Armut, Kriege und Notzeiten 
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diese an mich anschlössen»? Dr. Schreiber stellte dieses Ansuchen an den 
Landvogt, weil es im Fürstentum mehrere gäbe, die gerne mit den Vor- 
arlbergern gegen die Franzosen kämpfen würden. 
Landvogt Schuppler lehnte den Vorschlag bereits am 28. Juni 
1809 von sich aus ab, nachdem er mit dem Fürsten, der als ósterreichi- 
scher Feldmarschall im Kriege stand, überhaupt keinen Kontakt neh- 
men konnte. In donnernden Aufrufen mahnte darauf der fürstliche Be- 
amte die Untertanen, die Hände vom gefährlichen Spiel zu lassen. Wer 
sich Dr. Schreiber anschlösse, sei ein Verräter. «Nur Ruhe kann euer 
Schicksal sichern. Seid standhaft und lasst euch durch keine Lockun g verlei- 
ten.» Für den Augenblick konnte Liechtenstein vom Aufstand fernge- 
halten werden. 
Indessen hat sich in Vaduz ein sonderbares Ereignis abgespielt. 
Am 23. Juni 1809 verlangte der «Landesschützenhauptmann Häusle» 
aus Vorarlberg vom Landvogt zwei alte, auf dem Schloss Vaduz befind- 
liche Kanonen. Die Vorarlberger hatten Mangel an Geschützen. Auf 
eindringliches Zureden des Landvogtes hin schien der Hauptmann von 
seinen Forderungen abzusehen. Um so mehr war aber Schuppler über- 
rascht, als er benachrichtigt wurde, dass von den Österreichern Rosse 
und Wagen beschlagnahmt würden, um die zwei Kanonen sowie fünf 
verrostete Doppelhakenbüchsen nach Feldkirch zu ziehen. Die lebhaf- 
ten Proteste des Landvogtes halfen nichts. Die Geschütze wurden erst 
nach Feldkirch und dann nach Bregenz geschleppt. 
Neben der Lockung aus Vorarlberg waren in Liechtenstein jene 
Ereignisse entscheidend, die sich im Juni 1809 (also mitten im Heuet 
nahmen sich die Bauern Zeit) hier abspielten: Am 9. Juni 1809 veranstal- 
teten Balzner und Triesner eine Volksversammlung in Vaduz, bei der 
eine Resolution verfasst wurde, in welcher sie erbittert klagten, die 
neuen Lasten wären zu hart, sie wollten diese nicht länger tragen, sie 
hätten niemand mehr, der für sie rechte, seitdem man die Landammin- 
ner abgeschafft habe. Am 12. Juni 1809 kamen Gemeindedeputationen 
wieder in Vaduz zusammen, und man überreichte dem Landvogt 
Schuppler die Resolution vom 9. Juni. Hier hielt nun Schuppler eine 
scharfe Rede und tónte dabei an, dass der Fürst das Land verkaufen 
kónne (es lag eine Anfrage von 1806 vor. JBL 1953 S. 135). In scharfen 
Worten wandte sich der Redner an die beiden Gemeinden Balzers und 
Triesen. «Diese zwei Gemeinden sind die Ruhestörer; an ihnen könnt ihr 
euch halten, wenn Ihr mit Gewalt Eurem Unglück entgegen geht.» Der 
Fürst werde seine Grundsätze mit militärischer Macht durchsetzen oder 
andere Mittel ergreifen, welche das Fürstentum noch empfindlicher 
treffen könnten. 
Im Juli 1809 verbreitete sich im Oberland die Nachricht, alles 
gehe zum Landsturm nach Vorarlberg. Bürger aus Balzers und Triesen 
waren schon zum Marsch bereit, um in anderen Gemeinden Anhänger 
zu werben, die mit ihnen gemeinsam am Vorarlberger Landsturm teil- 
nehmen sollten. Der Landvogt eilte ihnen entgegen. In Triesen traf er die 
ersten Aufrüher und versuchte seine Redekünste. Vergebens! Die Unzu- 
friedenen sagten, «dass sie die Lasten, mit denen man sie drücke, nicht 
mehr ertragen wollen». Der Landvogt hatte das Vertrauen der Empörer 
verloren. In falschem Misstrauen wähnten sie, Schuppler unterschlage 
ihre Gesuche an den Fürsten, und alle Neuerungen seien Erlasse des 
Oberamtes. Deshalb entgegneten die Aufständischen dem Landvogt, sie 
würden eine Deputation nach Wien senden: bis zu diesem Zeitpunkt 
 
        

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