ter aber als Mitglied stets nach diesem Vertrag gehandelt. Durch die Auf- 
nahme in den Rheinbund ist Liechtenstein ohne sein Zutun ein selbstän- 
diger, souveräner Staat geworden. 
Landtagspräsident Dr. Alois Ritter würdigte dies in seiner Festan- 
sprache vom 12. Juli 1956 im Landtagte mit den Worten: «Erst die spá- 
teren Generationen haben den Wert der Souveränität erkannt, und heute 
nach 150jährigem Bestand derselben wollen wir dem Herrgott dankbar 
sein dafür, dass er sich am 12. Juli 1806 der Hand Napoleons bediente, um 
unserem Land das grosse Geschenk der Eigenstaatlichkeit, der Souveräni- 
tät, zu verleihen, die - und das ist wiederum eine Merkwürdigkeit unserer 
Souveränität - von allen anderen ehemaligen Rbeinbundstaaten einzig 
und allein unserem lieben Vaterlande Liechtenstein und seinem Fürsten- 
haus bis zum heutigen Tage erhalten geblieben ist und uns, so Gott will, 
noch bis in die fernste Zukunft erhalten bleiben möge.» 
1809 
Die Befreiungskriege 1813/14 berührten militárisch unser Land 
nicht mehr. Doch 1809 waren wir um Haaresbreite an einer nochmali- 
gen kriegerischen Verwicklung vorbei gegangen. 
Am 1. Oktober trat Landvogt Josef Schuppler im Namen des 
Fürsten Johann I. die Regierung in Liechtenstein an. Die Hofkanzlei in 
Wien kannte das Land nur aus kommissionellen Berichten oder solchen 
von Inspektoren und der Landesfürst hatte das Land überhaupt nie gese- 
hen. Das konnte auf die Dauer bei allem sonst noch herrschenden Elend 
nicht gut tun. Hierzu kam ein Anstoss von aussen. 1809 hatte sich 
Osterreich gegen Napoleon erhoben, die andern deutschen Bruderstaa- 
ten blieben abseits stehen und liessen Osterreich allein, das bereits im 
Juli 1809 einen Waffenstillstand und am 14. Oktober 1809 einen Frie- 
densvertrag (für Osterreich von unserem Fürsten Johann I. unterzeich- 
net) mit Napoleon unterzeichnen musste. In Vorarlberg und im Tirol 
waren 1809 separat Aufstände gegen die französische Herrschaft ausge- 
brochen. «Ohne Zweifel bildeten die Ereignisse in Vorarlberg den Hinter- 
grund der liechtensteinischen Empörung. Gerade zur Zeit als die liechten- 
steinischen Untertanen ihre Forderungen dem Landvogt vorlegten, trieb 
der Aufstand in Vorarlberg seinem Höhepunkt entgegen. Die Stammesver- 
wandtschaft, das gleiche Schicksal der alten Rechte in Liechtenstein wie in 
Vorarlberg, geschäftlicher Verkehr, mannigfache, persönliche Beziehungen 
zu Vorarlbergern, das alles mag vieles beigetragen haben, dass die Unruhe 
auf das Fürstentum übergriff. Aucb weilten verschiedene Flüchtlin ge und 
andere am Aufstand in Vorarlberg beteiligte Personen in Liechtenstein, 
denen das Fürstentum meist als Sprungbrett in die sichere Schweiz diente, 
deren Grenzen allerdings besser bewacht waren als die Liechtensteins, wo 
nur einige Biirger Wache standen.» (JBL 1953 S. 130). — , 
Die grösste Gefahr für unser Land, nochmals in den Krieg verwik- 
kelt zu werden, lag bei der Bevölkerung selbst. Zwar weıss man, dass ein 
Dr. Schneider aus Bregenz (dort Anführer der Aufständischen) sich ın 
Liechtenstein aufhielt und hier Kontakte suchte. i 
Am 26. Juni schrieb Dr. Schreiber, kaiserlich-kôniglicher Gene- 
ralkommissär in Vorarlberg an Schuppler: «Würden Sie etwas gegen 
einen allgemeinen Aufruf an Ihre Amtsuntergebenen einwenden, dass sich 
Armut, Kriege und Notzeiten 
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