Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1982
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_10/2/
Seite 2 Artenschutz April 1982 Viele Hunde sind des Hasen Tod Meister Lampe tritt uns sympathisch als Osterhase entgegen, er bringt die Eier als Symbol der Frucht- barkeit. Mit der sprichwörtlich bekannten Vermehrungsrate des Hasen scheint es allerdings bei uns eher vorbei zu sein. Viele Hunde sind des Hasen Tod, heisst ein bekanntes Sprichwort. Zu den tradi- tionellen «Hunden», den Raubfeinden, der Jagd, den Parasiten und Krankheiten sowie dem schlech- ten Wetter sind neue hinzugekommen: Überbauung, Strassenbau, Pestizide, Monokulturen, das Aus- räumen der Landschaften. Man nennt jemanden, der sich in jeder Situation zu behaupten weiss, einen «alten Hasen». Wird uns diese sprichwörtliche Symbolfigur erhalten bleiben? Der Feldhase — ein Steppentier Der Hase verdankt seine europäische Ver- breitung — so eigenartig es tönen mag — dem Menschen. Der Feldhase ist ursprünglich ein Steppentier und wanderte wahrscheinlich nacheiszeitlich von Südosten her in die damals baumlosen Gebiete unserer Breiten ein. Der später wieder einwandernde Wald drängte den Hasen aber wieder ab, denn zu prähistori- scher Zeit scheint er bei uns nicht vertreten gewesen zu sein. Grabungen auf Gutenberg- Balzers, aber vor allem auf dem Lutzengüetle und Borscht am Eschnerberg bringen als be- jagte Tiere Knochen von Biber, Elch, Bär, Steinbock, Ur und Wisent ans Tageslicht, je- doch nichts vom Hasen. Erst in den letzten 1000 Jahren wurde durch die Ausbreitung der Landwirtschaft — mit Feuer und Axt — auch der Hase wieder gefördert, denn er ist an steppenähnliche, waldarme Landschaften am besten angepasst und bevorzugt zudem relativ warmes und trockenes Klima. Diese nun wie- der offen werdenden Flächen sagten dem Feldhasen zu, die Dreifelderwirtschaft bot dem Hasen jahrhundertelang viele beliebte Äsungspflanzen. Der Hase ernährt sich von Gräsern, Kräutern und Kulturpflanzen. Wichtige Äsungspflan- zen bilden die sog. Unkräuter wie Wegerich, Vogelmiere, 
Hahnenfuss, Hirtentäschel, Gänseblümchen neben Kohl- und Rüben- arten, Gräser, Löwenzahn und Wintersaaten. Untersuchungen zeigen, dass der Hase klein- flächige und artenreich genutzte Wiesen, Weiden, Äcker einschliesslich Wintergetrei- de, bei der Äsung bevorzugt. Die Ernährung 
durch Wildfutterpflanzen scheint hierbei ein entscheidender Faktor zu sein. Der Hase be- gnügt sich demnach nicht mit den häufig vor- kommenden Kulturpflanzen, sondern er liebt die Abwechslung, d. h. er ist ein ausgespro- chener Feinschmecker. gel, dass Raubfeinde kaum je am Rückgang eines Beutetieres schuld sind, macht auch der Hase keine Ausnahme. Er kennt ein beson- ders geeignetes Mittel zum Überleben: die Flucht. 
Mit Geschwindigkeiten bis zu 
Viel entscheidender als die genannten dezi- mierenden Faktoren erscheinen die limitie- renden zu sein. Sie setzen bei der Lebens- raumbeengung ein. Dort, wo sich der Hase einmal niedergelassen hat, bleibt er sein Le- ben lang. Obwohl er in kurzer Zeit grosse Strecken zurücklegen kann, ist er sehr orts- treu. Die Grösse eines Aktionsraumes liegt bei 300 ha, wobei nur ein Kerngebiet von 10-20 ha vom gleichen Hasen regelmässig genutzt wird. Mit der Standortstreue wird der Hase stark von der Qualität dieses Lebensrau-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.