eine Zeit der Not und der Bewährung. „Wo ist eine Bevölkerung zu finden, die 
im Verhältnis zu unserer Steuerkraft Derartiges geleistet hat? Freilich war Not 
am Mann, und Not macht stählern; es war ein Kampf ums Dasein im richtigsten 
Sinne des Wortes.“ In diesen Jahren muß „bei großem Wasserstand die halbe oder 
ganze Gemeinde ganze Wochen lang und ganze Nächte mit Laternen schilder- 
wachen und arbeiten, um Dammbrüche zu verhüten.“ Weiber und Mädchen haben 
in den fünfziger Jahren beim Neuwuhren und Faschinenhauen mitgeholfen, be- 
richtet Juli Seger in seinen Aufzeichnungen. Trotzdem geschieht 1853 wieder ein 
Wuhrbruch ob dem Neugutkopf, und weiter geht der Kampf. „Enorme Anstren- 
gungen“, „ungewöhnliche Anstrengungen und Ausdauer“ werden den Vaduzern 
von der internationalen Rheinkommission bezeugt. 
1892, mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Plane, ist es so weit: Der 
Rhein ist in sein enges Bett gezwungen, sein Lauf zwischen den Dämmen ist ihm 
von Menschengeist und Menschenhand vorgeschrieben. Daß Wachsamkeit und 
Opfer weiter notwendig sind, hat auch unsere Generation erfahren, und der Rhein 
bleibt ein Wildwasser, das bei Hochwasserstand achtzigmal so viel Wasser zu Tal 
befördert als bei Niederwasser. Probleme gibt er weiter zu lösen, aber die 
Opfer sind gering gegen die Mühen, Sorgen und härteste Arbeit unserer Ahnen 
mit Schaufeln und Stoßkarren auf dem Damme draußen, mit Kosten, welche die 
übrigen Gemeindeausgaben in vielen Jahren um ein Mehrfaches überstiegen. 
Vor der Rheinregulierung gab es einen Floßverkehr auf dem Flusse. Unter 
der Gerbe war die Anländung der Flöße, gewissermaßen der Vaduzer Hafen, 
und es wird erzählt, daß der Gips aus der Vaduzer Gipsmühle rheinabwärts 
geflößt worden sei bis in den Bodensee. 
Im Jahre 1850 wurde eine Fähre zwischen Vaduz und Sevelen eingerichtet, 
die bis zur Erbauung der ersten Holzbriicke im Jahre 1871 bestand. 1901 wurde 
die neue, jetzt noch bestehende holzgedeckte Briicke gebaut. Der Rhein ist kein 
Hindernis mehr im Verkehr der Talschaft hüben und drüben. 
Was an Auwald noch bestand, ist im zweiten Weltkrieg verschwunden, als 
es galt, das letzte Klafter Boden in den Dienst der Ernährung zu stellen. Ver- 
schwunden ist die Romantik des Auwaldes mit seinen Tümpeln und Wasser- 
vôgeln, mit den ,Badelôchern“ für die Buben, verschwunden das Sumpfland mit 
dem tausendfachen Gequake der Frôsche an Sommerabenden. Wie glücklich wären 
unsere Vorfahren gewesen, wie wäre manche Not und mancher Hunger nicht 
gewesen, wenn sie ein Tal gehabt hätten, wie wir es heute besitzen. Ihr harter 
Kampf bringt uns den Lohn — das wollen wir nie vergessen! 
48 
  
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.