Armut, Kriege und Notzeiten 
  
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Steckenritt. Hexen machen 
sich zur Versammlung auf. 
Linolschnitt von A. M. 
Báchtiger 
   
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Und nun nehmen Angeberei, Hass und Zwist in den Dörfern, der 
Nachbarschaft, der Verwandtschaft furchtbare Formen an. Die Jahre 
1648 bis 1651 sind die dunkelsten in der ganzen Zeit des Hexenwahns. 
Aus der «Chronik rätischer Sachen» des Hans Kaiser aus Zizers zitiert 
der liechtensteinische Historiker KB die Sätze: «In dieser Zeit anno 1648 
im Brachmonat sind zu Vaduz an die 14 Personen, darunter zwei Mann, 
das andere Weiber, mit dem Schwert gerichtet und dann alsbald auf einem 
Haufen Holz und Stroh gelegt und zu Asche verbrannt worden von wegen, 
dass sie Gottes verleugnet und Hexenmwerh getrieben. Anno 1649 und 1650 
sind noch soviel der elenden Menschen zu Vaduz und am Eschnerberg 
gerichtet worden, dass mehr denn hundert Personen gewesen sind.» Die 
einzigen Zahlenangaben stammen nicht aus dem Lande. 
Unser Land hatte im siebzehnten Jahrhundert nicht ganz dreitau- 
send Einwohner, die kleinsten Kinder mitgerechnet. In dreiunddreissig 
Jahren der Todesurteile (1648-1680) brannten gegen dreihundert Leiber 
auf den Scheiterhaufen beim Hochgericht! 
Wohl zum Furchtbarsten dieser Zeit gehört die Tatsache, dass das 
Volk die Hexenprozesse verlangte, einer zeigte den anderen an. 
Otto Seger berichtet aus Verhórprotokollen (JBL 1957 S. 147): 
«Da rühmt sich ein Landsmann im Wirtshause nicht nur, dass er ein 
gewaltiger Mann sei, sondern stolz sagt er, andere Ammänner hindern 
mehr als dass sie helfen, das Laster der Hexerei zu bekämpfen. Wenn er 
nicht wäre, so hätten sie nichts dazu getan, dass die Hexen verbrannt wor- 
den wären. Und er droht unverkennbar dem Manne, der ihn dann ver- 
klagt: Im Dorf seien 15 Hexenmeister und er wolle ihn als ersten fangen 
und verbrennen lassen. Zwar muss der Ammann um Verzeihung bitten und 
erklären, fürderhin ein guter Freund zu sein, aber wir wissen nicht, ob er 
sich nicht eines Tages doch gerächt hat, sagt doch drei Jahre später sein Sohn 
zu einem anderen Dorfgenossen, er und sein Vater verbrennen jetzt die 
Hexen, und wenn er auch einer sei, so wollen sie ihn auch verbrennen las- 
sen, sıe haben jetzt Macht und Gewalt. 
Es ist die Folge der Stellung der Richter ebenso wie ihrer Verirrun gen, 
dass sie selbst angegriffen werden. Da wirft ein Mann einem Richter vor, er 
sei schuld, dass seine Frau verbrannt worden sei, er hätte sie schonen kön- 
nen, denn er habe selbst einmal als Junger um sie geworben! 
Als es dem Ende der Prozesse zugeht, heisst es einmal, man werde 
bald aufhören, die Hexen zu verbrennen, es gehe dem Landammann zu 
nahe an die Verwandtschaft, und demselben Ammann wird eine Schuld 
nicht zurückgezahlt, als die Prozesse verboten waren, und von einem ver- 
zweïfelten Angehôrigen wird er Schelm und Mörder genannt!» 
Die ganze Gequältheit der Untertanen und das Gefühl der Recht- 
losigkeit spricht aus den Worten eines einfachen Weibes, das zum 
Manne sagt, als die Leiche eines Kindes an ihrem Haus vorbei zum Got- 
tesacker getragen wird: «Es ıst ihm wohl gegangen, es darf jetzt doch nicht 
verbrannt werden». Die Frau wird dafür von der « gnädigen Herrschaft» 
bestraft! 
1666 flammten die Hexenprozesse wieder auf, und wohl die 
schwersten Verbrechen ergaben sich 1679/80 unter dem berüchtigten 
Landvogt Prügel. 
Der Umfang der Prozesse 
Die Todesurteile beginnen 1648. Von den bis 1680 hingerichteten 
300 Personen trifft es allein auf die Jahre 1648-1649 deren 100. Das war 
 
        

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