Bilder aus Kultur, Leben im Dorf und Volkswirtschaft 
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1740 fasste die Gemeindeversammlung zu Triesen in bezug auf 
Errichtung von Gebáulichkeiten folgenden Beschluss: 
1. Niemand soll sich unterfangen, in dem Dorfe Haus, Stall, Ne- 
benstallung oder Scheiterháuser zu erbauen, ausser auf einem Platze, wo 
früher ein Haus oder ein Stall gewesen und wo den Anstôssern an Son- 
nenlicht, Baum-, Kraut- und Weingarten kein Schaden geschieht. 
2. Wollen zwei eine Behausung miteinander haben, so soll es 
ihnen nicht verwehrt sein, ein Haus, soweit das alte Dach geht, zu unter- 
schlagen, jedoch ohne Schaden der Anstósser und mit Erlaubnis der 
Gerichtsleute und Geschworenen. 
3. «Weil die Zierd und Anständigkeit erfordert, dass nach dem lobli- 
chen Beispiel der Altvordern die zwei Gemeindsplätz in der Gemeind, als 
der einte bei der Linden, und der andere bei des Johann Lamperts Haus all- 
zeit in einem sauberen, unverbauten und ungeschmälerten Stand erhalten 
werden, so sollen diese zwei Plätze auch fürderhin in einem guten Stand 
sein und bleiben.» 
4. Bei Erstellung von Kaminen ist besonders auf Feuersicherheit 
zu sehen, wobei die Gerichtsleute und Geschworenen beizuziehen sind. 
(JBL 1902-238) 
Der Lindenplatz ist als solcher heute noch erhalten und Mittel- 
punkt des Oberdorfes. Als «der andere bei des Lamperts Haus» muss 
der Platz bei der Sonne - zwischen Gasthaus und der bis 1940 bestande- 
nen Zuschg - angesehen werden. Denn mit Schreiben vom 12. 3. 1842 
erlässt die Regierung im Einvernehmen mit der Gemeinde Triesen ein 
Hausbau-Verbot auf dem Gemeindeplatz vor der Sonne (GA v/1 Nr. 8). 
Seit 29. Juni 1980 ist in Triesen eine «Bauordnung 1970» in Kraft 
gesetzt, die nach dem Zonenplan nur mehr eine beschränkte Uber- 
bauung des Dorfgebietes und hier auch nur mehr nach bestimmten Nor- 
men zulässt. 
Schrifttum 
Zur Kultur zählen vor allem auch Sprache und Kunst. Das Dorf 
der alten Zeit war klein, viel Eigenart konnte von ihm nicht erwartet 
werden. Die um 1280 ins Dorf einwandernden Walliser brachten wohl 
die gleiche deutsche Sprache, aber in anderer Mundart mit. Die Walliser 
waren von Anfang an politisch selbständig, 1494 (1513) nahmen sie das 
Bürgerrecht an und wurden leibeigen, und 1768 lösten sie sich kirchlich 
von Triesen. 1810 erfolgte die Teilung der bis dorthin gemeinsam mit 
Triesen benutzten Gebiete (Allmeind, Waldung). 
Die Walliser nahmen den rätoromanischen Volksdialekt in der 
neuen Wohnheimat am Triesenberg nicht an. Aber im Dorfe am Fusse 
des Berges, wo sich ebenfalls Walliser niederliessen, hatten sie bestimmt 
einen Einfluss hinterlassen, auch wenn in Triesen heute kein Walseri- 
sches gesprochen wird. Unverkennbar anlehnend an den Walliser Dia- 
lekt ist die sonst den Triesenbergern eigene rasche Sprechweise, wie sie 
sich heute noch bei einzelnen Triesner Familien erhalten hat. Ebenso 
muss hier die Endsilbe und der Tonfall derselben beachtet werden, z. B. 
in den Familiennamen «Kindle» (fallende Endsilbe) und dem «Kindl»» 
(steigende Endsilbe). 
 
        

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