Armut, Kriege und Notzeiten 
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Das Fuhrwesen betreffend, pro Stund 1 fl. und für die auf Vaduz den 
Franzosen gestellte Wartwagen, für 24 Stund, sie mögen in dieser Zeit 
gefahren seyn oder nicht, für jeden Wagen 3 fl. 30 kr.» 
Man berechnete für jeden Haushalter 160 Tage Handdienste! 
Die Gemeinde Triesen hatte vom 1. Jänner 1795 bis 23. Juli 1798 
an Verpflegung von Soldaten und Pferden und für Fuhren geleistet 6331 
Hl. 17 kr.; bis 1801 wurden die betreffenden Leistungen mit 33 122 fl. 30 
kr. taxiert, und die Gemeinde hatte überdies 13 950 fl. 50 kr. an die mehr 
belasteten Gemeinden Balzers, Vaduz und Schaan auszuzahlen. Der 
Gesamtschaden der Gemeinde belief sich also auf ca. 47 075 fl. Das Steu- 
erkapital der Gemeinde wurde damals mit 56 195 fl. berechnet! Die Ge- 
samtsumme der Kriegserlittenheiten der oberlàndischen Gemeinden 
belief sich (die Contributionen, die ebenso hoch waren, nicht mitge- 
rechnet) auf 326544 fl. Daran mussten alle Gemeinden nach einem 
gemeinsamen Steuerfuss parüzipieren. Das führte zu mehrjáhrigem 
erbittertem Streite, da die von Einquartierungen weniger als die an der 
Landstrasse gelegenen Gemeinden den Ersatz an barem Geld leisten 
mussten. Es wurde den Gemeinden Balzers, Vaduz und Schaan vor- 
geworfen, dass sie viel zu hohe Taxen angesetzt und darum viel zu hohe 
Rechnungen eingegeben hátten, und erzwungen, dass jeder seine Rech- 
nung beschwóren musste. Triesenberg und Triesen rekurrierten an den 
Fürsten. In diesen Rekursen wurde die Notlage dieser Gemeinden in 
grellen Farben geschildert und geltend gemacht, dass die Taxen ohne ihr 
Mittun und viel zu hoch fixiert worden seien, dass für die Landesschüt- 
zen und andere ósterreichische Truppen für blosses Obdach 4-6 kr. 
gerechnet worden seien, was mit den blossen Stallgeldern für die Pferde 
weit über 40000 fl. ausgemacht habe - da man es doch umsonst hätte 
geben kónnen; dass ferner viele steuerfreie Leute im Lande zu diesen 
ausserordentlichen Leistungen gar nicht herangezogen worden seien, 
dass den Triesnern der von den Franzosen gestohlene Wein (3000 fl.) 
und den Triesenbergern das gestohlene Vieh (6000 fl.) nicht in die Rech- 
nung genommen worden seien, sowenig wie die vielen Handdienste und 
Fuhren, mit denen sie besonders belastet waren. Das grosse Unrecht, 
das ihnen geschehe, erkenne man am besten übrigens aus der Tatsache, 
dass durch den Krieg einige Gemeinden und Private sich bereichert 
haben und zu Vermógen gekommen seien. Einem grossen Teil der Bür- 
ger bleibe, wenn die geforderte Zahlung geschehen müsse, nichts ande- 
res übrig als der Bettelstab. 
Das Misstrauen der Gemeinden richtete sich in erster Linie gegen 
sich selbst untereinander, weil jede glaubte, die andere komme besser 
weg, dort werde hóher geschátzt oder mehr als «Erlittenheit» angenom- 
men, obwohl diese Vorwürfe nicht nachgewiesen werden konnten. Mit 
Recht konnten aber solche Vorwürfe gegen Einzelpersonen erhoben 
werden, obwohl die eingereichten Rechnungen (Konti) beschworen 
werden mussten! So berichtete der vom Fürsten 1808 ins Land gesandte 
Kommissär Hauer (JBL 1983 S. 122): 
«Hier ist noch eine Bitte der Gemeinde Triesen, die keiner so eiligen 
Vorbescheidung unterliegt und das Eigenmáchtige aufdeckt, das man sich 
oberamtlicb erlaubte, wo man die Kriegsscháden an die hiesigen Würthe 
und Blutigeln mit fürstlichen Forderungen ausgeglichen und diese einer 
Gemeinde schon anno 1802 zugewiesen bat, die sich selbst nicht erhalten 
kann, minder dass auf eine Kapitals-Abzablung gedacht werden kónte.
        

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