Rhein und Rüfen 
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lich, ob die Überschwemmung in die Vegetationszeit fiel und Feld- 
früchte und Heu vernichtete, oder ob die überflutenden Gewässer über 
abgeerntete Felder ausliefen. Davon hing es auch ab, wie die Damm- 
schliessungsarbeiten gestaltet und fortgesetzt werden konnten. 
Erst seit der Zeıt, als sıch die Bewohner - wahrscheinlich die nach 
und nach vorstossenden Alemannen mit ıhrer Siedlungsliebe und Land- 
nahme in der Ebene, im Gegensatz zu den früheren Romanen und den 
nachgewanderten Wallisern - wirklich echt an Leben, Hab und Gut 
durch den Rhein bedroht fühlten, erhalten wir die erste Kunde von 
Rheinnöten. Die früheste uns bekannt gewordene Urkunde über eine 
Rheinnot stammt aus dem Jahre 1206, als der Rhein den Lustenauern 
ihre Kirche wegschwemmte. Auf dem Gebiet des heutigen Fürstentums 
Liechtenstein sind uns erstmals Rheinüberschwemmungen aus den Jah- 
ren 1343 und 1374 urkundlich bekannt geworden, bei welchen prak- 
tisch die ganze liechtensteinische Rheinebene überschwemmt wurde. 
Seit 1343 kennen wir im Liechtensteiner Gebiet rund 50 Rheinein- 
brüche, davon aus dem 18. Jahrhundert allein 17 Überschwemmungen 
im Rheintal und im 19. Jahrhundert deren 16. In der zweiten Hälfte des 
18. Jahrhunderts war Liechtenstein besonders betroffen. 1775, 1785, 
1787 und 1789 standen die Gebiete der Talsohle von Triesen bis Ruggell 
wiederholt unter Wasser, 1787 nahm das Hochwasser den Gamprinern 
die einzige Rheinmühle des Landes fort und riss sie bis Oberriet mit. Im 
19. Jahrhundert überschwemmte der Rhein 1809 das Rheintalgebiet in 
Liechtenstein, dem Einbrüche 1817 und 1839, verheerend für Gamprin 
und Ruggell, folgten. Am 28.Juni 1846 erfolgte der verheerende Ein- 
bruch unterhalb Triesens, bei dem das Land bis Mauren 42 Tage lang un- 
ter Wasser stand, 12 /; km? überflutete und die Feldfrüchte vernichtet 
wurden. Zum Rheineinbruch vom 28. Juni 1846 entnehmen wir dem 
Brief eines Buchsers vom 12. Juli an seinen ausgewanderten Sohn (JBL 
1958): «Genaues weiss ich zwar nicht viel zu Schreiben, das sich hier zu 
getragen bat, als den 28. letzten Monat ist der Rhein ob Vaduz ausgebro- 
chen und bat den Vaduznern und Schaneren alle Früchten verderbt. Es ist 
zum Theil 3 Theil Rbein durch ihre felder, wo noch ein Theil durch das 
Rbeinbetb gelaufen und ist vom Ausbruch bis Benneren (Bendern) hinab 
alles wie einem See gleich. Alle Früchte sind im Wasser, es geben alle Tag bis 
30-50 Mann von Buchseren und auch Seveler ibnen zur Hilf, auch sind von 
Grabs ibnen zur Hilfe gangen, was die Leut mit grosser Dankbarkeit an 
nehmen und bat man ibnen die Hayen (Rammbhlótze) geliefert, Buchser 
und Seveler zum Hayen Pfäl schlagen (Buchser und Seveler hätten Pfähle 
zum Rammen geschlagen) und haben (die Liechtensteiner) bekent, wen 
die Schweitzer ibnen nicht zur Hilf komen, wáren sie verloren gewesen, 
und hatens nicht ins Werk gebracht.» 
1853 bis 1863 wird von vier Rheineinbriichen auf der Wuhr- 
strecke Schaan, Vaduz und Triesen berichtet und 1868 der letzte vor 
allem für Triesen verheerende Einbruch zwischen Balzers und Triesen, 
der den Triesnern Teile des Heilos und der im Sand ausgegebenen 
Gemeindeteile wegriss. «Anfangs Oktober 1868 war nämlich ein unge- 
wöhnlich grosses Hochwasser eingetreten und hatte in Balzers einen Wuhr- 
bruch und eine vielen Schaden verursachende Überschwemmung ver- 
anlasst. Zur Milderung des Nothstandes der Beschädigten wurden in allen 
Gemeinden des Landes Naturalien und Geld gesammelt. Auf schweizeri- 
scher Seite waren an verschiedenen Stellen Wuhreinbrüche erfolgt und ein 
grosser Theil der linksufrigen Rheinthalseite glich einem See. Überall in der 
  
 
        

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