Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1982
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_10/3/
Liechtensteiner Umweltbericht Artenschutz Seite 3 mes abhängig. Er muss Deckung und vielfäl- tige Nahrung zu jeder Jahreszeit bieten. In einer vielfältigen Kleinfeldlandwirtschaft war dies der Fall, hingegen nicht in der durch Monokulturen geprägten Landschaft. Der ge- genwärtige Trend in der industrialisierten Landwirtschaft ist der grösste Hasenfeind. Die Zersiedelung und die Aufinselung der Landschaft durch Verkehrsadern und Über- bauungen spielen ihm ebenso übel mit. Wer- den die geeigneten «Hasen-Inseln» zu klein, ist auch der Fortpflanzungs-Erfolg in Frage gestellt. Der Hasenbestand kann von Jahr zu Jahr durch viele Faktoren, vor allem der Witte- rung, stärkeren Schwankungen unterworfen sein. Seit etwa 25 Jahren gehen die Hasenbe- stände in Liechtenstein, gemessen an den Ab- schusszahlen, ständig zurück. Die Entwick- lung eines Hasenbestandes lässt sich trend- mässig an diesen Abschusszahlen abschätzen. Betrachten wir die Statistiken seit 1925, so ist ein Hasenboom in den Jahren 1941-48 fest- zustellen, was sich in einem vermehrten Ab- schuss niederschlägt. In diesen Zeitraum fal- len Perioden milder Witterung, wie übrigens auch in den Jahren 1974 und 1975. Bei der Aufteilung von «Berg-» und «Talhasen» ist die Interpretation besonders günstig darzu- stellen. Während sich die Population der am Rande der Existenzmöglichkeiten lebenden «Berghasen» über Jahrzehnte ungefähr gleich hält, sind im Tale, wo sich stärkere Land- schaftsveränderungen im Verlaufe der Jahr- zehnte einstellten, Abnahmen deutlich er- sichtlich. Dieser Rückgang ist demnach auf Eingriffe des Menschen in den Lebensraum des Hasen zurückzuführen. Der Hase erweist sich damit als wichtiger Anzeiger für Umwelt- veränderungen. Er ist ein sogenannter Bio- indikator, der uns anzeigt, wie es um unsere Umwelt steht. nen Landwirtschaft. Verbesserungen können deshalb nur über die Landwirtschaft erreicht werden. Die Vielfalt an Futterpflanzen und Deckungen für den Feldhasen in der intensiv genutzten, einförmigen Kulturlandschaft ist über die Anlage von kleinen, ca. 5 a grossen Wildäsungsflächen in Feldgebieten im Ab- stand von 200-400 m zu erreichen. Flurgehöl- ze bieten hierfür eine günstige Ergänzung, insbesonders auch als Deckung. Diese Aussa- gen decken sich mit den Angaben verschiede- ner Ökologen, die fordern, dass in der Land- wirtschaft ca. 10 % weniger intensiv bewirt- schaftet werden sollen. Diese Austausch- und Regenerationsräume, z. B. nicht gedüngte Flächen wie Ried, Trockenrasen, Raine, Flur- gehölze, kommen auch dem natürlichen Zir- 
kulationsprozess in der Landwirtschaft zugute. Die Hege des Feldhasen darf sich demnach nicht nur auf die Anlage von sog. Wildäsungs- flächen beschränken. Es gilt auch alle weite- ren Verschlechterungen der Lebensräume durch weitere Eingriffe wie Flurbereinigun- gen oder Verkehrsplanungen im Auge zu be- halten. Jede weitere Verinselung der Lebens- räume des Feldhasen trifft nicht nur ihn, son- dern die meisten wildlebenden Tiere und Pflanzen. Es geht deshalb nicht nur um den Feldhasen, es geht um weit mehr. Aber er mag uns als Indikator ein Beispiel unserer dramatischen Umweltverschlechterung sein, aus der es gilt, die nötigen Schlüsse zu ziehen. Meister Lampe möge leben und wir langfristig mit ihm!
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.