Dinge hineinredet, die Privatsache sind. Im Jahre 1809 schreibt Schuppler an die 
Gemeinde Vaduz: „Es ist ein Unfug eingerissen, daß die Leute entweder auf der 
Gasse oder gar in und bei den Stallungen Tabak rauchen. Dieser Unfug ist ein- 
zustellen, dem Betretenen ist die Pfeife abzunehmen und er ist das erste Mal mit 
24 Stunden Arrest abzustrafen, das zweite Mal ans Amt einzuliefern, wo er nach 
Umständen entweder mit 10 Stockstreichen oder achttägigem Arrest gestraft 
wird.“ Merkt Euch das, Ihr Männer! Stimmt es also wirklich, was David Rhein- 
berger von den ersten Jahren der Tätigkeit des Landvogtes schreibt: ,Der Hasel- 
stock war sein Gesetzbuch.“ 
Gemütlich rief der Nachtwächter die Stunden aus, und von einem wird 
erzählt, er habe es mit Vorliebe vom Kammerfenster aus getan. 
Der moderne Verkehr und die Technik kamen spät ins Land, und auch ihr 
Einzug ist etwas altväterisch. 1845 erhält Vaduz eine kaiserlich königlich öster- 
reichisch-ungarische Postbriefsammlung, und Johann Georg Rheinberger wurde 
nicht Postmeister, sondern kaiserlich königlicher Briefsammler. Trotz aller Be- 
mühungen kam es nicht zu einer Bahnlinie durch das Oberland, und Vaduz ist 
noch immer ein Staatshauptort ohne Bahnstation. War es ein Trost, wenn nach 
der Eröffnung der Linie Bregenz—Buchs eine Lokomotive verkehrte, auf der 
der Name „Vaduz“ aufgemalt war? 
„Am Schluß der Fremdensaison scheint auch das vergessene Vaduz noch etwas 
ans Tageslicht treten zu wollen“, schreibt die Landeszeitung im Jahre 1873 — 
und dann nennt sie die Namen von zwei deutschen Gästen, die sich seit mehreren 
Tagen im Lande aufhalten! 
Doch die Technik hält ihren Einzug. Man spürt es förmlich aus den Worten 
des Zeitungsschreibers, wie wenig er von der Sache versteht, wenn er vom ersten 
elektrischen Lichte berichtet: „Die Herren Fabrikanten Spoerry haben in ihrer 
Spinnfabrik im hiesigen sogenannten Ebenholz die neue elektrische Beleuchtung 
eingeführt, welche sehr gut gelungen ist. Zu dieser Beleuchtung braucht es keinen 
Talk, keine Kerzen, weder Ol noch Gas, es ist ein künstlich bereitetes, hell leuch- 
tendes Licht — wie der Blitz.“ Es ist das Jahr 1883. 
Wir wollen noch ein paar alte Vaduzer betrachten, die richtige Originale 
gewesen sind. Schon lange sind sie tot, aber man erzählt von ihnen noch immer. 
Auch sie können uns Vorbild sein: Sie hatten den Mut, so zu sein, wie sie wirklich 
waren, während wir alle viel zu sehr sind, wie man sein soll in den Augen der 
Mitmenschen. Sie sind Originalausgaben, Persönlichkeiten, wir aber sind in Ge- 
fahr, Konfektionsware, Massenartikel zu werden. 
106 
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.