Unser Land 
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Ein grosses Besitztum der Triesner lag über dem heutigen Rheine 
drüben. Den wuchtigen Rüfen (Lawena, Badtobel, Guggerboden, 
Schindelholzbach) und dem Dorfbach wollte man ebenfalls auswei- 
chen. 
Vielleicht gelingt es der Nachwelt, die Rómerstrassenführung in 
Triesen zu erforschen und aufzuklären. 
Im frühen Mittelalter (ca. 476 bis 911) 
Bis zum Untergang des westrómischen Reiches 476, dem Rátien 
als Provinz einverleibt war, wurde es vom Präses in Chur verwaltet. 
Chur erhielt früh das Stadtrecht, war eine nach römischen Muster ein- 
gerichtete Stadt, besass einen Stadtrat und bereits im 4. Jahrhundert 
einen Bischof. Unser Gebiet gehörte immer zum Bistum Chur. An die- 
ser Verwaltung änderte sich mit dem Zusammenbruch des westromi- 
schen Reiches vorerst nichts. Die Bindung nach dem Süden brach nicht 
mehr ganz ab. Rätien behielt an Einrichtungen und Kultur vieles aus 
der Römerzeit weiter. 
Bereits unter den Römern hatte sich ein Stand der Adeligen (Vor- 
rangigen) aus den Kriegern heraus gebildet. Diejenigen, die dem rómi- 
schen Staate als Krieger dienten - nach 212 waren die Riter ja auch 
rómische Bürger - wurden mit Láànderzuweisungen besoldet und pen- 
sioniert. Steuern und ebenso Zólle verblieben, ebenso bis ins 9. Jahr- 
hundert herauf vorherrschend die aus dem Volkslatein herkommende 
ráto-romanische Sprache, das Lateinische blieb dagegen bis über das 
Jahr 1000 hinaus die Amts- und Urkundensprache, Orts- und Flurna- 
men erhielten sich, mit einem Worte, gewechselt haben vornehmlich 
nur die Herrscher. 
Aus unserer Gegend vernehmen wir von einer neuen Welle der 
Christianisierung vom 7. Jahrhundert aufwirts an (Klostergriindungen 
in St. Gallen, Pfiters, Chur, Disentis, Cazis, Schinis etc. etc.), reichlich 
Zuwendungen vom einstigen römischen Kaiser- oder Königsgut an 
solche klösterlichen Niederlassungen und den Bischof von Chur, der 
gar bald das Amt eines Präses in unserm Rätien ausübte (geistliche und 
weltliche Macht vereinigte). Der Zinsbauer war an Kloster und an Hof 
gebunden. Wie bei den Römern, so auch den nachfolgenden 
Herrschern verblieb die oberste Staatsgewalt beim Kaiser. Für ıhn 
regierten seine Beamten die Provinzen, hier Präses oder Statthalter 
genannt. So betont Bischof Tello von Chur in seinem Testamente von 
765 ausdrücklich, dass all die Güter, die er jetzt den verschiedenen Kló- 
stern schenke, von seinem Grossvater, dem Präses herkommen. Erst im 
Jahre 806 trennte Kaiser Karl der Grosse (768-811) die kirchliche von 
der weltlichen Macht und setzte zu weltlichen Provinzverwaltern wie- 
derum Grafen ein. Graf war der aus dem Stande der Grundbesitzer 
zum kaiserlichen Verwalter aufgestiegene Provinzregent. Dieses Amt 
wurde bald erblich und der vom Grafen verwaltete Bezirk (Gau) 
ebenso gar bald als erbliches Lehen betrachtet, so auch hier, über dem 
nur der Kaiser stand (wie die letzten Grafen unseres Landes 1699 bzw. 
1712 ihre Grafschaft Vaduz bzw. die Herrschaft Schellenberg an die 
Fürsten von Liechtenstein verkauften, bedurften sie hierfür der Zustim- 
mung des damaligen deutschen Kaisers, dem das Gebiet als Teil der 
deutschen Lande unterstand). 
 
        

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