noch kennen. Der Dorfbewohner verlor die Angst vor dem Talvogt 
Rhein. Er fühlt sich durch die Hochwuhre und die Tatsache, dass sich 
das Rheinbett seit zwanzig Jahren nicht mehr hebt und der Rhein sich 
gleichsam wieder in seinem Bette eingräbt, vor ihm sicher. Die Wuhre 
sind für einen Durchfluss von bis zu 3000 sec./m? Wasser nach menschli- 
chem Ermessen stark genug gegen jedes Hochwasser gebaut. Seit 1927 
hat kein Rheineinbruch das Rheintal mehr heimgesucht. Der Talvogt 
Rhein ist «Geschichte» geworden. (Sind es nun die riesigen Stauseen, 
die seit den 1920er Jahren überall im oberen Rheintale gefahrdrohend 
«hángen»? Hoffen wir für unsere Zukunft, man müsse über sie keine 
Geschichte wie über den Talvogt Rhein schreiben!) 
Es rechtfertigt sich, von Rhein und Rheintal in ein paar geschicht- 
lichen Bildern zu erkennen zu geben, wie unsere Vorfahren, seit sie sich 
mit Siedlungen und Strassen in die Talsohle vorwagten, einen grossen 
Teil ihrer Arbeitskraft durch Jahrhunderte dem Kampfe mit dem über- 
mächtigen und zerstórerischen Talvogt Rhein widmen mussten. Denn 
Triesen ist mit seinem Unterdorf ein Rheindorf geblieben. Es hat die 
furchtbare Stosskraft der Rheinwasser verspürt, die seit mehr als 500 
Jahren abgeprallt am gegenüberliegenden Schollberg direkt auf das 
Triesner Unterdorf vordrangen. Bei Triesen lag die Schlüsselstelle 
(Trachterkopf), an der über das Schicksal des Landes am Rhein mehr als 
anderswo entschieden wurde. 
So ist bis ins ausgehende Mittelalter Triesen ein Rheindorf gewe- 
sen, das zu einem Teile am Rhein und auf Inseln zwischen den einzelnen 
Rheinláufen lag. Messen wir heute die Strecke von der Landstrasse bis 
ans Rheinwuhr, so sind es rund 300 Meter Entfernung. Die einstige 
Iresner Au über dem heutigen Rheinstrom («Die Heuwiesen») reicht 
auf der anderen Seite des Rheins 800-1000 Meter gegen die Eisenbahn- 
linie hin. Die Triesner hätten sonst nach der verheerenden Rheingrösse 
1466 nicht klagen können, sie hätten damals den Untergang vieler Häu- 
ser, Güter und Ställe zu beklagen gehabt. Es bestand wohl eine Situation, 
wie wir sie 1927 beim Rheineinbruch in den Gemeinden Gamprin und 
Ruggell kannten, wobei ersteres - wie Triesen - zum Teil ein Rheindorf 
und Ruggell zur Gänze ein solches war. | 
Triesen bestand in alter Zeit aus zwei Weilern, Oberdorf und Un- 
terdorf. In der ältesten bekannten Dorfordnung von 1595 schied man 
zwei Dorfplätze aus, einen bei der Linde im Oberdorf und den unteren 
beim Gasthaus (heutige Sonne). Am Rhein mussten beide Dorfteile 
wehren, im Hinterland des Rheins erhielten beide Teile des Dorfes spä- 
ter Boden zur Nutzung oder in privates Eigentum zugewiesen (Gemein- 
deteile im Heilos, im alten und neuen Sand, in der Au, im Unterfeld und 
im Aeule). 
Zum Wert der alten Wuhrbauten am Rhein (vor Beginn der 
Hochbauten um die Mitte des 19. Jahrhunderts schreibt der einstige 
Bauleiter Oberingenieur Wey 1885: 
«Statt nämlich seinen Lauf durch zweckmässig angelegte Schutzbau- 
ten zu regulieren und zu zähmen, seine ungeheure Kraft zur A bfiibrung des 
mit sich bringenden Geschiebes und dadurch zur regelmässigen Ausbildung 
und zur Vertiefung des Flussbettes zu verwenden, hat man ibn durch móg- 
lichst unregelmiissig und verkebrt angelegte Wuhrköpfe und Wauhrstücke, 
durch zickzackartige Sporren beständig hin- und hergetrieben oder gejagt 
und dadurch statt zähmer stets nur «täuber» gemacht. Aus Rache pater 
dann seinen Peinigern, wie man bier zu Lande sagt, möglichst viel «z'Leid 
Rhein und Rüfen 
927 
 
        

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