darauf, daß die heimischen Mädchen „unter die Haube kamen“. Der Ausdruck 
kommt daher, daß die verheirateten Frauen zum Kirchgang eine schwarze Samt- 
haube trugen, von der zwei lange Seidenbänder über den Rücken herabhingen. 
Ein dringender Appell wird an die Männer gerichtet (vor 200 Jahren), sich der 
ledigen Vaduzerinnen anzunehmen, denn die „ehrsame Gemeinde Vaduz“ stellt 
fest, daß „Heurathen, durch welche ausländische und unbemittelte Weibspersonen 
zugezogen werden, die Quelle der Armuth und die Ursach äußersten Verfalls 
sein können.“ Schon eine alte Bestimmung verbiete solche Heiraten, aber der 
Gemeindevorstand stellt fest, daß man „nicht ohne schmerzliche Empfindung 
wahrnimmt, daß diese so gut abgesehene Verordnung von den Mannsleuthen 
freventlich übertreten wird und Weibspersonen sich beigelegt werden, die außer 
eitler Kleidung wenig oder gar nichts mitbringen.“ Neben dem Einkaufsgeld muß 
die Ausländerin fortan wenigstens 150 Gulden Vermögen mitbringen — oder die 
Familie soll keinen Gemeindenutzen erhalten. 
War es dann so weit, daß man die Hochzeit vorbereitete, dann mußte ein 
„Heirathsvertrag“ abgeschlossen werden. Umständlich und feierlich beginnen oft 
die Heiratsverträge, die aber nach der Einleitung gleich ins Sachliche übergehen 
und von Grund- und Hausverschreibung und Erben handeln. Einer der ältesten 
im Grundbuch eingetragenen Verträge beginnt in „schönstem“ Amtsdeutsch: 
„Zu vernehmen ein ordentlicher Heurathsvertrag, welcher zwischen den ehr- 
samen und tugendreichen Brautpersonen, als dem ehr- und tugendsamen Bräu- 
tigam Johann Amann, als ehrenerzeugtem Sohn von Josef Anton Amann, Rot- 
gerber, und der ehr- und tugendreichen Katharina Laternser als Braut, von Lorenz 
Laternser ehrenerzeugte Tochter, beide in Markt-Liechtenstein, abgeschlossen wor- 
den ist und nach erfolgter priesterlicher Trauung in volle Rechtskraft treten soll.“ 
Umständlich abgefaßt, in verschrobenem Kanzleideutsch, sind die Urkunden 
der alten Zeit, aber es ist kein Wunder, denn man hatte wirklich nicht viel zu tun 
auf den Amtern. Regierungssekretär David Rheinberger schreibt von Schupplers 
Zeiten, als der Vater Grundbuchführer war: , Viel Amtsgescháfte gab es damals 
nicht, jetzt würde man sagen rein nichts. Nur am Vormittag gab es Arbeit. An 
Nachmittagen konnte der Landvogt in der Kanzlei den Cicero übersetzen und der 
Vater Sonnenuhren machen.* Es ist aber doch schón, wenn man sich die beiden 
Beamten bei ihrer Freizeitbescháftigung vorstellt, der eine beim Wórterbuchwálzen 
über einem lateinischen Schriftsteller, der andere bei Tabellen und Berechnungen 
für seine Sonnenuhr. 
Wenn schon zu wenig zu tun ist, dann ist es kein Wunder, wenn ein Amt in 
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