Im Mittelalter bestand eine öffentliche Armenfürsorge, die sich 
sowohl der Dorfarmen als der herumziehenden fremden Bettler 
annahm. So verpflichtete die Polizeiordnung aus dem Jahre 1577 die 
‚Gemeinde, die ihr zuständigen Bettler zu erhalten. Sie gab sogar Anwei- 
sung, wie die Mittel hierzu zu beschaffen waren (KB 391): «Was die 
inländischen Bettler angeht, insonderheit solche, die sich Alters oder 
Krankheit halb nicht mehr ernähren konnen, soll die Gemeinde, in die sie 
gehören, dieselben erhalten, und würde die Spende sicht soviel ertragen, 
soll an Sonn- und Feiertagen der Pfarrer auf der Kanzlei der Armen geden- 
ken und der Spendmeister mit einem offenen Schüsselchen Almosen sam- 
meln in der Kirche und jeder gebe nach seiner Willen. Der Armen und 
Presthaften sich anzunehmen und sie geziehmend zu versorgen, wird jeder 
Gemeinde empfohlen, und alle werden aufgefordert bei Christenpflicht, 
solchen gottgefälligem Werke nachzukommen.» 
Die Gemeinden bestellten einen eigenen Spendvogt, der die 
Armenfürsorge verwaltete. Die Aufsicht über das Armenwesen der 
Gemeinden führte der Landammann. Die «Spend», wie man die 
Armenfürsorge nannte, muss aber schon vor Erlass der Polizeiordnung 
als «Stiftung» bestanden haben. Die Spend unterstützte mit Geld und 
Naturalien die Dorfarmen, besorgte und bezahlte ihre Begräbnisse; 
besonders grosse Opfer kostete sie die übergrosse Zahl fremder durch- 
wandernder Bettler und Armen. Diese mussten per Wagen teils nach 
Eschen, teils nach Triesen überführt und unterdessen in der Spendküche 
gespeist werden. 
Auch in Triesen bestand nachweisbar eine bedeutend fundierte 
Spend: «Es bestand auch eine bedeutende «wobltátige Stiftung, die Spend 
genannt. Das Ertrágnis war für die Armen und andere Zwecke verwendet 
worden. Es wurde darüber jährlich eine Abrechnung gehalten, bei der es 
natürlich nicht obne Trunk abging.» (JBL 1902 S. 69) 
In Triesen war, verbunden mit der einstigen herrschaftlichen 
Mühle, eine Art von Hospital eingerichtet, in we Iches man vor allem 
siecle, Sterbende und Kranke aber "auch auf Bettelstreifen aufgegriffene 
ausländische Bettler verbrachte. Dadurch war Triesen ın diesem Punkte 
wohl am meisten belästigt. 
Am 18. Dezember 1801 wurde eine neue Bettelordnung einge- 
führt und darnach sogar Militär eingesetzt, um fremde Bettler Eg au 
zustôbern und über die Grenze abzuschichen. Man führte wieder die 
Nachtwachen ein, nicht nur als Feuerwächter, sondern der fremden 
Bettler und des ausländischen Gesindels wegen, veranstaltete für die 
liechtensteinschen Armen nach einem vom damaligen Triesner Pfarrer 
Benedikt Schmid ausgearbeiteten Konzept Sammlungen, setzte Armen- 
pfleger ein, alles Dinge, die bei der Bevölkerung auf wenig Verständnis 
stiessen. Man sträubte sich gegen ein Arbeitshaus, gegen das Einrichten 
eines Armenfonds oder gemeindeeigener Ar menhäuser und es musste 
1869 werden, bis endlich ein Armengesetz dem alten Elend der dorf- 
eigenen Armen und damit dem « Verganten» der armen Waisenkinder 
und der Dorfarmen oder «dem Bettel von Haus zu Haus» ein Ende 
setzte. Erst das 20. Jahrhundert brachte eine menschenwürdige Ord- 
nung für die Armen. Dies geschah durch die Einrichtung von Ar men- 
häusern oder Bürgerhausbetrieben, die mit einer Landw irtsch aft ausge- 
stattet wurden, zu der aus Gemeindeboden zugestiftet und auffällig v el 
von solchen an Giitern dazugegeben wurde, die als «Pensionáre» auf 
Lebzeiten dorthin gingen undi s Vermógen der Anstalt vermachten. Es 
Armut, Kriege und Notzeiten 
 
        

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