Staats- und Gemeindehaushalt, Steuern, Masse, Geld, Zoll 
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Judengelder 
Fürst Wenzel, der von 1748-1772 regierte, kaufte die sog. Juden- 
schulden in der Hóhe von 30 000 Gulden auf. Die Judenschulden waren 
besonders nach dem 30jáhrigen Krieg entstanden, als unser Land wirt- 
schaftlich vóllig darniederlag. Die Juden erscheinen bereits im 17. Jahr- 
hundert bei allen móglichen Dingen in Gerichtshándel verwickelt. Der 
Fürst verbot den Juden den freien Handel im Lande, nur bei óffentlichen 
Jahrmirkten wurde eine Ausnahme gemacht. Das half nicht viel: Die 
Bevölkerung lief den Juden nach Feldkirch nach. Wer aber gegenüber 
den Vorarlberger Juden alte Schulden besass, war mit dem Kaufe der 
Schuldbriefe durch den Fürsten von der Bedrängnis durch die Juden 
erlöst, er konnte sie zu erleichterten Bedingungen an das fürstliche Rent- 
amt bezahlen, was aber auch nicht immer pünktlich geschah. So heisst es 
ım Rentamtbuch 1789, dass dieses Jahr gar keine Judenschulden abbe- 
zahlt worden wären. 
Von diesen «Kapitalien» schenkte 1768 Fürst Wenzel der Kirche 
in Triesenberg 68 solche Schuldbriefe zum Einzuge für zusammen 7027 
fl. Darunter befanden sich auch 17 Triesner mit 1226 fl. (der grösste 
Schuldner war der damalige Sonnenwirt Joh. Georg Gassner mit 250 fl.) 
Der wirtschaftliche Aufschwung 
Der wirtschaftliche Aufschwung unseres Landes nach 1861 ist ne- 
ben anderen Fakten doch zu einem grossen Teile dem geordneten Kre- 
dit- und Währungswesen unseres Landes zu verdanken. Die mit dem 
Zollvertrag mit Osterreich 1852 übernommene österreichische Wäh- 
rung und die Entwicklung des Kreditwesens mit der Erôffnung der heu- 
tigen Landesbank 1861 (ehemals «Zins- und Creditanstalt», dann 
«Sparkasse» und seit 1929 «Liechtensteinische Landesbank») öffneten 
uns wirtschaftlich den Weg in die Welt und boten Möglichkeiten zur 
Anlage von Geldersparnissen, zur Beschaffung von Krediten für 
Gewerbe und Industrie und ebenso für die Bedürfnisse des Staates. Die 
ausländischen privaten Geldgeber verschwanden, der Landesfürst und 
seine Rentamtskasse in Vaduz mussten nicht mehr Kredite hergeben, es 
sei denn für die aussergewöhnliche Überbeanspruchung, wie für den 
Bau der Rheinwuhre, der Brücken, des Rüfeschutzes und der Erschhies- 
sung der Alpen. 
Das Vertrauen in die Währung ging so weit, dass manche ihren 
Grundbesitz hergaben oder ihn ab 1862 auch in die neu errichteten 
Gemeindebürgerheime einbrachten und sich dafür dort als Rentner ver- 
pflegen und aufnehmen liessen, was gerade in Triesen bevorzugt 
geschah. Schwierig wurde es nur für jene, die in allem auf die Währung 
vertrauten und dann mit dem Zusammenbruch der ósterreichischen 
Krone am Ende des 1. Weltkrieges und dem Untergang des alten Oster- 
reich unvermeidbar auch alles verloren und nun wirklich über Nacht - 
konnten sie sich nicht an eine eigene Familie halten - armengenóssig 
wurden. 
Hatte die Bevölkerung um 1820 rund eine Million Gulden Schul- 
den - meistens an ausländische Gläubiger - wobei das Grund-Vermógen 
auf 2 1/2 Mio. Franken geschützt wurde, so wandte sich nach 1861 das 
Blatt. Bereits 1899 waren von 1361 Privatpersonen total 1 121 355 Gul- 
den bei der Sparkasse angelegt - davon aus Triesen von 144 Einlegern 
 
        

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