auch der weltlichen Gerichtsbarkeit als Grundlage zur Verfolgung 
hexenverdichtiger Personen, vorwiegend der «weisen Frauen», wie 
etwa der Hebammen. Ihnen und ihrem Wissen mutete man zu, die Mit- 
tel zur Geburtenkontrolle und Empfángnisverhütung zu besitzen, wih- 
rend auf der anderen Seite grosses Interesse bestand, die in den Zeiten 
der Kreuzzüge, in den furchtbaren Pestzeiten und durch Hungersnóte 
entstandenen Menschenverluste, vor allem an Männern, im 13. und 14. 
Jahrhundert wieder aufgefüllt zu erhalten. So sei die Bevölkerung Euro- 
pas von 70 Millionen um 1300 auf nur noch 45 Millionen um 1400 zu- 
rückgegangen! (Zeit der Einwanderung der Walliser um 1300 in die ent- 
völkerten Voralpengebiete und hier nach Triesen/Triesenberg!) An einer 
Wiederbevölkerung solcher Gebiete waren Landesherren und Kirche 
als Grossgrundbesitzer interessiert. Nur aus einer solchen Einstellung 
heraus ist es zu verstehen, dass bis ins 17. Jahrhundert die Kirche bei der 
Hexenverfolgung mitmachte, dass man noch von dem sonst berühmten 
Triesner Pfarrer Valentin von Kriss (1665-1692) weiss, dass er «anfang- 
lich, nach damaliger Auffassung, an einen Einfluss von Hexen (malefi- 
cium) geglaubt babe», bis er selbst von Anzeigern («Brennern») auf eine 
Liste zu verfolgender Hexenmeister gesetzt worden war (JBL 1902 
S. 67). Oder wenn sein Vorgánger Pfarrer Jakob Erne, ein mag. phil., bei 
einem Triesenberger am 25. Juli 1659 im Totenbuch zu Triesen zu ver- 
merken vermag: «Az diesem lage starb am Triesnerberg mit allen bl. 
Sterbsakramenten verseben B. B. Mitglied des Vaduzischen Gerichts und 
ausgezeichneter Verfolger der Hexen (egregius sagarum persecutor).» Das 
ist die einzige in den alten Pfarrbüchern auffindbare Bemerkung über 
das Hexenwesen, das damals am grausamsten wütete. Aber diese Worte 
sind deshalb interessant, weil sie verraten, dass Pfarrer Erny vom 
Hexenwahn selbst nicht frei war. Wie hátte er sonst diesen Ausdruck 
«ausgezeichnet» von jenem Hexenverfolger gebrauchen kónnen! Der 
Hexenwahn ging damals durch ganz Deutschland, war eine schauer- 
liche Folge des 30jáhrigen Krieges, ergriff ansteckend wie eine geistige 
Pest alle Stände, Hoch und Niedrig, Geistlich und Weltlich. In diesem 
schrecklichen Wahne hielt man jeden Klatsch für Wahrheit, glaubte an 
die albernsten Dinge und vermeinte ein gutes Werk zu tun, wenn man 
recht viele Hexen, wie die bejammernswerten Opfer dieses Aberglau- 
bens genannt wurden, zur Anzeige und damit zur Tortur und zum 
Scheiterhaufen bringen konnte. 
Alois Senti schreibt in Terra plana 1985/2 zur Verbreitung des 
Hexenwahnes zwischen 1550 und 1750: «Die Hexenprozesse ricbteten 
sich nicht gegen die Hexen selber, sondern gegen den Satan, der sich ihrer 
bemächtigt hatte. Als die geistlichen Gerichte in der Mitte des 16. Jahrhun- 
derts von den weltlichen Instanzen abgelöst wurden, erwiesen sich diese in 
der Anwendung der Tortur noch grausamer als zuvor die Kirche. Am 
schlimmsten wütete der letzlich unerklärliche Hexenwahn zwischen 1550 
und 1750. Hinter jedem Unglücksfall vermutete man die Untat einer Hexe 
oder eines Hexenmeisters. Verdächtigungen und Denunziationen folgten 
Einvernabmen, Verbóre, Folterungen, Verurteilungen und Hinrichtungen. 
Die Zahl der Verurteilten schwankte von Landesgegend zu Landesgegend. 
In der Stadt St. Gallen wurden zehn Hexen hingerichtet. Das Toggenburg 
kam auf 23. Verurteilungen. Appenzell Innerrhoden batte gut zwanzig, 
Ausserrhoden etwa 30 Hexenprozesse. Im Práttigau wurden hingegen 
allein zwischen 1652 und 1660 über hundert Hexen und Hexenmeister 
Armut, Kriege und Notzeiten 
 
        

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