möglichkeiten mehr. Arbeitsplätze in Manufakturen, im Handwerk und 
Gewerbe fehlten vor allem in ländlichen Gegenden weitgehend. So bildete 
sich die soziale Unterschicht der Arbeitslosen, Bettler und Landstreicher. 
Mit Betteljagden und Landstreifen, wobei die Scharen von Bettlern, Zigeu- 
nern, Kesselflickern und Korbmachern usw. zusammengetrieben und über 
die Grenze gestellt wurden, suchte die Obrigkeit das Problem dieser gesell- 
schaftlichen Aussenseiter zu lösen. Bis ins beginnende 19. Jahrhundert hin- 
ein bildeten solche Razzien ein immer wieder, aber ohne anhaltenden 
Erfolg, angewandtes Mittel. Denn abgesehen davon, dass damit das Pro- 
blem nicht bei der Wurzel gefasst wurde, haperte es damals wie heute mit 
der grenzüberschreitenden zwischenstaatlichen Zusammenarbeit der 
Staatsorgane.» 
Pfarrer Wenaweser (in Triesen 17641789) beklagte sich, dass 
damals Triesen «fast allem Zulauf (des Gesindels) ausgesetzt sei», und J.B. 
Büchel bemerkt hierzu: «Das Gesindel war überhaupt damals eine 
schreckliche Landplage; in Triesen war überdies das Bettler-Versorgungs- 
haus für die obere Landschaft.» 
1791 beklagt sich der Balzner Pfarrer über die grossen Auslagen, 
da er an die ungemein vielen nach Österreich, Bünden und die Schweiz 
hier durchziehenden Bettler 24 fl bezahlt habe, dazu für Gastfreund- 
schaft an die vielen hier durchreisenden Priester 30 fl. 
_ Liechtenstein war durch seine Lage als Grenzland zwischen 
Osterreich und der Schweiz Auffang- und Durchzugsgebiet für allerlei 
Ausländer verschiedenster Art: Bettler, Hausierer, Kriminelle, Emi- 
granten, Deserteure, Agenten und Spione. 
Bei der Wahl der Landammánner und dem Bestellen der Gerichte 
wurde dem Volke jeweils die «Landsóffnung», dasist eine kurze Zusam- 
menfassung bestehender Rechtsgewohnheiten, vorgelesen. Darin heisst 
es: 
«Weil die Untertanen von den Landstreichern, welschen Krámern, 
Kesslern, Spenglern, Harzern und dergleichen Personen, die nach dem 
Pfennig bantieren und dazu ibnen das ihrige, mit. Weib, Kindern und 
Knechten abbetteln, hôchlich beschwert sind, so gebieten Jhro Gnaden 
allen Untertanen, Manns- und Weibspersonen, dass man dergleichen Leute 
gar nicht beherbergen, sondern sie in die Tafernen oder Wirtshäuser weisen 
solle, jedoch dass ein solcher Wirt oder Taferner sie länger nicht als eine 
Nacht beherbergen tue. 
Den übrigen armen kranken Leuten aber soll männiglich die Werke 
der christl. Barmherzigkeit mitteilen, jedoch sie länger nicht als eine Nacht 
ohne Erlaubnis der Öbrigkeit behalten.» : T 
Diese in der «Landsóffnung» enthaltene Vorschrift betreffend die 
auslándischen Bettler stützt sich auf die vom Reichstage zu Frankfurt im 
Jahre 1577 errichtete allgemeine Polizeiordnung. Darin heisst es (nach 
KB 391); i 
«Deutsche und wälsche Bettler und berumstreifende Leute sollen aus 
dem Lande geschafft und nicht mehr eingelassen werden. Würden sich 
solche wieder einschleichen, so sollen sie gefänglich eingebracht, nach Um- 
ständen bestraft und aus dem Lande gewiesen werden. Niemand soll 
fremde Personen länger als eine Nacht beherbergen und speisen, bei Strafe 
von 1 Pfund. Gartknechte (herrenlose Leute) und andere werklose Leute 
sollen nicht im Lande geduldet, sondern fortgeschafft werden, und Jalls sie 
sich zur Wehre setzen, sollen die Nachbaren einander beistehen. Jährlich 
sollen, nach Gestalt der Dinge, drei oder mehr Streifen gemacht werden im 
Armut, Kriege und Notzeiten 
837 
 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.