Der Wald 
Rodungsflächen. Wie weit dies in unserer Gegend zurückliegt, können 
wir nur erahnen. Sicher ist, dass zur Zeit der Römer (ab 15 v. Chr.) und 
den ihnen vorgehenden keltischen Bewohnern bereits festes Eigentum 
an bestimmten Wald- und Rodstücken (Wiesland) bestand, Eigentum 
und Besitz, die man verteidigte. | 
Am Walde und dem gerodeten Land bildeten sich Rechte der 
Siedler heraus. Die Siedler selbst besassen ihre eigene politische und so- 
ziale Struktur. So wissen wir vor allem von den Alemannen, die ab dem 
5. Jahrhundert nach Chr. als neue Siedler hierher kamen, dass sie Eigen- 
tum und Besitz an allem Grund.móglichst gemeinsam (Genossame, 
Sippe, Gemeinschaft, Allmein) erwarben und unter sich zur Nutzung 
verteilten oder zuteilten. Dabei ging wohl ein bestimmter Teil (Haus- 
platz, Haus und Umschwung, Garten, Obstbündt und Acker) in festen 
Besitz des Siedlers, wáhrend die weitere Umgebung der Siedlung als 
Pertinenz vorerst wohl zur beliebigen freien und später nach einer sich 
herausgebildeten Ordnung zur dauernden oder zeitlich begrenzten 
Nutzung überging. 
Wohl am spätesten entstanden eigentliche Nutzungsordnungen 
für den Wald. Denn Wald war bis ins Mittelalter für jeden genug vorhan- 
den. Hier konnte er holzen und Viehfutter holen, Schweine hüten. Ein- 
zig für den Landesherrn hatten sich aus der Rómerzeit und der nachfol- 
genden Feudalherrschaft Sonderrechte am Walde herausgebildet, wie 
das Recht auf Jagd und Wild, ein Obereigentum an allen Gebirgswil- 
dern, Anspruch an allen Erzen. Während Jagd und Wildfang bis 1848 
durch die jeweiligen Landesherren in eigener Regie betrieben wurden, 
so wurde das Abholzen von Wäldern gegen eine zu bezahlende Gebühr 
(Stocklöse) bewilligt, Bergwerke gegen Entrichten von Zinsen oder 
Abgabe eines Teiles des Eisens oder dergleichen, sowie Quellen und 
Wasserrechte als Lehen gegen Entgelt hingegeben (Konzessionen zur 
Ausnützung). Triesen hatte ab den rheinseits gelegenen Waldungen nie 
erkennbar eine Stocklöse, sondern eine solche nur ab den Waldungen in 
Valüna bezahlt und diese bereits 1838 ausgekauft. 
1396 hatte sich Graf Heinrich von Vaduz von König Wenzel von 
Böhmen mit der Erklärung der Reichsunmittelbarkeit das Recht verlei- 
hen (bestätigen) lassen, über Land, Leute, Städte, Festen, Märkte, Dör- 
fer, Mannschaften, Lehenschaften, Gericht, Zölle, Mühlen, Acker, Wie- 
sen, Wälder, Fische, Wasser, Teiche, Jagd, Vogelrecht und «sonst andere 
threr Zugehörigkeit» als Stand des Reiches an seiner statt verfügen zu 
können. 
Aus dieser und nachfolgenden weiteren kaiserlichen Bestätigun- 
gen der Reichsunmittelbarkeit leiteten die Landesherren (Grafen) das 
Recht ab, Ordnungen (Gesetze) zu erlassen. So richteten die Brandiser 
das Landammanntum ein, die Dörfer und Gemeinden erhielten immer 
mehr Recht, sich selbst zu verwalten, wozu auch später das Recht kam, 
die Nutzung der Wälder nach bestimmten Regeln (Waldordnungen), 
die sie entweder vom Landesherrn zu erlassen erbaten oder sich selbst 
gaben, zu ordnen. no 
Über das Holzbezugsrecht stritten sich die Triesner und die Trie- 
senberger des ôfteren. Die Gemeinde Triesenberg vergrósserte sich, 
rodete immer mehr Gestrüpp und Wald, so dass sie sich bei ihren Nach- 
barn im Saminatal und noch lieber bei den Triesnern vor dem Kulm um- 
sahen, um zu mehr Holz zu kommen. Von so einem Streite hóren wir 
 
        

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