Herausgeber:
Liechtensteiner Umweltberichte
Bandzählung:
10
Erscheinungsjahr:
1982
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000037232_10/11/
Liechtensteiner Umweltbericht 
Heimatschutz Seite 11 den mischen und seine Werte respektieren. Als Beispiel kann sicher das Triesner Ober- dorf gelten. Wenn wir gute Wohnmöglichkeiten in der Dorfmitte schaffen möchten, bleibt die Frage offen, ob und wie Neubauquartiere «dörf- licher» werden können. Wie kann z. B. das Gapetsch oder Neugut eine Art «Schaaner Charakter» bekommen und seinen Bewoh- nern eine verstärkte Identifizierung ermög- lichen? 
Man kann nachträglich und besonders bei zu- künftigen Erschliessungen eine Art Quartiers- mitte gestalten. Eine Mitte kann ein Platz mit Bäumen sein, ein Kindergarten oder Spiel- platz, dazu vielleicht ein Brunnen. Ein Platz der Ruhe, eine Ecke für die Älteren und auch für die Jungen. Dies kann eine kleine Fläche, entsprechend gestaltet, in einem Neubau- quartier bieten. Strassen können wohnlicher sein oder sogar teilweise durch eine Art Hof- system abgelöst werden. Fussgängerwege können mehr Bedeutung haben und unabhän- giger von Strassen geführt werden. Ansätze dazu gibt es im Dorf schon, aber man kann noch weiter machen. Es bedarf noch vieler Anregungen, um das Dorf lebenswerter zu gestalten. Auch hier müssen Bauordnungen lockerer werden, sture Normen verhindern das Leben. Alte Häuser beispielsweise stehen oft direkt an der Strasse, neue hingegen müssen vier Meter Minimalabstand haben. Nicht überall stört ein Haus am Strassenrand die Verkehrs- übersicht. Gab es früher Hausabstände von einem halben Meter, so müssen es heute sie- ben Meter sein, ob es nachteilig ist oder nicht. Es ist natürlich schwer, hier zu erlauben und dort zu verbieten, trotzdem scheint es mir an der Zeit, wieder lebendiger zu werden. Wir müssen vielleicht über viele festgelegte Werte springen, um die Dörfer wieder wohnenswer- ter zu machen. Aber lohnen würden sich ein paar vermehrte Anstrengungen schon. Das Dorf soll und darf eine Heimat für seine Be- wohner sein. Gruppe Neugut - zwei Jahre danach Wer schützt das Neugut? Mit dieser Fragestellung und hervorragendem Bildmaterial setzte sich eine Bürgergruppe für raumplanerische Belange, für markante Baumgrup- pen und gegen zu breite Strassen im Schaaner Neugut im Verlaufe des Frühjahrs 1979 ein. Die Schaaner Gruppe war damit eine der ersten Bürgerinitiativen in Liechtenstein, die sich für Umweltbelange am konkreten Beispiel einsetzte. Ihre damalige Argumentation war nicht von der Hand zu weisen. Das Ergebnis dieser Initiative ist lebendiger Beweis, dass es sich lohnt, sich für die Umwelt in der eigenen Gemeinde einzusetzen. Red. Eine Gruppe fand sich spontan zu- sammen, um Schritte gegen den langjährig zurückliegenden, im Früh- jahr 1979 jedoch äusserst akut wer- denden Erschliessungsplan des Schaaner «Neugutes» zu unterneh- men. Diesem fahrlässigen und lineal- fertigen Plan wären die malerische Sägagass sowie die Hohlgass an der Kreuzbündt, die zwischen einer ein- zigartigen Eichengruppe verläuft, ge- opfert worden. Eingehende Gesprä- che mit dem Vorsteher und ein dop- pelseitiger Bildbericht in den Zeitun- gen bewirkten ein Überdenken und schliesslich die notwendige Korrek- tur des ursprünglichen Vorhabens. Wir schrieben damals: «Was uns heute allgemein not tut, ist die Ein- sicht, dass Entschlüsse, Planungen, 
die vor fünfzehn und mehr Jahren richtig und verantwortungsvoll ge- wesen sein mögen, heute nicht mehr gültig sein dürfen.» Das Beispiel «Neugut» in Schaan, wo nach Gesprächsbereitschaft, Ein- sicht und Mut zur Revision tatsäch- lich die Sägagass, die Eichen und der Schaaner Torkel gerettet wurden, sollte andere Kleingruppen darin be- stärken, dass es wert ist und Sinn hat, sich für Konkretes einzusetzen. Keiner soll sich herausreden, indem er vorschnell die Verantwortung al- lein den Behörden zuschiebt, denn unter Schutz steht, was wir selbst schützen. Für die Neugut-Gruppe Hansjörg Quaderer
        

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