Armut, Kriege und Notzeiten 
874 
Franken. Von Ulm drängte man wiederholt auf Bezahlung dieses 
E ii Aber die liechtensteinischen Gemeinden lehnten die Bezahlung 
ab. 
Vorweg soll nun ein Bericht des «Armenpfarrers» Benedikt 
Schmidt, Triesen (1794807), aus JBL 1902 über seine Erlebnisse der 
Franzosenzeit in Triesen wiedergegeben werden: 
«Pfarrer Schmidt verlebte im. Triesen die schrecklichen Jahre des 
deutsch-franzósischen Krieges. Er selbst bat aus jener Zeit folgende Notizen 
hinterlassen: 1794 im Monat November kamen die ersten kaiserlichen Vol- 
ker ins Liechtensteinische, den Rbein zu sperren und die Ausfubr an Frücb- 
ten, Vieh etc. zu erschweren unter dem Sperrkommando; 1795 vermehrten 
sie sich und kamen auch ungarische Husaren; 1796 wurde auf den Balzner 
Wiesen das erste Lager geschlagen, indem die Franzosen Miene machten, 
durch Bünden einzudringen. Im Juni wurde noch ein anderes Lager in der 
Vaduzer Au geschlagen, bis sie endlich gegen Bregenz aufbrechen mussten 
wo dıe Franzosen eingedrungen, aber nicht weiter als bis Götzis kamen. Im 
nämlichen Jahre hatten wir dann starke Winterquartiere. Im Oktober 1798 
rückten die Kaiserlichen in Bünden ein. Am 6. März 1799 setzten die Fran- 
zosen unter Massena bei Trübbach über den Rhein, nabmen die Steig ein, 
verjagten die Kaiserlichen aus Bünden und hielten auch unser Land 18 
Tage lang besetzt, wo sie bei Feldkirch geschlagen wurden und wenigstens 
4000 Mann auf dem Platze liegen liessen. Den 1. Mai wollten die Kaiserli- 
chen die Steig und Bünden einnehmen; aber es glückte ibnen nicht bis am 
14. Mai Bünden gefallen und sogleich die kaiserliche Armee über den 
Rhein gesetzt und in kurzer Zeit bis Zürich vorgedrungen. Im September 
wurde die kaiserliche Armee samt den Russen bei Zürich geschlagen und 
kamen also in unser Land zurück. Anno 1800, den 14. Juli kamen die Fran- 
zosen neuerdings bei Balzers früh um 3 Uhr über den Rhein und drangen ın 
Feldkirch und so in ganz Vorarlberg ein. Durch diese ganze Zeit war der 
Pfarrer immer mit Einquartierungen beschwert. Sowohl Franzosen, als 
Russen, Kaiserliche und vorarlbergische Scharfschiitzen «waren. immer 
wechselweise im Pfarrhof. Die kaiserlichen Offiziere gingen in die Kost 
zum Pfarrer; aber die wenigsten zahlten das Kostgeld. Den Franzosen 
musste man auch als Feinden alles umsonst geben. Zudem kommt noch, 
dass anno 1799 die Franzosen Triesen ganz ausgeraubt. Vormittags nahmen 
sie im Pfarrhof 3 Fuder Wein und nachmittags ráumten sie das Übrige auf. 
Ich batte nichts mehr als was ich am Leibe trug. Salz, Schmalz, Weisswasch, 
Brot, Fleisch, Kupfergeschirr, Weinfdsser u. s. w., kurz alles nahmen sie mit 
sich fort. Ich wiinsche meinen Nachfolgern bessere Zeiten!» 
Dass diese Vorginge und die jahrelangen massenhaften Einquar- 
tierungen von Soldaten in den Privatháusern auch von sittlichem Nach- 
teile für die Bevölkerung waren, versteht sich von selbst. 
Ähnlich schildert der Triesenberger Pfarrer Johann Baptist 
Schreiber (17891800 dort) in Form einer Notiz im Anhang zum älte- 
sten Jahrzeitenbuch der Pfarrei Triesenberg (JBL 1949 S. 105) die Fran- 
zosenzeit: 
«Ad perennem rei Memoriam 
Im Jabre 1799 den 13. und 15ten Márz kamen die Franzosen auf den 
Triesenberg, plünderten und raubten mich Johann Baptist Schreiber d.z. 
Pfarrer alda, und auch meine Pfarrkinder, an Wein, Fleisch etc. und Haus- 
geratschaften aus. Nachhin erhielten «ir eine französische Sicherheits- 
wache: diese verbliebe durch 9 Täge bey uns.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.