Bilder aus Kultur, Leben im Dorf und Volkswirtschaft 
den Dienst nicht schuldig. Nach rechter Wahrheit so hat sich Leibeigen- 
schaft von Zwangsal und Fangnis erhoben und von mancher unrechten 
Gewalt, die die Herren von altersher in unrechte Gewohnheit haben 
gezogen. Im schwäbischen Landrecht erscheint die Todesstrafe häufig. 
Sie besteht in Hängen, Radbrechen, Enthaupten usw. Die den Pflug, 
Mühlen, Kirchen, Kirchenhöfe beraubten, Verräter und Mordbrenner 
soll man radbrechen. Besonders hart wurde Feld- und Viehdiebstahl 
bestraft und der nächtliche härter als der bei Tage verübte. «Wer in einer 
Mühle drei Pfennige Wert stiehlt, dem soll man Haut und Haar abschla- 
gen.» Geistliche, Jungfrauen, Witwen, Waisen, Kaufleute, Juden hatten 
besonderen Frieden für Leib und Gut, d. h. sie standen unter dem Schutz 
der Gerichte, desgleichen Kirchen, Kirchhöfe, jedem Dorf in seiner 
Markung die Pflüge, Mühlen und jeder ôffentliche Verkehrsweg zu Was- 
ser und Land. 
Das schwibische oder alemannische Recht galt auch in Churrá- 
ten. Da der Adel selbst oder die Herren vielfach roh waren und sich oft 
genug rohe Gewalttaten und Raub erlaubten, ist es nicht zu verwun- 
dern, wenn das gemeine Volk das gleiche tat und in Roheit versank, dass 
man es nur durch so entsetzliche Strafen bándigen konnte. Wohltátg 
wirkte die Religion auf die Gemüter, und neben der Kirche wirkten vor- 
züglich die Stádte auf Veredlung der Sitten. 
Eine Gemeinde wie heute gab es im Mittelalter noch nicht. Das 
Dorf war eine Nachburschaft, genossenschaftlich geordnet. Die Leute 
konnten verschiedenen Herren untertan sein, je nachdem sie freie Leute 
waren (nur dem Landesherren verpflichtet) oder Dienstmannen der 
Landesherren und als solche ebenfalls dem Grafen allein verpflichtet, 
oder dann sogenannte Gotteshausleute, die als Leheninhaber einem der 
Gotteshäuser (Klöster St. Luzi oder Pfáfers) verpflichtet waren. Sie 
wohnten aber trotzdem im Dorfe beisammen, das allerdings auch 
damals schon gerne «gemaindi» genannt wurde und betrieben fast samt 
und sonders Landwirtschaft. Das zwang sie zu einer «Dorfordnung». In 
dieser legten sie fest, wie man die Allmeinden benutzte, wie man Acker- 
land nutzen konnte; wann und wie man Vieh austrieb, man hatte die 
gleiche Kirche, so dass auch eine solche Gemeinde des Mittelalters vieles 
gemeinsam in allen Haushaltungen haben konnte: Eine Dorfgemein- 
schaft gleicher Sitten und Bräuche, eine Gemeinschaft zur gemeinsamen 
Abwehr von Nöten an Rhein, Rüfe und bei Feuer, aber auch gegenseiti- 
ger Hilfeleistung bei Errichten von Wegen, Gebäuden, Alpeinrichtun- 
gen, Hirtschaften etc. Das alles ebnete sıch erst aus, als die Stände inein- 
ander verschmolzen, als sie alle Gemeindegenossen waren (heute: Bür- 
ger). 
Die Standesunterschiede verschwanden. Im Dorf gab es praktisch 
nur noch Bauern, reiche und arme, und nach 1500 bereits solche Arme, 
die ausser dem Anteil am Gemeindenutzen nichts besassen, darum 
kämpften, aus der Allmeind und den Auen Land zur Nutzung zugeteilt 
zu erhalten, auf dem sie pflanzen und sich so karg ernähren konnten. 
Die Weinberge nördlich des Dorfes und das sogenannte Feld südlich 
desselben zwischen Landstrasse und Bergfuss gelegen, waren seit alters 
her in privaten Händen der wohlhabenden Bevölkerung (Lehenboden, 
freies Eigentum). Vom ursprünglichen Weideland mussten sich diejeni- 
gen, die zu wenig oder nichts zum Leben besassen, das Finschlagen des 
Ackers erzwingen. Bei all den Zuteilungen aus solchem Land in Gart- 
netsch, im Aeule, im Riet, in der Au, im Unterfeld, erhielt die besitzlose 
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