In vielen, vielen Briefen erkundigt er sich nach der Heimat, ob seine liebe 
Vaduzer-Messe noch aufgeführt werde oder wer bei der Rekrutenaushebung 
„verspielt“ habe. Stolz kann er aus München berichten, daß der ehemalige Sonder- 
bundsgeneral Salis ihm gesagt habe, daß General Heß bei seiner Inspektion „mit 
den Leistungen der Liechtensteiner außerordentlich zufrieden gewesen sei, über alle 
Erwartung. Peter, paß auf, das gilt dir!“, fügt er nicht ohne Stolz auf den Bruder 
Leutnant hinzu. Die neuen Glocken von St. Florin freuen ihn: „Daß wir nun keine 
Kuhschellen von Glocken mehr haben! Seien wir froh, daß wir nun doch gegen 
früher eine Tonart haben; es wäre gut, wenn manches in Liechtenstein nur eine 
Tonart hätte“, meint mahnend der Jüngling in der Ferne. 
Gits Opfl i der Esla? 
(Jetz han i müasa bschnesla!) 
Macht d'Muata hür viel Opfelschnetz? 
Ei, grüaf mer o der Kaplau Fetz! 
schließt ein poetischer Brief! Und in griechischen Versen erkundigt er sich nach 
dem Kirchenchor: 
„Mir gestern sagte der Bekannten einer, 
er habe gelesen im ‚Schwäb’schen Merkur‘, 
daft ausgeschrieben sei die Schulmeisterstelle, die fette, von Vaduz. 
Der betreffende Bewerber aber müsse besonders die Orgel zu traktieren wissen. 
Aus wem besteht denn der neu angeworbene Chor, 
welcher des Sonntags erbaut die Gemeinde mit hehrem Gesange? 
Ertónt nicht fürder mehr des Meisters Alleluja-Geschrei? 
Krächzt die weiblich-vôgelverscheuchende Stimm’ nicht mehr in Sankt Florins 
Wehe, wenn das der Fall — nicht kann man fürder ersetzen [Räumen? 
dies kunst- und gesangverständige Paar. 
Und sollte das bucklichte Männlein nun auch singen Tenor, 
wer — frag ich — wer kann ersetzen den blasbalgkundigen Mann? 
Wer kann gleich ihm ziehen mit feinem ästhet’schem Gefühl 
die Stricke des blasigen Balges?* 
Der ernste Meister, der von sich selbst einmal sagte, daf$ ihm ,rastlose T3tig- 
keit zur anderen Natur geworden", ist in seinen Briefen heiter-gelóst. Dem Bruder 
David, der Regierungssekretàr geworden, gratuliert er zur ,frohen Novitiát, so 
Ihr geworden hochfiirstlicher Sekretir der Residenz Vaduz. Ja, andichtig ver- 
sammelter Bruder! Annun fehlt Euch nichts mehr als ein getreulich Ehegespons, 
80 
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.