird noch eine Kraftfut- termischung zugefüttert. LGU: Wo sehen Sie Ihren Ansatz für kon- krete Änderungen in Richtung eines alter- nativen Landbaues? R. 
S.: Ich möchte meine Antworten auf weni- ge aber praktische und aktuelle Änderungen in meinem Betrieb einschränken. Es ist im übrigen erfreulich, dass andere Landwirte ebenfalls Verbesserungen in Richtung ge- sunde Pflanzen und gesunde Tiere einführen. Da die jungen, zugekauften Kälber krank- heits- und stressanfällig sind und in gelegent- lichen Fällen auch Krankheiten einschleppen, habe ich einen getrennten Tiefstreustall ein- gerichtet, sozusagen als Quarantänebox. Als betriebliche Massnahme werde ich im Mast- stall pro Mastbox weniger Tiere einstellen, so dass noch mehr Bewegungsfreiheit vorhan- den ist. Grundsätzlich bin ich aber auch heute zufrieden, da unter anderem die Gewichtszu- nahmen über dem Durchschnitt liegen, was nur bei gesunden Tieren und einem gesun- den Stallklima möglich ist. Eventuell werde ich im Herbst als Versuch einige Weidetiere zur Mast einstellen und ent- sprechende Erfahrungen zur Futterverwer- tung sammeln. Was die bewirtschaftete Flä- che resp. die Fruchtfolge anbetrifft, werde ich die Ackerfläche des Silomaises zugunsten von Getreide/Futtergetreide leicht reduzieren. Hauptdünger auf meinem Betrieb ist Flüssig- mist aus dem Maststall. Bisher verwendeten Kunstdünger werde ich dosierter und geziel- ter einsetzen, auch reduzieren. Die Hauptän- derung wird der Versuch von Untersaaten im Silomais auf einigen Parzellen darstellen. Diesbezügliche Versuche sind z. B. in der Schweiz schon mit Erfolg durchgeführt worden. LGU: Herr Schierscher, es dürfte einen grösseren Personenkreis in Liechtenstein interessieren, was Sie konkret auf Ihrem Hof in Richtung naturnäherer Landwirt- schaft machen. Sie bewirtschaften hier in der unteren Au in einer landschaftlich schönen Gegend einen recht grossen Hof. Können Sie uns diesen Hof kurz vor- stellen? R. 
S.: Unser Aussiedlerhof ist in den Jahren 1974-1976 erstellt worden. Mit der Aussied- lung wollten wir uns den neuen Herausforde- rungen der Landwirtschaft stellen, d. h. hauptsächlich noch kostengünstiger produ- zieren. Schon die frühere Generation hat auf die seinerzeitigen Herausforderungen rea- giert. Ich denke dabei an die Intensivierung der Milchwirtschaft, an den Ausbau des Feld- gemüseanbaus, an die Mechanisierung. Ich betreibe hier ganz klar eine konventionelle Landwirtschaft, mit allen betrieblichen und volkswirtschaftlichen Vor- und Nachteilen. Auch ich habe von der bisherigen Landwirt- schaftspolitik profitiert. LGU: Mit welchen Kennzahlen kann Ihr Betrieb kurz beschrieben werden? R. 
S.: Wir bewirtschaften ca. 28 Hektaren, davon 19 Hektaren Silomais, 4 Hektaren Wie- sen, 3 Hektaren Karotten und 2 Hektaren 
LGU: Wieso Untersaaten? R. 
S.: Beim konventionellen Silomaisanbau mit chemischer Unkrautbekämpfung bleibt der Acker während sieben bis acht Monaten des Jahres unbedeckt. Dies bedingt, mehr oder weniger einen Zerfall der Bodenstruktur, einen Humusabbau, eine Auswaschung von Nährstoffen. Untersaat heisst auf meinen Be- trieb bezogen, ein Gemisch von Kleearten, ausgewählt nach der Struktur des Bodens. Die Untersaat soll den Mais nicht konkurren- zieren und wird bei ca. 20-30 cm Maishöhe nach dem Hacken eingesät. Ich erwarte mir dadurch folgende Vorteile: Die Untersaat wird die Bodenfruchtbarkeit erhalten oder verbes- sern. Die Durchwurzelung des Bodens ver- bessert die Bodenstruktur und die biologische Aktivität, auch die Tragfähigkeit für die Ernte wird verbessert. Als weitere Vorteile sind zu nennen: Durch Klee (Leguminosen)-Unter- saaten wird Stickstoff und organische Sub- stanz (Gründünger!) gebildet. Ebenso wer- den die üblichen Unkräuter, auch die späten Unkräuter, auf einfache, naturgemässe Art bekämpft. Lesen Sie bitte weiter auf Seite 7
        

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