Herausgeber:
Liechtenstein Politische Schriften
Bandzählung:
13
Erscheinungsjahr:
1989
PURL:
https://www.eliechtensteinensia.li/viewer/object/000033523/23/
teipräsidenten, dem Finanzkontrolleur, Journalisten, den Vertretern der Freien Liste oder ehemaligen Regierungs- oder Landtagsmitgliedern ver­ vollständigen die gewonnenen Eindrücke. Bestandteil der Untersuchung ist auch die Verarbeitung des 
Schrifttums, wobei allerdings nur fallweise Vergleiche mit anderen politischen Systemen angestellt werden; die vorliegende Arbeit will keine vergleichende Studie sein. Die 
normative Komponente, die durch die Beurteilung der parlamentari­ schen Kontrolle in die vorliegende Arbeit hineingetragen wird, muss als Werturteilsproblematik erkannt und besprochen werden. «Werturteile sind Stellungnahmen in bezug auf die Richtigkeit oder Unrichtigkeit menschli­ chen Handelns.»25 Es ist klar zu unterscheiden zwischen Werturteilen als Gegenstand und Werturteilen als Inhalt wissenschaftlicher Aussagen.26 Tat­ sachenurteile über die von befragten Personen (im besonderen Landtagsab­ geordnete) abgegebenen Werturteile (Werturteile als Gegenstand) sind rela­ tiv unproblematisch. Es handelt sich bei diesen nicht um Werturteile des Verfassers, sondern um einen Teil seines Untersuchungsobjektes. Wertur­ teile als Inhalt der Forschung sind, so RIKLIN, vermeidbar. Unsere Frage­ stellung nach dem Wesen, der Funktionsweise und der Bedeutung der par­ lamentarischen Kontrolle in Liechtenstein fällt jedoch in einen Bereich der Politik, «wo sich empirische und normative Phänomene untrennbar ver­ mischen und wo, zum Leidwesen der reinen Empiriker, die interessanten politischen Fragen liegen»27. Werterhellung28 oder gar Wertengagement29 des Verfassers sind gefragt, seine Beurteilung interessiert, Werturteile sollen in diesem Fall nicht vermieden werden.30 25 RIKLIN, Werturteile, 41. 26 Vgl. im folgenden RIKLIN, Werturteile. 27 GABRIEL, 27. 28 Werterhellung bedeutet «die Klärung, das Bewusstmachen der Werte, die durch politi­ sches, wirtschaftliches, soziales Handeln oder Unterlassen erfüllt oder verletzt werden». RIKLIN, Werturteile, 57. 29 Wertengagement bedeutet eigenes Engagement des Wissenschafters zur Bewahrung oder Veränderung von Werten; vgl. RIKLIN, Werturteile, 57. 30 Wertengagement in der Wissenschaft unterliegt nach RIKLIN (Werturteile) vier Bedingun­ gen: 1. «Werturteile sollen ausdrücklich als solche gekennzeichnet werden.» (Explizitheit), 2. Für Wertengagements ist eine plausible Begründung zu suchen und diese ist ausdrück­ lich darzulegen (Begründung), 3. Es sind auch jene Argumente offenzulegen, die gegen die eigenen Wertvorstellungen sprechen (Aufrichtigkeit), und 4. Wertengagierte Aussagen «haben vorläufigen Charakter und müssen der Selbst- und Fremdkritik ausgesetzt blei­ ben». 24
        

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