Bilder aus Kultur, Leben im Dorf und Volkswirtschaft 
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einem Gesetze vom 5. Jänner 1869 wurde der Begriff einer selbständigen 
Haushaltung mit dem Rechte der Teilnahme am Familien-Bürgernutzen 
vom Herde abhängig gemacht: «Wer eine eigene Feuerung unterhält, hat 
als eine selbständige Haushaltung zu gelten. Mehrere Familien, welche bei- 
sammen wohnen, einen gemeinschaftlichen Tisch führen und eine gemein- 
same Räuche unterhalten, kommen nur als eine Haushaltung zu behan- 
deln.» _ 
Die alten Ofen waren lediglich aus Lehm aufgebaut. Erst später 
trat der Kachelofen anstelle des Lehmofens. Der Kamin war in alter Zeit 
oftmals nur aus Holz gebaut und mit der Zeit von Pech und Russ so 
imprägniert, dass es feuerwiderstandsfähig war wie die Balken in den 
Hütten. Landvogt Schuppler verbot dann 1812, Kamine aus Holz zu 
erstellen. Der sogenannte offene Kamin, wie wir ihn heute als Cheminée 
antreffen, war dem Bauernhause unbekannt, doch war die Herdstelle in 
der Küche meistens gegen den Raum hin offen. Der Herd spendete Wàr- 
me und Licht. Die Familie erwármte sich am «Herd». Der häusliche 
Herd ist nicht umsonst in unserer Sprache als Inbegriff der Geborgen- 
heit, mehr als die Stube, genannt. 
Die Küche war im Bauernhaus vielfach auch Arbeitsraum. Hier 
war die Familie beisammen. Hier wurden am warmen Herde Arbeiten 
verrichtet, Arbeitsgeschirr hergerichtet. Einfache Handwerker (wie 
Schuster etc.) hatten ihren Arbeitsplatz in einem Winkel der Küche. 
Die «Hexen» ritten auf einem Besen nachts zum Kamin hinaus, so 
wenigstens heisst es in den unglücklichen Hexenprozessen des 17. Jahr- 
hunderts. Auch hier: Das Feuer stand im Mittelpunkt des Hauses! 
Die Keller alter Háuser sind ohne Bodenbelag. Der Naturboden, 
vielleicht noch mit einer Schicht gestampftem Lehm verdichtet, diente 
weit besser als die heutigen Beläge der Lagerung von Getränken, Obst 
und Feldfrüchten. Er wurde dunkel und feucht gehalten. 
Von einem eigentlichen Triesner Haus darf wohl nicht gespro- 
chen werden. Obwohl gerade heute noch Häuser im Triesner Oberdorf 
an die Bauweise der Walliser Häuser - wie sie am Triesenberg standen - 
erinnern, das Dorf Triesen war anders gebaut. 
Die Walliser am Triesenberg kannte keine so enge geschlossene 
Dorfschaft, sie bauten «zerstreut». Triesen besass seit jeher in den bei- 
den Weilern Oberdorf und Unterdorf zusammengepferchte Siedlungen, 
was mehr dem Charakter eines Haufendorfes entsprach und bis in die 
neueste Zeit so verblieben ist. Bestand es nicht in ältester Zeit aus zwei 
getrennt verwalteten Dörfern? Denn 1718 hatte der fürstliche Kommis- 
sär Harprecht eine neue Dorfordnung geschaffen und die beiden Dorf- 
teile Oberdorf und Unterdorf zusammengeworfen. Dabei erfahren wir, 
dass die Oberdörfler bis dorthin die Alpe Lawena allein als Genossen 
bewirtschafteten und ebenso die Unterdörfler Valüna. Zwei Dorfzen- 
tren waren im alten Triesen, wovon das Oberdorf doch noch mehr Reste 
alter von Bränden verschonter Kleinsiedlungen - man ist versucht hier 
einen Walliser-Einschlag festzustellen - aufweist als wie der «untere 
Winkel», der in diesem Jahrhundert durch Brände stark gelitten und vie- 
les Alte verloren hat. ; 
Landvogt Schuppler ist in seiner Landbeschreibung 1815 em 
schónes Haus in Triesen aufgefallen. Er schreibt dazu: 
«Sie (Dorfgemeinde Triesen) muss mit den Umgebungen ehedem 
eine von der Grafschaft Vaduz getrennte Besitzung ausgemacht baben, 
denn noch jetzt sieht man ein, sich in der festen Bauart und Höhe vor
        

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