Staats- und Gemeindehaushalt, Steuern, Masse, Geld, Zoll 
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sich in Balzers (heute Gasthof «Liechtensteiner Hof»). Um 1500 wird in 
der Grafschaft Vaduz nur noch die Zollstitte in Vaduz erwihnt. Das 
hölzerne Zollhäuschen beim Aufgang zur Kapelle «St. Florin» diente, 
nachdem die Grafen von Hohenems die Zolleinnehmerei in die Taverne 
verlegt hatten, als Schulhaus. Die Zöllner übten damals öfter verschie- 
dene Berufe gleichzeitig aus. So war um 1780 der Pächter der 
«herrschaftlichen Taverne», Karl Wolf, gleichzeitig Zóllner und als sol- 
cher verpflichtet, den Zolltarif in der Gaststube auszuhángen. 
Der Warenverkehr durch das Gebiet des heutigen Fürstentums 
Liechtenstein muss im Mittelalter beachtlich gewesen sein. Über die In- 
tensitát des Verkehrs von Lindau über Fussach, Feldkirch, Vaduz, Chur 
nach Mailand und umgekehrt schrieben im Jahre 1550 die Amtsleute 
von Feldkirch an die Oberósterreichische Regierung in Innsbruck: 
«Hinein nach Italien gehen jährlich 1600 Sam (zu je 4 alten Zent- 
nern oder 200 kg) und heraus nach Deutschland bei 700 Sam. Der Unter- 
schied der Menge wird durch den Wert der Güter der ersteren Richtung aus- 
geglichen, denn die Güter der ersteren Richtung waren meist Seidenwaren 
und Spezereien sowie Reis (jábrlich 130 Fass). Ferner wird über Feldkirch 
Getreide für Graubünden eingeführt. Fische für das Etschland, bei 1200 
Pferde aus Schwaben für das Welschland. 
Auch auf dem Rhein sollen auf Flössen von Chur herab bis in den 
Bodensee Holz, Vieh und landwirtschaftliche Erzeugnisse befördert wor- 
den sein. Die Zolleinnahmen betrugen ım Mittelalter ca. 300 fl. und später 
600 fl. Sie bildeten eine Einnahme des Landesherrn. Ab 1800 betrug der 
Zoll 2000-5000 Gulden.» 
Liechtenstein kannte bis Ende des 18. Jahrhunderts keinen 
Grenzzoll, sondern lediglich einen Strassenzoll. Damit er nicht umfah- 
ren wurde, musste dieser Strassen- und Weggeldzoll niedrig gehalten 
sein. Bis zur Erstellung der neuen Landstrasse 1770-1782 konnte nur 
von Säumern Zoll eingehoben werden: erst als auf der neuen Land- 
strasse Ware mit Wagen transportiert wurde, konnte 1791 der Zoll reor- 
ganisiert werden, brachte aber nicht die erhofften 5000 fl. Ertrag pro 
Jahr. 
Schuppler bemerkt in seiner Landbeschreibung von 1815: 
«Für das Jahr 1814 gingen an Zollgeldern ein zusammen 2112 fl. 30 
kr. Dieses Erträgnis entspricht noch keineswegs den Erwartungen, die man 
bei Einführung der neuen Zollordnung vom 5. Juni 1808 sich von der 
Zukunft versprach, allein es waren noch immerfort kriegerische, dem Han- 
del entgegenwirkende Zeiten, bei denen der Transito gegen vorhin unbe- 
deutend ist, auch leidet das hiesige Zollgefäll bedeutend durch den sehr 
hohen vor baierischen, nun österreichischen Vorarlberger Zoll, dem Kauf, 
Handel, Spedition und Fuhrleute möglichst ausweichen, und einen grossen 
Theil der Fracht auf der schweizer Seite fortschaffen. Bei ruhigeren, dem 
Handel günstigen Zeiten sollte sämtliches Zollgefäll im Lande beinahe 
5000 fl. erreichen.» N 
Der Zoll ergab erst nach dem Zollvertrag mit Osterreich 1852 
eine tragende Staatseinnahme, und war 1848 vom Fürsten dem Lande 
überlassen worden (1865: fl. 15250) 
Erschwerend für den Wirtschaftsverkehr mit den Nachbarn 
waren die um vieles hóheren Einfuhrzólle Vorarlbergs und jene Grau- 
bündens. Osterreich verlangte z. B. für 1 Pferd 1 fl. 30 kr., für ein Rind 
(Kuh, Stier) 1 fl., für einen Eimer (1 Viertel = 56 Liter) Wein 1 fl. 20 kr. 
und ein Malter (8 Viertel ^ 39 oder 43 Pfund) Getreide 10-21 kr. Die 
 
        

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