Rhein und Rüfen 
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sen, Beklagten, andernteils, beidseitigen Hochfürstlichen Liechtensteini- 
schen Unterthanen der Reichsherrschaft Hohen Liechtenstein. Oberamte 
auf Klag Antwort, eingenommenen Augenschein und produzierte schrift- 
liche Dokumenten, auch all ander gerichtlich Vorbringen nach gethanem 
Rechtsatz, genommenen Bedacht und gehabten Rat unparteüscher Rechts- 
gelebrter mit Urteil zurecht erkennt, dass die von der klagenden Gemeinde 
Balzers eingereichte Nichtigkeitsklage und erbetene Wiedereinsetzung in 
den vorigen Zustand (d. b., dass der Prozess von vorne wieder begonnen 
werden dürfe) nicht statthabe, sondern die beklagte Gemeinde Triesen 
davon loszusprechen sogar in Bezug auf die strittig gemachten Marken und 
den Rheinwuhrbau bei dem anno 1595 ergangenen Ausspruche und infolge 
dessen gebabtem bisherigem rubigem Besitz wie auch dem anno 1650 aus- 
gefertigtem Wubrbrief zu schützen sei, die in dieser Rechtfertigung ausge- 
wandten Kösten sind aus bewegenden Ursachen gegen einander auszuglei- 
chen. Publiziert im Beisein der Deputierten: Leon Frick, Alt-Landam- 
mann, Josef Jenni, Säckelmeister, Jakob Burgmayer, Zoller und Chrysost. 
Beck, Geschworner, alle von Balzers, ferner Leonhard Kindle und Johann 
Lampert des Gerichts, Hans Georg Gasner, Wirt, und Peter Kindle, 
Gemeindevogt von Triesen.» 
Wie wir sehen, waren die beiden Nachbargemeinden wegen des 
Wuhres und der Waid bei Silvaplana in einen Prozess verwickelt. Das 
Urteil des Oberamtes fiel zu Gunsten der Triesner aus. Darauf appellier- 
ten die Balzner an das fürstliche Hochgericht. Dieses übertrug die Sache 
einigen Rechtsgelehrten, die das erstinstanzliche Urteil bestätigten. Der 
Friede zwischen den beiden Gemeinden dauerte aber nicht $m d da 
schon nach 11 Jahren ein neuer überaus kostspieliger Prozess wegen des 
Waidrechts in der Alpe Gapfahl sie entzweite. 
Trachterkopf und Schlüssel des Landes 
Auf unserer Seite wird die Stelle bei Beginn der Triesner Wuhr- 
strecke unter Balzers als Trachterkopf bezeichnet, und daran nórdlich 
anschliessend die Strecke im «Heilos» als der eigentliche Schlüssel des 
Landes für Rheinschutzbauten, während auf der linken Talseite diese 
Strecken als die Triesner Bucht und Heuwiesen bezeichnet aufscheinen. 
Der «Trachter» war die Wuhrstrecke unter der Einmündungs- 
stelle des Balzner Mühlbaches und des Balzner Kanalstückes in den 
Rhein, von den Triesnern gegen Gartnetsch bis 1943 besonders stark 
durch Wuhre geschützt, bis dann das Wuhr geschlossen und die Balzner 
Gewässer ebenfalls mit dem Binnenkanal ihren Weg hinterm Rhein 
abwärts fanden. 
An dieser Stelle und hinab bis auf die Hóhe des Dorfes Triesen 
bestand die Stossrichtung des Rheins von Richtung Wartau/Schollberg 
her. Sie zu erwehren war seit jeher die schwerste Aufgabe der Triesner. 
Immer wieder muss der Rhein hier Schupf- und Geleitwuhre weggeris- 
sen haben. Denn beim Anfang der Leitwerke (Richtung heutige Hoch- 
wuhre) gab es in Triesen keinen Binnendamm. 
Das Dorf war von oben her nur durch die Rheinwuhre geschützt. 
Weiter unten (vom Sand weg abwärts gegen Vaduz) hatte man erst im 
Zuge der Wuhrbauten gegen Ende des 19. Jahrhunderts das sog. Seveler- 
dimmle (Binnendamm) angelegt, das ebenfalls 1943/44 wieder abge- 
baut wurde. Die Bezeichnung «Trachter» oder «Trachterkopf» findet 
ihre natürliche Auslegung darin, dass das im Sarganser Becken gesam- 
melte Wasser durch den Schollberg gestaut und abgeleitet sich in den
        

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